Mal eine Lanze für meinen Freund Ego

Je mehr die Energien ansteigen und je weiter wir auf unserem Weg zum Bewusstsein voranschreiten, desto öfter höre und lese ich überall das Wort Ego. Und zwar selten besonders freundlich oder herzlich. Eher so, wie man allgemein mit einer Fliege umgeht, die einem lästig wird. Man versucht immer wieder, sie mit der Hand zu verscheuchen.

Nun ist es ja aber mal so, daß unser Ego keine Fliege ist. Denn Freund Ego gibt es ja wohl bereits seit Äonen. Und der Witz ist ja auch, daß er noch von uns selbst erschaffen wurde. Warum auch nicht. War er doch wahrscheinlich mit eine Grundlage, daß wir hier auf der Erde überhaupt überleben und das alles erleben und erfahren konnten, was wir uns vorgenommen haben. Also können wir ihm eigentlich eher erstmal dankbar sein, find ich.

Ich stell mir das so vor: Ich habe zwar keine Kinder, aber wenn man grad mal mit seinen Kindern nicht klar kommt, denn sucht man doch auch nach einer Lösung, mit der alle leben können. Und würde sie nicht verscheuchen. Na ja, und so ähnlich stell ich mir das eben auch mit dem Ego vor. Von uns selbst gezeugt, das verschwindet nicht mal so eben, so weit können wir es gar nicht verscheuchen, daß es nicht wiederkommt.

Was machen Eltern mit den Kindern. Sie setzen sich zusammen, im besten Fall hören sie den Kindern wirklich zu. Erklären, was sie wollen, warum dies oder jenes nun im Moment nicht mehr geht und anders gemacht werden sollte. Und auch gleich noch, wie es jetzt gemacht werden sollte. Und denn können auch die Kinder reden und ihres einbringen. Und denn sucht man die Einigung, den Mittelweg am besten, wo alle zufrieden sind.

Ich hab vor längerer Zeit meinen Freund Ego beiseite genommen und ihm erklärt: „Mein Lieber, wir sind jetzt einen ganzen Weg gemeinsam gegangen. Ich danke dir herzlich dafür. Ich hab keine Ahnung mehr, wie das alles ganz am Anfang war. Kann sein, daß ich da mal sowas wie Kontrolle hatte, aber mittlerweile hast du ja übernommen. Ist auch alles gut und richtig so. Sonst wärs ja nicht passiert. Du wolltest dich und mich immer nur beschützen. Aber weißt du, ich hab schon vor längerer Zeit bemerkt, daß ich so nicht weitermachen will.

Und jetzt die gute Nachricht: Ich hab erfahren, daß es etwas gibt, das uns beide viel besser beschützen kann, als wir beide zusammen. Unsere Seele, unser hohes Selbst und ganz bestimmt Papa Gott. Wollen wir nicht denen einfach übergeben? Die haben mir das ziemlich glaubhaft versichert, daß sie es können. Wir wollen doch beide nach Hause, oder? Aber würden wir so weitermachen, denn schaffen wir das beide nicht.

Ich hab eine Idee. Wie wäre es, wenn du erst mal in den Urlaub fahren würdest. Ich bleib solange hier und halt die Stellung. Und denn schauen wir mal, was die anderen so drauf haben. Und vielleicht komm ich nach in den Urlaub, oder ich hol dich zurück, und du darfst jetzt endlich in meinem Herzen ausruhen.“

Na ja, und seit ich das gemacht hab, ist viel mehr Ruhe. Natürlich nicht perfekt, ab und an kommt Ego angedüst und meint noch, nach dem Rechten sehen zu müssen. War doch auch so lange sein Job. Aber ich krieg ihn wesentlich schneller beruhigt als vorher. Ich glaub, wir werden noch ein richtig tolles Team.

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About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
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9 Responses to Mal eine Lanze für meinen Freund Ego

  1. Liebe Kirstin,
    das fühlt sich sehr liebevoll an, wie du über Freund Ego und dein Gespräche mit ihm schreibst. Toll!
    Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir alles in uns nur gesund LIEBEN können.
    In diesem Sinne wünsche ich dir, mir und uns allen und all unseren inneren Freunden, Kindern, Anteilen, Subpersönlichkeiten, wie auch immer wir sie alle nennen mögen, dan Gefühl, geliebt zu sein.
    In schwesterlicher Verbundenheit grüßt dich
    MarIna

    • Kirstin says:

      Ja, meine Liebe MarIna,

      das war toll, wie Du das ausgedrückt hast. Wenn wir alle Persönlichkeiten in uns einfach nur lieben, denn werden wir gesund. Denn geh ich da jetzt so weiter.

      Es grüßt Dich herzlich die kleine Schwester.

  2. A`...Engel Ralf says:

    Guten Morgen liebe Kirstin,

    das ist ja ein genialer Vorschlag, den “Egon” in den Urlaub zu schicken. Vielleicht kann man dazu ja noch so etwas wie eine “Weiterbildung” buchen, frei nach dem Motto: “Vertrauensbildende Maßnahmen im Betrieb und Loslassen von Aufgaben”.

    Ganz recht, der Bursche braucht dringend mal ´ne Verschnaufpause und ich versteh auch nicht, warum der zu einer Fliege degradiert werden soll. “Egon” gehört ganz klar ins Team und ja, die Aufgaben für die “neue” Zeit und die Herausforderungen brauchen vielleicht mal eine neue “Aufstellung” – also nix mehr Libero “Egon” sondern wie im modernen Fußball, einfach mal die “Traute”, mit einer 4er-Kette aufzulaufen.
    Und ich stimme komplett zu, daß der neue Torwart Papa Gott sein soll – der hat noch nie einen ´rein gekriegt(;-).

    Sorry, wenn ich es zu sportlich nehme, aber wenn alles im Fluß ist, braucht man auch keine Angst vor einem Auswärtsspiel haben.

    Alles Liebe,

    Ralf.

    • Kirstin says:

      Lieber Ralf,

      ich finde, Du nimmst es nicht zu sportlich. Ich rede so auch gern. Einfach und locker. Jeder kann es verstehen. Und dahinter ist aber das Herz wahrzunehmen. Und ich glaub, Papa Gott ist das ebenso recht.

      Alles Liebe von Kirstin

  3. Angelika says:

    Liebe Kirstin,
    eigentlich warst du es, die den Namen Egon erfunden hat und mir damit den Weg in eine Freundschaft mit meinem Egon eröffnest hast. Ja, seit ich ihn/es bewusst wahr nehme ist es ruhiger geworden und fügt sich meistens sehr gut in mein Team ein. Weißt du, dem Ego auch mal danke sagen für seinen Knochenjob das ist wirklich wichtig, denn wie jedes Gefühl in uns will auch er/es seine Anerkennung und gesehen werden. So geht es leichter und angenehmer und sogar mit Spaß in die weiteren Runden zusammen mit ihm.
    Grüße an deinen Egon in Liebe 🙂

    • Kirstin says:

      Werds weitergeben, meine Liebe 😉 Hihi, erfunden hab ichs nicht, nur weiter getragen. Erfunden hat es Sabine Wolf von Kristallmensch. Und mich hat das da so überzeugt. Ja, es ist tatsächlich so, wenn ich mich mit Egon zusammen tue, denn klappt alles viel besser.

      Lieben Gruß von Kirstin

  4. Olaf says:

    Liebe Kirstin, ich finde es so berührend und liebevoll deinen Vergleich mit den Kindern. Du sprichst so liebevoll von ihm, dem kleinen Egon 😀 😀 :D. Ich glaube der kleine Egon in uns will auch einfach nur gesehen und angenommen werden. Das macht dein Artikel hier so liebevoll deutlich. Ach du liebe Schwester Kirstin, es ist so wundervoll zu sehen wie liebevoll du mit dir und deinen Anteilen umgehst.
    Herzlichst, Olaf

  5. Kirstin says:

    Danke lieber großer Bruder 😉 ich freu mich über diese Resonanz. Ich merke auch sehr deutlich, wie gut es mir damit geht. Nicht einfach Egon ausmerzen – sondern alles miteinander in Einklang bringen. Im Moment sowieso. Da fühl ich mich nur noch in Watte gepackt. Alles im außen verschwindet immer mehr. Hab aber schon Rückmeldung bekommen, daß das im Moment ganz normal sein soll.

    Viele liebe Grüße von Kirstin

  6. Ralph says:

    Hallo allerseits,

    beim Lesen dieses Blog-Eintrags und der Kommentare habe ich mich an die zwei Sichtweisen auf das Ego erinnert, die von Colin Tipping in dem Buch “Radikale Vergbung” vorgestellt werden:
    – das Ego als Feind
    – das Ego als Freund

    Abschließend schreibt Tipping da: “Ich lade Sie ein, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass beides zugleich wahr ist.”

    Folgt Ihr diesem Link, so findet ihr den entsprechenden Abschnitt aus dem Buch:
    http://books.google.de/books?id=1FxGYpcF_QwC&pg=PA74&lpg=PA74&dq=tipping+ego&source=bl&ots=IxGbTK_GTz&sig=cdhzQap_ZUwfttLIF40WhxCxBFU&hl=de

    Ich kann das Buch auch als Ganzes empfehlen: Es hat, als ich es vor zwei Jahren gelesen habe, meinen Horizont deutlich erweitert. Ist auch eines der Bücher, die nicht auf sich, sondern über sich hinaus zeigen …

    In Liebe,
    Ralph

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