Die Schönheit hinter dem Schmerz entdecken

Das klingt aber abgefahren werden sich viele denken, ja mein Gehirn sagt das auch gerade und mein Herz lacht, denn es brachte mich zu dieser Erkenntnis.

Es hat etwas gedauert bis ich das erst mal begreifen konnte und was noch wichtiger ist, bis ich es annehmen lernte.

Ich bin den selben Weg gegangen wie alle und jegliche Form von inneren Schmerzen wollte ich nicht haben und machte erst mal mein Gegenüber dafür verantwortlich. Ich litt dann entweder still vor mich hin und erstickte fast daran. Dann brach es aus mir heraus und ich ging auf Angriff über.

Nur beide Arten der Reaktion auf Schmerz halfen nicht ihn zu heilen, halfen auch nicht im geringsten ihn zu erkennen, was er mir denn eigentlich sagen wollte.

Ich brauchte schon vieler Lernjahre um erst einmal anzunehmen, dass der Schmerz in mir ausgelöst durch andere, mich eigentlich nur aufmerksam machen wollte, dass das alles was ich gerade wahrnahm nicht der letztendlichen Wahrheit von mir selber entsprach. Nicht den anderen, nein nur mir selber.

Dann verlangte dieser hartnäckige Teil von mir auch noch diesen Mut und die Ehrlichkeit mich mal selber im Spiegel zu betrachten. Ich kann wohl sagen, dass der Spiegel sehr oft anlief vor lauter Scham und ich mich ganz gerne vor ihm versteckte oder ich ihn einfach wütend umdrehte.

Aber er war da und da blieb er und er wurde irgendwann mein bester Freund.

Er lehrte mich Schritt für Schritt mein Ego kennen zu lernen, das in verschiedenen Formen und Farben mein Leben beherrschte, manchmal so subtil, dass es unheimlich schwer war ihm auf die Schliche zu kommen.

Dann zeigte mir mein Spiegel meine Gedankengänge, ausgelöst durch die Situationen im Alltag und die Gefühle die darauf hin entstanden. Oh Mann, das war manchmal schwer zu ertragen was ich da alles selber erschaffen hatte gerade durch das unbewusste Denken. Ich kann sagen, der Kuchen war mehr als schimmelig 😉

Meine Schmerzen hatte ich mir also durch mein Denken und Annehmen über etwas selber erschaffen und mein Ego gab den Senf dazu. Da gab es dann irgendwann keine Ausreden mehr und ins Selbstmitleid konnte ich auch nicht mehr flüchten, denn das arme Ich wollte erlöst werden aus seiner Rolle.

Also hieß es raus aus der Opferrolle und mit dem Vergrößerungsglas den Schmerz betrachten. Was da alles zum Vorschein kam: die ganze Palette an negativen Gefühlen die ein Mensch so haben kann und alle voll ausgekostet aber noch in mir gefangen.

Innerhalb von einigen Jahren konnte ich dann endlich sehr viele Schmerzen in mir verwandeln, ich nahm sie endlich an und sagte ja zu ihnen. Ich hörte allmählich auf den anderen den schwarzen Peter zuzuschieben und nahm das Blatt selbst in die Hand.

Je weiter ich ging desto mehr wurde ich mir plötzlich der Schönheit eines Schmerzes bewusst, denn in jedem Schmerz den ich fand, konnte ich das Wunder der Verwandlung und Selbsterkenntnis entdecken und erkannte die Illusion vieler meiner menschlichen Sichtweisen. Selbst wenn es eine Achterbahnfahrt war und ich grün und blass immer wieder ausstieg, so hat sie sich doch gelohnt.

Der Schmerz ist wie eine Rose in mir, zuerst einmal bemerke ich sehr schmerzhaft nur die Dornen und wenn mir die die Wunden dann ansehe, dann blüht die Rose in mir auf und ich finde immer mehr zu einer ganz neuen Wahrnehmung und erlebe gleichzeitig eine herrliche Befreiung von den alten Mustern und Energien. Darin erkenne ich die grenzenlose Schönheit hinter allem, die einmalige Chance mich selber von allem zu entblättern bis ich mich vollkommen nackt vor dem Spiegel stehe und mir ein Licht entgegen strahlt, das ich staunend als das eigene erkenne.

Ich bin noch immer auf dem Weg und mein Spiegel an meiner Seite … die Schönheit der Rosen nehme ich gerne in mir auf und besonders zu würdigen weiß ich nun die Dornen an ihnen 😉

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10 Responses to Die Schönheit hinter dem Schmerz entdecken

  1. Kirstin says:

    Liebe Angie,

    ich fühle mich so verstanden mit diesem Text, danke schön. Denn genau diesen Weg bin ich auch gegangen seit vielen Jahren und gehe ihn noch. Oft hab ich das wichtigste noch vergessen. In den Keller gestiegen und alles angeschaut hab ich immer. Aber denn wollt ich ihn einfach nur auflösen – also weghaben. Aber in letzter Zeit hab ich begriffen, daß der genau so in mein Zerz will, wie alles andere. Ja, und das mach ich.

    Ich hätte wohl nie dieses schöne Bild einer Rose gefunden, aber ich find es sehr passend. Denn ich bin dankbar für alles. Hätte ich diese ganzen Tiefs nicht gehabt, hätt ich nie erfahren, wie schön es sein kann, wenn sie sich wirklich auflösen. Wie unfaßbar ich da stehen und bemerken kann, daß der innere Druck immer mehr nachläßt. Und ich bin auch dankbar, weil ich heute die bin, die ich bin. Und ich fang an, die zu mögen, die ich bin. Meine Güte, was war das jetzt – sowas hätt ich früher auch nicht gesagt über mich. 😉

    Viele liebe Grüße von Kirstin

    • Angelika says:

      Liebe Kirstin,
      was für ein schöner Satz von dir: “und ich fang an, die zu mögen, die ich bin.” Die wohl wichtigste Aussage die man machen kann. Fängt es nicht erst damit so richtig an? Wenn man so richtig in der Eigenliebe ist und alle Seiten von sich wirklich mag und integrieren kann? Eigentlich beginnt dann erst die Selbsterkenntnis und damit hast du dir gerade die Rose geschenkt 🙂

  2. Ralph says:

    Hallo Angelika,

    kommt mir vor als hättest Du grad meine Gedanken in Deine Worte gefasst …

    Wenn Du mich fragst, was mir gegenwärtig diesbezüglich am schwersten fällt: Zu sehen, wie andere noch im Dunklen tappen, in ihrer Opferrolle aufgehen, das eine mögen und das andere ablehen, den Auslösern aus dem Weg gehen statt sich die Ursache anzuschauen; und jeglicher Versuch, ihnen eine hilfreiche Hand zu reichen, scheitert.

    Naja, hat ja auch bei mir ein klein wenig gedauert, bis ich den Satz: “Die Aufgabe eines spirituellen Freundes ist, Dich zu beleidigen.” so richtig verinnerlicht habe. Und so lange ich noch nicht mit Gleichmut zuschauen kann, wie sich andere ihren Kopf einschlagen, solange ich noch irgend etwas will – und wenn es das Helfen wollen ist – solange ist der Lernprozess auch bei mir noch nicht abgeschlossen. Denn solang Schmerzen anderer noch Schmerzen in mir erzeugen, gibt es dafür auch noch eine Ursache, die angeschaut werden möchte – in mir.

    In bedingungsloser Freude (auf die nächste Beleidigung ;-)),
    Ralph

    PS: Deine Aussage ‘Die Schönheit hinter dem Schmerz entdecken’ lässt sich übrigens auch auf körperlichen Schmerz übertragen – Stichwort ‘Psychosomatik’ …

    • Angelika says:

      Lieber Ralph,
      ich reiche dir die Hand für deine Aussagen, den anderen zu sehen wie er im Dunkeln herumirrt oder sich so gar nicht mit sich selber befasst ist immer wieder Schmerz für mich, der sich auch körperlich auswirkt. Ich glaube dass es wohl keinen so richtig gleichgültig lassen kann, solange diese Ebene nicht endlich überwunden ist und der Mensch sich überall von Herz zu Herz begegnet.
      Auch wenn einem manchmal Müdigkeit und Frust überkommt wegen den Ganzen, so stelle ich überraschend fest, dass ich doch immer wieder aufstehe und weitermache, trotz der “Beleidigungen” die kommen, aber die ja inzwischen vorhersehbar sind und ich sogar darüber schmunzeln kann.
      Letzendlich ist es aber wohl die Liebe für die anderen die uns wieder antreibt, was sonst sollte es sonst sein?
      Danke für dein Video, ich werde es mir abends in Ruhe ansehen 🙂
      LOL für dich und alle hier 🙂

  3. Doris says:

    Liebe Angelika,

    vielen Dank für deinen Text, der das Wesentliche wunderbar auf den Punkt bringt. Mir sind dazu noch zwei eigene Bilder eingefallen:

    1. Das Bild des Geborenwerdens: Der Weg durch den Geburtskanal ist erst einmal mit Enge, Angst und Schmerz verbunden. Aber nur wenn man da ganz hindurch geht und nicht auf halbem Wege stecken bleibt, gelangt man ins Leben.

    2. Ein Erlebnis aus einer meiner Psychotherapien: Ich steckte wieder einmal in einer Phase, in der mir alles nur noch dunkel erschien. Meine Therapeutin bemühte sich sehr, mir Mut einzuflößen. Sie richtete meinen Blick auf die schönen Seiten des Lebens. Sie zählte mir auf, was ich alles schon erreicht hatte. Sie redete und redete und redete, bis ich sie irgendwann ärgerlich unterbrach: “Ich sitze hier und warte darauf, dass es noch dunkler wird, weil dann nämlich die Sterne aufgehen. Also hören Sie bitte auf, mit der Taschenlampe in meiner Dunkelheit herumzufunzeln! Setzen Sie sich einfach zu mir und lassen Sie uns gemeinsam auf die Sterne warten…”

    Herzlichst,
    Doris

    • Angelika says:

      Großartig liebe Doris,

      deine Geschichte bringt mich so zum lachen, denn erstens steckte ich so oft im Geburtkanal fest und zweitens wollte ich auch lieber in der Dunkelheit bleiben und die Sterne entdecken. Man kann sich fast wohl fühlen darin, wenn einem bewusst ist, dass es dort ein wunderschönes Licht zu entdecken gibt. Solange ich es nicht gefunden hatte, halfen mir auch die besten Mutmachersprüche nicht weiter, sie sind dann mehr als nervig, also besser den Spiegel holen und den reinigen bis man sich wieder darin sehen kann.

      Sternengrüße für dich Liebes

      • Doris says:

        Das Schöne ist ja, dass die Sterne ganz von alleine aufgehen. Und auch jede Nacht endet ganz von alleine mit einem wunderschönen Sonnenaufgang am Morgen. Aber wenn man es sich aus Angst vor der Dunkelheit in dauerndem Kunstlicht einrichtet, kriegt man weder von den Sternen noch vom Sonnenaufgang etwas mit.

        • Angelika says:

          Du bist ja richtig poetisch Doris, jetzt gerade erinnere ich mich an die vielen Sonnenaufgänge die ich nach der dunklen Nacht erlebt habe, diese sich wieder wie neu geboren zu fühlen und diese einzigartige Erleichterung wenn ich die Heilung zugelassen habe. Es ist eines der schönste Gefühle die ich so erfahren habe.
          Lass uns noch vieler solcher Sonnenaufgänge erfahren und irgendwann stehen wir dann gemeinsam am Morgen vor diesem Moment, in dem die Sonne für immer in unserem Leben leuchten wird.

  4. Olaf says:

    Liebe Angelika,
    den Schmerz liebevoll anzusehen um ihn nach und nach ganz allmählich zu integrieren erfordert viel Mut. Vor allem den Mut zu haben zu Fühlen. Denn das ist ja die letztlich heilsame Erfahrung mit ihm. Ihn zu fühlen, fühlen zu dürfen, in voller Gänze. Er darf jetzt da sein, einfach das sein was er gerade ist. Ein Prozess der sicher nicht immer ganz leicht ist aber dennoch immer heilsam.
    Möge unsere innere Bereitschaft dem Schmerz liebevoll und mutig zu begegnen, ganz sanft und liebevoll ermutigt durch deinen Artikel hier, wachsen. Möge unserer Vertrauen in den Heilungsprozess mit jeder Erfahrung größer und tiefer werden. Hab ganz lieben Dank, für deinen Artikel hier.
    Alles Liebe,
    Olaf

  5. Angelika says:

    Danke lieber Olaf,
    ich kann nur allen anderen Blogschreibern, Autoren und Channeler an dieser Stelle ebenso danken, denn es waren ihre Hilfen durch die ich so vieles erkennen und heilen konnte. Wären sie nicht gewesen hätte ich wohl nie verstanden oder nur wenig, wer weiß. Ja, manchmal brauchte ich Mut um es durch zu stehen und dann hatte ich einfach wiederum genug von dem Schmerz so dass ich endlich frei davon sein wollte.
    Alles Liebste für dich

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