Wie viele Tränen hab ich wohl nicht geweint?

Meine Güte, es hört einfach nicht auf, Spiegel über Spiegel im außen. Aber wie schön ist das! Denn was bringt das alles für Weiterentwicklung. Aber dies hier hat mich doch nun sehr überrascht. Ich bin auf etwas aufmerksam geworden, was ich möglicherweise sonst noch jahrelang so weiter geschleppt hätte. Es geht um die Tränen des inneren Kindes, die man als scheinbar Erwachsener doch so gerne übersieht.

Ich glaub, daß wir alle als Kind die eine oder andere Delle abbekommen haben. Die einen mehr, die anderen vielleicht weniger. Natürlich gibt es viele Dramen. Auf der anderen Seite müssen es aber auch nicht mal unbedingt die großen Dramen gewesen sein, es können relativ harmlose oder einfach unbedachte Begebenheiten gewesen sein, die wir als Kind irgendwie auffassen und unser eigenes daraus machen. Und dies setzt sich bei uns fest, wenn es nicht aufgeklärt wird. Und möglicherweise haben wir unser ganzes Leben damit zu tun.

Und da gibt es ja so viele Methoden, wie man damit umgehen kann, wenn man sich dessen einfach nicht bewusst ist. Die einen werden z.B. ganz zurückhaltend und verschlossen, die anderen ganz brav und angepasst, wieder andere werden zum Rebellen und und und …

Ich hab mich für den Rebellenweg entschieden. Immer aufmucken, immer den Mund weit auf, immer frontal und direkt durch durch die Dinge. Das hat allerdings natürlich auch was gutes. Denn erkennen und aufklären konnte ich tatsächlich so einiges in meinem Leben. Aber wo blieb das letztendlich? Nachdem ich mir alles ganz „heldenhaft“ angeschaut hab, wollte ich vieles am liebsten so schnell wie möglich loswerden. Weil ich ja weiterhin so stark wie möglich sein muße. Das hatte ich bereits als ganz kleines Kind verinnerlicht. Wenn ich Schwäche zeige, sterbe ich bestimmt.

Na ja, so bin ich denn halt durchs Leben. Dabei hat in mir doch alles danach geschrieen, auch mal schwach sein zu dürfen. Aber wenn ich denn Menschen erlebt hab, die sich das schwach sein einfach mal so gestattet haben, denn war ich oft wütend. Ist ja klar, was fällt uns beim anderen auf? Das, was wir selbst haben und in uns nicht mögen, oder aber das, was wir selbst so gern hätten.

Ich habe jetzt etwas verstanden durch die Begegnung mit einem Menschen. Wie sehr hab ich diese Rolle des taffen Rebellen verinnerlicht. Mag sie mir für eine gewisse Zeit vielleicht sogar das Leben gerettet haben – aber was hat sie möglicherweise auch verhindert. Vielleicht hätte ich viel eher viel tiefere Begegnungen in meinem Leben haben können, wenn ich diese Rolle nicht gespielt hätte.

Ich beschäftige mich ja seit einiger Zeit mit meinem inneren Kind. Und von Marina hab ich die Idee übernommen, diesem inneren Kind einen Namen zu geben. Tini. Und ich hab jetzt schon mehrfach die kleine Tini in den Arm genommen, hab ihr gesagt, daß es mir leid tut, daß ich sie all die Jahre so ignoriert hab. Daß ich ihre Trauer und ihre Tränen nicht sehen wollte. Aus Angst, dies nicht zu überleben, wenn ich damit die Erinnerung an damals wieder zulasse.

Wie oft sie wohl verzweifelt war, weil sie mich einfach nicht wirklich erreichen konnte, weil ich sie allein gelassen hab mit ihrem Kummer. Aber das soll anders werden. Ich bitte da wirklich um Hilfe – wen auch immer, keine Ahnung, wer für sowas zuständig ist. Im Zweifel Papa Gott, der ist ja der Chef und kann es gegebenenfalls weiterleiten. Ich bitte um Hilfe, daß ich die kleine Tini jetzt immer wahrnehme und sie nicht wieder allein lasse. Und wenn sie weinen will, denn soll sie weinen. Jetzt will ich einfach da sein.

Diesen Text widme ich meiner kleinen Tini und dem Menschen, durch den ich das alles erkennen konnte.

Advertisements

About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
This entry was posted in Allgemeine Texte. Bookmark the permalink.

12 Responses to Wie viele Tränen hab ich wohl nicht geweint?

  1. LIebe Kirstin,
    dein Text berührt mich tief. Ich freue mich so sehr, dass die kleine Tini in dir ein so liebevolles Zuhause gefunden hat und nun in all ihren Gefühlen, auch mit ihren Tränen, da sein darf und angenommen wird. Dass ich dazu beitragen durfte, macht mich dankbar und erzeugt ein sehr zartes, fast andächtiges Gefühl. Ja ich empfinde DeMut vor dem großen Ganzen, das im stimmigen Moment die Ampeln auf grün schaltet, um Menschen in Kontaktzu bringen und etwas in uns zu bewegen, was uns zu dem Zeitpunkt noch gar nicht immer bewusst ist.
    Ganz liebevolle Herzensgrüße wandern spät in der Nacht zu dir und deiner kleinen Tini
    von Ina und Marina

    • Kirstin says:

      Liebe MarIna, ich glaub, das war mir unbewußt immer bewußt – hach, wie logisch grad 😉 – warum wir zusammen gebracht wurden. Wußte ich immer, da gehts für mich auch lang. Nur am Anfang war es sehr schwierig für mich. Aber nu is gut 🙂

      Viele liebe Grüße von an Euch beide von Kirstin und Tini – die sich heute und gestern das Weinen gegönnt haben

  2. Guten Morgen liebe Kirstin, liebe Tini,

    was wäre das für eine wunderschöne neue Erde,
    wenn wir mehr von diesen zärtlich, schwachen Rebellen hätten…

    …ohne Worte und voller Vorfreude,

    Ralf.

    • Kirstin says:

      Genau mein Lieber, es wäre schön, wenn sich immer mehr Menschen ihrer selbst bewußt wären und ihrer eigenen Gefühle.

      Viele Grüße von Kirstin

  3. Liebe Kirstin,

    was für ein schöner Text, ich verstehe dich so gut, erkenne mich selbst in deinen Worten.

    Alles Liebe
    Johanna

  4. Angelika says:

    Liebe Kirstin,
    die Kindheit ist ja die Wurzel unseres Lebens, wenn du mit Tini diese Wurzel heilen kannst, wirst du immer wieder neue Blätter und Früchte tragen. Das finde ich so schön am Leben 🙂
    Viele liebe Knuddelgrüße 🙂 🙂

    • Kirstin says:

      Ja, liebe Angie, das ist tatsächlich was, was ich auch schön finde am Leben. Und es fühlt sich so toll an, diese Blätter und Früchte aus sich selbst heraus zu tragen. Vielleicht ist es das, was meine Seele wollte, ist mir nach unserem Gespräch so aufgefallen. Einfach aus mir selbst heraus.

      Knuddelgrüße zurück 🙂

  5. Verena says:

    Liebe Kirstin, liebe Tini,
    ich bin bei euch.
    Ganz ohne Worte und mit ganz viel Gefühl
    Vreni

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s