Das Ego bekommt einen neuen Chef

Als ich das erste Mal vom Ego hörte da wurde es für mich eine Bedrohung. So wie es mir erklärt wurde, war dieses Ego etwas sehr Aufgeblasenes und überaus lästig im Leben, es sollte ja schuldig sein dass wir Menschen uns nicht weiterentwickeln.

Also war es Negativ in meinen Augen und ich wollte nichts damit zu tun habe. Irgendwann verstand ich dann auch seine Aufgaben und dass es seit ewigen Zeiten für unseren Schutz zuständig war. Also war es ja doch nicht so schlecht wie es dargestellt wurde.

Im Laufe der Jahre dann erkannte ich auch, wann sich mein Ego bei mir einschaltete, wie es  reagierte und wann es einfach ruhig blieb. Es hatte ja den alten Job als Beschützer eigentlich nicht mehr inne, denn wir kämpfen ja nicht mehr auf den großen Schlachtfeldern von früher, die Kämpfe die das Ego aber jetzt bestritt waren anderer Art und Weise.

Es sieht sich immer noch als der Beschützer und will auch seine „wichtige“ Rolle behalten. Da es mit dem Verstand zusammenarbeitet, bemerken wir meist gar nicht was da eigentlich vor sich geht.

Nehmen wir an, bei der Arbeit oder in der Familie behandelt uns jemand ungerecht, dann fühlt sich das Ego angegriffen und diese Gefühle werden vom Verstand registriert, der sofort entweder gedanklich oder laut verbal auf alles reagiert. Klar, der andere ist der Feind den es irgendwie zu bekämpfen gilt.

Dasselbe geschieht wenn wir uns übergangen fühlen, jemand auf uns wütend ist, wenn wir uns klein und unwichtig fühlen, wenn wir Fehler machen und diese nicht zugeben wollen, immer wenn wir uns nicht wohl fühlen mit einem Menschen oder einer Situation, dann reagiert unser Ego. Die schüchternen werden in Gedanken zum X-ten Male alle für Idioten oder Blödiane erklären und sich selbst bemitleiden, die etwas Mutigeren werden den anderen wiederum mit etwas angreifen so dass der Streit erst richtig entflammen kann und die ganz Schlauen unter uns, werden den anderen oder die Situation ganz einfach ins lächerliche ziehen, sich aufblähen und den Besserwisser und den Großen markieren. Das waren nur ein paar Beispiele, denn es gibt unzählige Varianten wie sich das Ego durch uns zum Ausdruck bringt.

Wenn wir beginnen „Aufzuwachen“, beginnen den Herzensweg einzuschlagen, dann gerät das Ego wirklich in Gefahr. Auf diesem Weg erkennen wir dass ganz vieles, was wir als wahr anerkennen gar nicht der Wahrheit entspricht, sondern einfach eine Wahrnehmung des inneren Kindes, des Egos oder des Unterbewusstseins ist. Wenn wir so weit gekommen sind, dann beginnen wir unsere Muster und alten Wunden zu heilen, wir können den anderen vergeben und sehen sie als Seelen an, die auch ihre Erfahrungen hier machen. Wenn wir dann noch Situationen erleben, wo das Ego eines anderen uns anfährt, dann macht uns das nicht mehr viel aus, weil wir ja wissen was beim anderen abläuft und unser eigenes Ego ist dann arbeitslos geworden. Zum großen Teil zumindest, denn noch üben wir fleißig. Also das Ego ist in aller Augen überflüssig geworden und soll möglichst schnell verschwinden, denn wer will schon als Egomane betitelt werden?

Nur das Ego ist ja nicht eine dunkle Gestalt, die sich im Lichte auflöst. Es ist eine Funktion in uns die man nicht einfach wegdrücken oder in einer Ecke verschwinden lassen kann. Es ist und bleibt ein Teil von uns und wir können es nicht ignorieren. Wir müssen es integrieren.

Es bekommt nämlich einen neuen Job.

Es wird beginnen unser Herz zu unterstützen, es wird nicht mehr eine Schutzfunktion erfüllen, wird auch nicht mehr sein eigener Chef sein, sondern es wird lernen müssen, mit den lichten Gefühlen in uns, mit der Liebe zusammen zu arbeiten. Darum ist es wichtig, dass wir das Ego liebevoll behandeln und mit ihm sprechen, denn es versteht noch nicht genau was seine neue Aufgabe ist und hat mächtig Angst, nun ins Abseits geschoben zu werden. Es hat auch Angst vor dem Neuen, denn es hat nie etwas anderes erfahren als Kampf und jetzt muss es lernen dass es keinen Kampf mehr gibt, sondern nur mehr Liebe und Einheit. Das ist sehr schwer für den armen Kerl, es ist wie ein Krieger der ein Leben lang auf dem Schlachtfeld gekämpft hat, denn dafür wurde er ausgebildet. Jetzt aber gibt es keinen Kampf mehr, keine Feinde und der Krieger soll jetzt dafür sorgen dass der Frieden und die Liebe überall einziehen und das alles mit seinen Kräften unterstützen.

Das ist es was Ego noch nie tun musste und es macht ihm Angst, denn dann ist es ja nicht mehr der strahlende Sieger über einen Kampf. Die neue Rolle erfordert Teamarbeit von ihm und Hingabe für die Liebe, denn sie braucht nun sanfte, liebevolle und wahrheitsliebende Krieger, die niemanden mehr verwunden sondern Wunden heilen. Also, wollen wir das arme Ego mal geduldig und sanft helfen bei seiner Umschulung? Damit es erkennt dass es noch wichtig ist,geschätzt wird und dass es einen ganz tollen neuen Job bekommt?

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13 Responses to Das Ego bekommt einen neuen Chef

  1. Kirstin says:

    Ach liebe Angie, weißte was? Als ich Deinen Text gelesen hab, da fühlte sich mein Ego pudelwohl. So, als wenn es zu mir sagt: Ja, siehste, da ist eine, die versteht mich.

    Lach – viele liebe Grüße von Ego und von mir 😉

  2. Angelika says:

    Liebe Kirstin,
    danke für solche Worte, ich mußte grad herzlich lachen darüber, weil sich dein Ego so gut fühlt 🙂 🙂
    Liebste Grüße an euch beide und viele Knuddis 🙂

  3. Olaf says:

    Liebe Angelika,
    es tut so gut und es ist so befreiend deinen Artikel hier zu lesen. Es ist völlig ok ein Ego zu haben und auch darin zu sein, wenn es denn gerade das ist was ist. Das bedingungslos liebende und mitfühlende Wesen in mir, schliesst auch mein Ego nicht aus. Ich sehe es genauso wie du, das wir unser Ego integrieren sollten. Das fühlt sich für mich sehr liebevoll an, mir selbst und meinem Ego gegenüber.
    Hab innigen Dank,
    alles Liebe Olaf 😀 😀 😀

  4. Angelika says:

    Lieber Olaf,
    ich fühle dass du auch aus deinem Herzen kommst und das mit dem Ego so gut erkannt hast, es ist doch ein Teil von uns und alle unsere Teile wollen nur in Liebe integriert werden.
    Liebevollen Dank für deine Worte und einen Herzenststupser für dein Ego 🙂 🙂 🙂

  5. LIebe Angelika,
    mein Herz jubelt und mein kleines Ich “Charlie” (so sage ich des öfteren zu meinem Ego) blickt interessiert und etwas schüchtern drein ob der Umschulung… “Schaffe ich das denn?” höre ich es zweifeln, denn der Kollege Zweifel ist oft sein Ratgeber. Die beiden kennen sich schon aus dem Sandkasten meiner Erinnerungen 😉
    Da kommt mein Herz dazu und sagt liebevoll: “Du musst ja gar nichts schaffen, Charlie. Alles ist gut, und auch wenn du so bleibst, wie du bist, wirst du einfach mitgenommen und geliebt.”
    Leise flüstert mir mein Herz hinter vor gehaltener Hand noch zu: “Wenn Charlie sich nicht verändern MUSS, dann wird es von ganz allein geschehen, denn Druck-Freiheit hat noch immer die schönsten Veränderungen mit sich gebracht.”
    LIebe Angelika, es hat mir viele wohltuende Gefühle gemacht, deinen Artikel zu lesen. Ich bin auch auf dem Weg, mein kleines Ich anzunehmen und gesund zu lieben.
    Herzlich grüßen dich, dein inneres Kind und dein Ego
    MarIna, Charlie und mein Herz

    • Verena says:

      Wunderbar befreiende Vorstellung, liebe Marina.
      Vreni

    • Angelika says:

      Liebe Marina,
      das Wort Druck-Freiheit ist interessant, hei, wir lernen neue Begriffe um uns auszudrücken 🙂 hast ganz recht, mit Druck geht gar nichts, das blockiert uns nur. Manchmal braucht es einfach einen guten Schuß Vertrauen und sich mal nach innen fallen lassen. Denn dort bemerkt man dann eines: alles ist gut, alles darf sein, alles darf in der Liebe leben.
      Liebste innige Grüße an deine “Marina-Familie” 🙂

  6. Verena says:

    Schön erklärt liebe Angie,
    Jetzt darf der groß Krieger weich sein.
    Liebe Grüß
    Vreni

    • Angelika says:

      Lach liebe Vreni, er darf gerade im Weichspüler baden, er beginnt es sogar zu geniessen, wenn seine Haut vom Wasser ganz weich und schrumpelig wird 🙂
      Liebe Umarmung für dich

  7. Ralph says:

    Ich und mein Ego – eine schöne Geschichte.

    Hab hier was für Euch “Eckhart Tolle EGO” … die Worte gehen geradewegs in mein Herz:

    Klasse:

    “Das Ich kann nur überleben, wenn es das nicht-Ich hat … genannt die anderen.”

    “Die Stimme im Kopf, die die meisten Menschen begleitet, ständig, die nie stoppt: Das ist das Ich, das manchmal mit sich selbst spricht.”

    “Und je mehr ich mich identifiziere mit der Stimme im Kopf, die nie aufhört zu sprechen, desto stärker bin ich verhaftet in der Illusion des Selbst.”

    Ralph

    • Angelika says:

      Super Ralph,
      ich liebe Eckhart Tolle und ich mag es, wenn meine Kopfstimme leise ist oder mal verstummt, was ich dann in mir wahrnehme ist unbegreiflich schön und leicht.
      Danke für das Video, alles Liebe für dich,
      Angelika

  8. Doris says:

    Liebe Angelika,

    schön dass mal jemand eine Lanze für das Ego bricht! 😀

    Ich sehe es so wie du. Zwar bin ich einst als Seele hierher auf die Erde gekommen – aber wenn ich von mir als Doris spreche, dann gehören dazu auch mein Körper und mein Ego, und die haben genauso ihre Daseinsberechtigung wie meine Seele. Ich als Individuum bin ich nicht mit meiner Seele deckungsgleich – und will es auch gar nicht sein. Hätte es mir genügt, reine Seele zu sein, dann hätte ich mir doch diesen ganzen Zirkus mit den Inkarnationen schenken können. Hab ich aber nicht.

    Ich will meinen Körper und mein Ego nicht überwinden, sondern ich will sie integrieren, um mit ihnen gemeinsam zu einer Mensch-Seele zu werden, die etwas ganz Neues, Größeres ist als die Seele allein.

    Viele Herzensgrüße,
    Doris

    • Angelika says:

      Danke liebe Doris,
      ich kann nur nicken und freue mich über deine Worte. Seit ich mein Ego als einen Teil von mir ansehe und liebevoll mit ihm umgehe, ist es auch in mir ruhiger und friedlicher geworden. Ausserdem kommt die Seele viel stärker zum Vorschein, wenn ich meine inneren Anteile in Liebe annehme und keine Kampf mehr in mir ist.
      Viele Herzensgrüße auch an dich
      Angelika

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