Ich weiß, daß ich nichts weiß …

… ja, so ist das grad bei mir. Ich hab zwar noch drei Texte in der Schublade über Erlebnisse der letzten Tage. Aber die kann ich irgendwie grad nicht bringen, weil ich im Moment alles in Frage stelle – aber sowas von in Frage … hab ich fast noch nie erlebt vorher, so heftig.

Was ist passiert? Keine Ahnung. Hab zwar heftige Klopper erlebt, aber das ist für mich absolut nichts neues. So war mein Leben immer, das hat mich noch nie umgehauen. Das im außen sind ja immer nur Auslöser,  da bin ich immer durch – immer wieder in den Keller, aufgeräumt und entsorgt.

Das Thema ist Kontakte zu anderen. Da passiert mir in einer bestimmten Form immer und immer und immer wieder das gleiche. Solange ich denken kann schon. Kann jetzt nicht näher darauf eingehen, weil ich denn wieder mal stundenlang an einem Text sitzen würde. Und auch, weil es noch so frisch ist. Ist vielleicht mal Thema für einen anderen Text. Obwohl ich glaub, da hab ich auch schon mal drüber geschrieben. Na, egal.

Jedenfalls hatte ich es dieser Tage so komplett satt, immer wieder das gleiche zu erleben. Wußte auch nicht mehr, was ich noch machen soll. Ich kenne ja schon lange die Ursache für diese immer wiederkehrenden Erlebnisse im außen. Hab wer weiß, wie oft schon den Keller daraufhin entmüllt – dachte ich wenigstens. Hab angeschaut, verstanden, verziehen, losgelassen – alles, so gut ich es immer konnte. Aber eigentlich wußte ich jedes Mal gleich hinterher, das war es noch nicht.

Sprach jetzt mit meiner Freundin drüber. Die weiß irgendwie immer Rat – bei dieser Gelegenheit mal: DANKE liebe Freundin, bin froh, daß es Dich gibt! 🙂

Wir wussten beide gar nicht genau, wie es kam, aber mit einmal waren wir mitten drin in einer Art innerer Familienaufstellung, alles vor meinem inneren Auge. Denn sie sind ja alle schon drüben. Und meine Freundin hat mir da durchgeholfen. Ich war da – die große Kirstin – und die kleine Tini (mein inneres Kind). Tini hat sich so richtig ausgeweint. Dann erschienen nacheinander meine Eltern. Die haben sich das erste Mal bei mir entschuldigt. Das war es glaub ich, was immer gefehlt hat. Alle Welt – und ich ja auch – haben immer nur Verständnis für meine Eltern gezeigt, daß sie es eben nicht anders gekonnt haben. Und ich müsste ihnen nur verzeihen.

Aber über mich hat keiner gesprochen. Ich eben auch nicht. Oder über die kleine Tini. Na ja, und die kam eben jetzt mal endlich zu Wort. Auch bei mir. Hab sie nicht gleich wieder überfahren, daß wir doch jetzt verzeihen müssen. Hab mir ihren Kummer angehört. Und oh Wunder – meine Eltern auch! Und dann haben sie sich entschuldigt und mir das erste Mal so umfassend erklärt, wie alles für sie war. Was sie wirklich für mich empfunden haben. Und wie sehr sie es bedauern, es nicht anders gemacht zu haben. Meine Mutter ist ja erst seit ein paar Jahren drüben, aber mein Vater immerhin seit 1982. Und all die Jahre stand alles zwischen uns – und keine wirklich Annäherung trotz all der geistigen Arbeit, die ich getan hab.

Na ja, als das dann war, da tauchten mit einmal meine beiden Großelternpaare auf, die jeweils mit ihren Kindern auch gleich etwas geklärt haben. Echt der Hammer – und der Oberhammer war, daß die kleine Tini mit einmal für ihre Eltern den Großeltern gegenüber eingetreten ist. Hat sie doch glatt gesagt, die Großeltern sollten ihren Kindern endlich mal sagen, wie lieb sie sie haben. Haben sie denn auch. Das war so toll! Ich wiederhole nochmal: Alles vor meinem inneren Auge. Und dann zu guter letzt kamen auch noch die beiden Geschwister meiner Mutter dazu und auch zu Wort.

Am Ende stand die kleine Tini da, rechts Papa an der Hand, links Mama, und hat nur gestaunt und gestrahlt. Und alle waren zusammen und irgendwie glücklich. Was können wir Menschen offenbar alles in unseren inneren Welten.

Aber heute nun ist es merkwürdigerweise so, als hätte fast nichts mehr aus meiner alten Welt Gültigkeit. Als treibe ich ziemlich orientierungslos dahin. Ich glaub aber, daß das gar nicht so schlecht ist. Hab es auch gemerkt, als ich heute Kommentare beantwortet hab. Aber komisch ist es schon.

Ein schlauer Mensch sagte mir heute: Wann immer man eine tiefe Erkenntnis hatte, tun sich wieder hundert neue Fragen auf. Und es kommt einem dann oft vor, als wisse man überhaupt nichts.

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About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
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25 Responses to Ich weiß, daß ich nichts weiß …

  1. Angelika says:

    Freu, lach liebe Kirstin …. jetzt kannst du alles abschliessen und deinen Frieden machen damit 🙂
    Ich drück dich mal ganz herzhaft dafür 🙂

    • Kirstin says:

      Hihi – und das geht so schnell, gell 😉 wenn man erstmal begriffen hat, daß man das darf 😉 dann ists ja nur die bewußte Entscheidung. Weißt was? Hab die kleine Tini gefragt, was sie heute noch abschließen will. Hab sie vor meinem inneren Auge gesehen, wie sie losgeflogen ist mit einem Zauberstab und alles mögliche angestubst hat. Und hatte tierisch Spaß daran. Weiß gar nicht, was das alles war, aber diesen Spaß soll sie haben.

      Drück Dich zurück 🙂

  2. Olaf says:

    Ist das schön zu sehen das es für Vergebung und Versöhnung nie zu spät ist. Dein Artikel hier macht das für mich hier noch mal ganz deutlich. Und was gibt es schöneres als seinen Frieden zu finden, gerade wenn es um Beziehung zu unseren Liebsten geht.
    Einen ganz dicken Drücker für dich, du liebe Kirstin
    Olaf

    • Kirstin says:

      Ja, lieber Olaf, genau so ist es. Ich hatte ja schon ein- zweimal sowas gemacht mit verzeihen und so. Aber noch nie so ausführlich, wie das gestern war. Und noch nie haben alle so viel und so ehrlich geredet. Es ist so schön, wenn man sieht, wie dünn die Schleier im Prinzip sind. Eigentlich ist es ja der Weg ins innere, und der steht uns immer offen, wenn wir es wssen.

      Ich drück Dich auch dolle. 🙂

      Ein tolles Gedrücke hier 😉

  3. Liebe Kirstin,
    wie gut, dass deine Tini nun auch mal alles loswerden konnte und es ausdrückn durfte. Und dass du nun soviel Heilung zulassen konntest, und uns daran teilhaben lässt – da freue ich mich mit! Ja, das is wirkllich schön! Und das Neue, das wird sich mit der Zeit von allein neu sortieren. Verwirrung ist ein gutes Zeichen von sich neu formierenden Weichen im Inneren. ABer ich weiß auch, dass es sich manchmal irgendwie unsicher anfühlen kann. Doch Papa Gott ist ja bei uns und hilft mit!
    Fühle dich herzlich umarmt von MarIna 🙂

    • Kirstin says:

      Liebe MarIna,

      Papa Gott, den hätt ich doch fast vergessen, der hilft ja tatsächlich mit. 😉 War in den letzten Tagen so mit meiner Seele beschäftigt. Danke, daß Du mich an ihn erinnerst. Aber freuen tut der sich wahrscheinlich trotzdem. Auch wenn ich ihn fast vergessen hätte. Vor allem an Tini, die dauernd durch die Gegend “zingt”. Aber davon morgen in meinem Text.

      Viele liebe Grüße von Kirstin

  4. Verena says:

    Dir die Hand reiche…ich weiß auch nix.
    Hab ich auch einen Text drüber geschrieben und ich kann das mittlerweile prima annehmen.
    So wie “Gefäß leer”…wichtig…denn nur dann kann Neues kommen…wenn ich Altes abgeschlossen und aus meinem Feld entlassen habe.
    Fühlt sich an wie bei dir.
    Deine Familienaufstellung gefällt mir sehr gut. Das war ja wohl der Auslöser für deine “Leere”…echt cool.
    Geil oder? würde mein Sohn jetzt sagen….grins
    Ich Reihe mich in die Big hugs ein.
    Schön, mit unter euch zu sein.
    Liebe Grüß
    Vreni

    • Kirstin says:

      Sehr geil, liebe Vreni. Herzlichen Gruß an Sohnemann. Borgen wir uns das Wort aus. 😉

      Ich denke auch, erst leerlaufen lassen, dann kommt neues von allein.

      Und schön, daß Du mit unter uns bist. Und daß es Dir ähnlich geht wie mir. Und Dir auch hugs 😉

      Viele liebe Grüße von Kirstin

  5. Liebe Kirstin, danke für deinen Text, ja wir haben im Moment anscheinend wirklich dieselben Themen.
    Ein Satz hat sich besonders in mein Bewusstsein gehakt, denn er spricht mir aus der Seele:

    “Die haben sich das erste Mal bei mir entschuldigt. Das war es glaub ich, was immer gefehlt hat.”

    Bingo, das ist es, dachte ich da , wir dürfen auch das Bedürfnis haben, dass sich andere bei uns entschuldigen, wenn sie uns unrecht getan haben. Wir müssen nicht nur immer alles verstehen und verzeihen. Vielleicht ist es das, was auch mir noch in manchen Beziehungen fehlt. Werd mal mein Unterbewusstsein dazu befragen.

    Danke dir und liebe Grüße
    Johanna

    • Ralph says:

      Hallo Johanna,

      beim Lesen Deiner Zeilen sind mir folgende Gedanken gekommen:

      „wir dürfen auch das Bedürfnis haben, dass sich andere bei uns entschuldigen, wenn sie uns unrecht getan haben.“
      – > Klar, aber wer legt denn fest, was Recht und was Unrecht ist? Für mich gibt es letztlich keine Schuld – oder was genau soll Schuld eigentlich sein? Wann spreche ich denn von Schuld? Es gibt Verursacher – aber wann wird ein Verursacher zum Schuldigen? Ob ich ein Opfer bin, oder nicht, lege allein ich fest – mit meinen Gedanken … oder ich lasse es sein. Der „Lohn“ dafür ist Freiheit. Aber letztlich entscheidet jeder selbst für sich, was ihm wichtig ist.

      „Wir müssen nicht nur immer alles verstehen und verzeihen.“
      – > Klar, muss ich nicht: Es ist meine freie Entscheidung. Übrigens: Colin Tippings Erkenntnis: „Wahre Vergebung geschieht, wenn ich erkannt habe, dass es nichts zu vergeben gibt“ hat in mir eine „Wahrheit“ zu Tage gefördert, die ich bis zum Lesen dieser Textstelle in seinem Buch „Radikale Vergebung“ recht gut verdrängt hatte. Zwischenzeitlich habe ich’s kapiert, aber ich gebe zu, dass es etwas gedauert hat, und dass es auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch Situationen gibt, in denen es einen (kürzeren oder selten auch noch längeren) Moment dauert, bis ich mir dessen wieder voll bewusst bin. Und: Ich liebe diese Herausforderungen.

      Ralph

      PS: Kennt Ihr “Jills Geschichte”?
      -> http://www.tipping-methode.de/jills-geschichte.php

    • Kirstin says:

      Liebe Johanna,

      vielleicht les ich das bald, was Dein Unterbewußtsein dazu gesagt hat? 😉 Es ist bei mir tatsächlich so, alles hat sich immer gewehrt in mir, wenn mir immer nur Verständnis für die anderen gezeigt wurde. Wo blieb ich dabei? Aber vielleicht hätte ich mir das schon eher selber geben können. Ich weiß es nicht. Hauptsache ist, jetzt ist es so, wie es ist. Und ging noch weiter mit den tollen Sachen..

      Viele liebe Grüße von Kirstin

  6. Doris says:

    Liebe Kirstin,

    ich finde es sehr interessant, was du da beschreibst.

    Erst vorgestern habe ich auch so eine Art Familienaufstellung gemacht. Und zwar geh ich seit kurzem zu einer Atemtherapeutin, um meine sehr blockierte und kontrollierte Atmung zu befreien und besser in Kontakt mit meinem Körper zu kommen. Vorgestern, in meiner zweiten Sitzung, führte mich der Atem in eine tiefe Traurigkeit hinein. Als ich dort weiter hineinfühlte, tauchte plötzlich meine Mutter auf. Sie ist mit dem Leben immer so überfordert gewesen, dass ich als Kind unbewusst die Verpflichtung spürte, sie tragen zu müssen – eine Aufgabe, auf die ich mit einer tiefen Lebensverweigerung reagierte.

    Die Atemtherapeutin fragte nun, ob es einen Platz im Raum geben würde, an dem ich meine Mutter gerne plazieren möchte. Ich legte meine Mutter in einer entfernten Zimmerecke auf den Fußboden. In dem Moment, in dem ich meine Mutter aus meinem Inneren “ausgelagert” hatte, konnte ich plötzlich viel freier atmen und spürte, wie sich eine unbändige Freude in mir ausbreitete. Und ich hatte auch das Gefühl, jetzt, da ich meine Mutter nicht tragen musste, sei auch sie frei geworden, um endlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen. (In der materiellen Realität sitzt meine Mutter im Rollstuhl.)

    Als nächstes fragte die Therapeutin nach meinem Vater. ich wusste sofort, dass ich mir meinen Vater hinter mir wünschte. Also stellte sich die Therapeutin ganz nahe hinter mich und legte mir die Hände auf die Schultern. Und da begannen die Tränen nur so zu fließen…

    Ja, ich finde es auch immer wieder sehr spannend, wie viel bei solchen Aufstellungen geschieht, obwohl es doch rein innere Vorgänge sind, die an der äußeren Realität gar nichts ändern. (Meine Eltern leben beide noch, aber wir fast keinen Kontakt mehr, und das ist für beide Seiten okay so.) Manchmal, wenn sich die innere Realität verändert hat, zieht das Äußere nach und manchmal nicht. Manchmal geht es auch gar nicht mehr, weil die Eltern nicht mehr leben. Aber ich empfinde es so, dass das Äußere gar nicht mehr so wichtig ist, wenn in uns selbst Heilung stattgefunden hat. Energetisch wirkt das ja sowieso immer aufs Ganze zurück.

    Liebe Grüße,
    Doris

    • Ralph says:

      Hallo Doris,

      gerade Deine letzten Zeilen hier in Deinem Kommentar reflektieren, was ich auch grad an Kirstin schreiben wollte: Eventuell bekommen wir die Dinge (egal ob im Außen oder im Innen), wenn wir sie nicht mehr brauchen (so ähnlich hat das auch Tolle mal gesagt). Bei Kirstin könnte ich mir dies hinsichtlich der “Entschuldigung” gut vorstellen.

      Ich habe beispielsweise auch an die fünf Jahre nicht mit meiner Mutter gesprochen, weil ich mich kontrolliert und benutzt gefühlt habe – und hatte auch die Vorstellung, dass sie sich zumindest entschuldigen sollte. Tippings Buch “Radikale Vergebung” war ein erster Schritt für mich, dieses Gedanken- und Gefühls-Konstrukt aufzulösen. Auch Rosenbergs Buch “Gewaltfreie Kommunikation” hat mir sehr geholfen – nicht nur, um bei der wieder aufgenommenen Kommunikation die passenden Worte zu finden, sondern auch, um mir meiner selbst bewusst zu werden und all die Projektionen aufzulösen, die sich seit meiner Kindheit so sukzessive in mir etabliert und zunehmend immer mehr verselbständigt hatten. Heute kann ich meiner Mutter wieder völlig entspannt begegnen – und damit auch allen anderen, die ähnliche Verhaltensmuster mir gegenüber an den Tag legen. Katie Byron und Eckhart Tolle waren diesbezüglich weitere „Wegbereiter“, aber das wisst Ihr ja zwischenzeitlich schon zur Genüge. 😉

      Um den Bogen zu schlagen: Eine „Entschuldigung“ ist mir heute egal. Niemand anderes als meine Gedanken sind die Ursache, wenn ich meine, dass irgendjemand eine Schuld an irgendetwas hat; und so tut auch meine Mutter nur das, was ich von ihr behaupte – sie ist meine Geschichte von ihr, nicht mehr und nicht weniger. Warum sollte sie sich für die Geschichte über sich entschuldigen, die ich mir über sie erzählt habe?

      Ich habe ihr vergeben – im radikalen Sinn, d.h. ich habe für mich erkannt, dass es nichts zu vergeben gibt.

      Ralph

    • Kirstin says:

      Liebe Doris,

      das find ich großartig, was Du schreibst. Ja, so ähnlich war es bei meiner Mutter auch. Aber ich wäre von mir aus nie auf den Gedanken gekommen, das so zu schreiben. Das hatt ich wohl wirklich etwas vergessen. Und daß meine eigene Lebensverweigerung daher kommen könnte, da bin ich noch nicht drauf gekommen. Danke sehr.

      Und mein Papa, ja, den hätt ich mir tatsächlich auch hinter mir gewünscht. Aber weißt Du was, er hat mir alles erklärt, warum er das nicht konnte und wie leid ihm das tat. Ich konnte ihn verstehen und ihm verzeihen. Ging das bei Dir auch?

      Viele liebe Grüße von Kirstin

      • Doris says:

        Liebe Kirstin,

        Verstehen und Verzeihen ist für mich eigentlich gar nicht das Thema. Verstehen tu ich meine Eltern schon lange, und ich weiß, dass meine Eltern immer ihr Allerbestes gegeben haben. Also was sollte ich ihnen verzeihen? Dass sie es nicht besser konnten damals?

        In so einer Familienaufstellung geht es ja nicht um die “echten” Eltern. Es geht es einzig und allein um die “inneren Eltern”, die Muster, die nach wie vor in mir gespeichert sind und längst Anteile meiner selbst geworden sind. Dabei ist egal, wie viel oder wie wenig Ähnlichkeit sie mit meinen “echten” Eltern haben. Diese inneren Muster sind das einzige, mit dem ich arbeiten kann. Die lassen sich aber nicht im Kopf auflösen, sondern meine Gefühle, mit denen muss ich mich auseinandersetzen. Die muss ich fühlen, vielleicht immer wieder, bis sie irgendwann ganz bis zum Ende gefühlt sind. Und wenn ich das gemacht habe, dann gibt es tatsächlich nichts mehr zu verzeihen.

        Alles Liebe,
        Doris

        • Kirstin says:

          Ja, Doris, das ist es wohl. Die Muster durchfühlen. Das merk ich auch grad heute wieder. Da kommt doch immer wieder was hoch. Und da bin ich eigentlich so beschäftigt, daß ich tatsächlich nicht an verzeihen oder nicht denke. Und ich freue mich darauf, wenn wir gar nicht mehr auf die Gedanken von Schuld oder sowas kommen. Weil einfach alles nur Liebe ist und wir nur das fühlen. Und eigentlich würd ich das Wort verzeihen sowieso in verstehen ändern wollen. Denn wenn ich jemand anderen verstehe, gibts nichts mehr zu verzeihen. Hab das Wort verzeihen ja selbst aufgebracht, aber verstehen gefällt mir viel besser. Find ich viel liebevoller.

          Lieben Gruß von Kirstin

  7. Hallo Ralph,

    auf deine Frage, wer legt denn fest, was Recht und was Unrecht ist, spürte ich ganz schnell die Antwort in mir: Mein inneres Gefühl, bzw. mein Mitgefühl legt das fest, und das vermag sehr gut zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden

    Und sorry, diese esoterische Theorie, es gibt kein Recht und kein Unrecht, kann und will ich nicht mehr akzeptieren und auch nicht mehr so stehenlassen. Denn damit kann jeder “Täter” jedes Unrecht rechtfertigen. Ist denn Krieg und Mord kein Unrecht? Sind denn die unschuldigen Menschen, die in z.B. in Libyen sterben mussten, weil andere nicht aufhören können, Krieg zu führen, selbst schuld? Sind denn die hungernden Kinder in Afrika schuld daran, dass wir nicht fähig sind, Nahrung gerecht zu verteilen? Logistisch möglich wäre es in Zeiten der Globalisierun schon lange.

    Du zitierst: “Wahre Vergebung geschieht, wenn ich erkannt habe, dass es nichts zu vergeben gibt.”
    Ich gebe zu, eine Zeit lang wäre ich auch fast auf solche “Forderungen”, die man ja häufig liest, hereingefallen, auch wenn ich unterschwellig fühlte, das passt nicht.

    Jetzt durch meine “Innenschau” der letzten Tage ist mir klargeworden: Selbstliebe ist, dass ich nicht zulasse, dass mir jemand Unrecht tut, und falls dies doch geschehen ist, vom “Täter” Einsicht und Entschuldigung verlangen kann. Liebe ist, dass ich nicht zusehe, wenn jemand anderem Unrecht geschieht, sondern einschreite. Und Selbsteinsicht ist, dass ich mich entschuldige, wenn ich jemandem Unrecht getan habe.

    Ich danke dir für deinen Kommentar, der mir jetzt geholfen hat, diesen Standpunkt noch weiter in mir zu festigen und zu fühlen, ja das ist meine Wahrheit, zu der stehe ich.

    Gruß
    Johanna

    • Ralph says:

      Hallo Johanna,

      vielen Dank, dass Du Deinen Standpunkt so ausführlich dargelegt hast.

      Ich habe grad nur eine Frage zu Deiner Aussage: “Mein inneres Gefühl, bzw. mein Mitgefühl legt das fest, und das vermag sehr gut zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden”

      Was tust Du, wenn ein anderer nach seinem inneren Gefühl zu einer anderen Unterscheidung kommt? Wie löst Du den daraus entstehenden Konflikt?

      Ralph

  8. Angelika says:

    Liebe Johanna,
    mit dieser Schulfrage habe ich mich auch sehr lange herumgeschlagen und konnte/wollte lange nicht verstehen. Nach langen äh, ich nenne es mal Forschungen, kam ich zum gleichen Resultat wie Ralph: es gibt keine Schuld.
    Ich hatte in meinem Leben eine Menge “Täter” die mich “Opfer” quälten. Irgendwann verstand ich, dass genau da der Punkt der Erkenntnis liegt. Meine Seele wollte das alles erfahren, wollte auch irgendwann die Täter verstehen warum sie das machen und dann wollte ich als Seele die wahre Vergebung kennenlernen. Als ich die Muster sah die sich seit der Kindheit durch mein Leben und der anderen zog, erkannte ich auch meine Muster immer mehr. Ich bemerkte dass wir alle den selben Schmerzen und Leiden ausgeliefert waren. Das war es, was uns reagieren lies und wo wir zum Täter oder Opfer wurden.
    Wenn man sich seine eigenen Muster anguckt und heilt, dann kann man im anderen nicht mehr den Täter sehen. Ich kann auch nicht über ihn urteilen, denn ich weiß nicht was seine Seele gewählt hat hier zu erfahren oder wessen sie sich hier zur Verfügung stellt.
    Wenn die andere Seele hier nicht den Bösen spielt, kann ich mich ja nicht als Armes Ich erfahren, umekehrt gilt das Selbe. Die Seele macht Erfahrungen und daraus kann sie lernen.
    Gerade jene die heute so viel leiden ermöglichen es uns endlich die Augen zu öffnen und mit der Veränderung in uns selber zu beginnen. Würden wir wirklich zum Herzen zurückkehren, wenn es hier nicht die Bösen gibt, die es uns bewusst machen? Würden wir je Vergebung, Mitgefühl, wahre Liebe erfahren und ein Miteinander statt Gegeneinander, wenn es uns nicht so drastisch vor die Nase gesetzt würde? Würden wir je aufwachen oder würden wir das Spiel ewig weitermachen?

  9. Lieber Ralph,

    Wirkliches Recht ergibt keinen Konflikt. Recht ist alles, was mir gut tut, und dem anderen nicht schadet.
    Oder anders gesagt: Recht ist dem anderen Leben, Liebe Freiheit und Fülle zu gönnen, so wie mir selbst auch.

    Wenn ich andere Menschen liebe, will ich, dass sie so leben können wie sie wollen, ohne dass ihnen Schaden oder Schmerz (auch emotionaler Schmerz ist Schmerz) zugefügt wird.
    Wenn ich mich selbst liebe, will ich dasselbe für mich.

    @ Angelika:

    Liebe Angelika, danke für deine Antwort. Ich erkenne gerade, dass ich bis vor ein paar Tagen selbst so argumentiert habe, wie du es jetzt tust, vermutlich habe ich dieselben Dinge gelesen wie du.
    Heute erkenne ich ganz deutlich: das fühlt sich für mich nicht mehr richtig an. Denn wie wollen wir “dem Guten” zu seinem Recht verhelfen, wenn wir alles gutheißen, auch Mord und Gewalt, wenn wir nicht mehr zu unterscheiden vermögen.

    Nein, ich achte deinen Standpunkt und auch Ralphs, aber ich teile ihn ganz und gar nicht.

    Danke, dass ihr mir zu immer mehr Klarheit verhelft.

    • Ralph says:

      Hallo Johanna,

      Du schreibst: “Wirkliches Recht ergibt keinen Konflikt.” Nun habe ich für mich erkannt, dass jeder Konflikt im Außen einen Konflikt im Inneren spiegelt. Solange ich den Konflikt im Inneren nicht löse, wird der Konflikt im Außen nicht verschwinden, da kann ich drauf reagieren wie ich will. Das Muster wird immer wiederkehren … bis ich verstanden habe.

      Der einzige Mensch, den ich ändern kann, bin ich selbst. Wenn ich mich ändere, dann wird das Außen folgen, denn alles hängt mit allem zusammen. So wird aber auch jede Verurteilung auf mich zurückkommen. Du weißt doch: “Wer frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein.”

      Wenn ich also einen “Psychopath” sehe und verurteile, dann sehe ich nur den psychopatischen Anteil in mir selbst nicht. Dass er da ist, ist aber offensichtlich, denn sonst könnte ich ihn nicht wahrnehmen. Dass heißt nicht, dass ich den “Psychopath” im Zweifelsfall agieren lassen würde – aber ich verurteile ihn nicht für das, was er tut. Er kann nicht anders – so wie Du grad auch nicht anders kannst, wie Deinen “Standpunkt” zu bekräftigen. All das ist menschlich (Tolle sagt: es ist Wahnsinn, aber normal). Bewusstheit ist aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit, diesem schon seit tausenden von Jahren währenden Konflikt aufzulösen – denn so komisch es klingt: Die “Psychopaten” sind Teil des Systems … wenn Du also einen wegsperrst, wird ein anderer seine Stelle einnehmen, auf dass das System sich wieder stabilisiert. Sobald ich Unbewusstheit gekämpfe, werde ich unbewusst. Wenn ich den Wahnsinn bekämpfe, werde ich wahnsinnig.

      Ralph

  10. Angelika says:

    Liebe Johanna,
    es ist nicht so dass ich das Schlechte, das was Leid verursacht, gut heiße und darüber lächle. Doch ich bekämpfe es nicht mehr indem ich darüber urteile wer die Schuld hat. Ich versuche es besser zu machen. Ich habe in diesen Leben keine direkte Gewalt ausgeübt, doch sicher in anderen Leben. Ich sehe heute Menschen die andere beurteilen und häßliche Wörterschlachten loslassen, die sogar um der Gerechtigkeit willen selber gewalttätig werden mit Worten und Taten. Ist das die Art und Weise dem Guten zum Recht zu verhelfen?
    Sind wir hier nicht alle mitschuldig, wenn andere hungern und leiden? Wie essen die Nahrung aus ihren Ländern die wir kaufen, ohne zu überlegen, ob die Bauern und Arbeiter dort einen gerechten Lohn bekommen. Wir heizen mit Öl und Gas, unsere Autos fahren damit, benutzen Plastik, usw. uns woher stammt es? Von Mutter Erde der riesige Löcher dafür in den Leib gerammt werden.Unsere Kinder machen die Ausbildung beim Militär, damit sie im Notfall andere Menschen töten. Wir essen Fleisch von Millionen von Tieren die dafür ein Leben voller Leiden erfahren. Wir lästern über Dicke und verurteilen Ausländer. In der Unkraine werden die Hunde grausam getötet damit wir Fußball schauen können. Das sind nur ein paar Beispiele.Sind wir nicht alle mitschuldig an dem was hier auf Erden passiert? Wer kann hier von Schuld und Unschuld sprechen? Solange wir dieses Spiel auf dem Terrain noch weitermachen, wird sich hier nichts verändern. Solange das Bewusstsein des Menschen sich nicht mehr öffnet für alles, wird sich nicht verändern können. Den jeder einzellne ist mit verantwortlich was hier auf Erden geschieht, direkt oder indirekt. Das gilt es zu erkennen und dann zu handlen, aber ohne Negativen Aspekte, wie Schuld, Haß und Wut, sondern wirklich in Liebe und in Frieden die Veränderungen herbeizuführen. Wie wollen wir es verändern wenn wir unsere eigene Mitschuld an allem nicht erkennen und aufhören uns wegen allem untereinander zu beschuldigen?

  11. Liebe Angelika,
    jetzt hast du so viel Unrecht aufgezählt, da bin ich ganz deiner Meinung.

    Und auch deine Frage: Sind wir nicht alle mitschuldig, bejahe ich.

    Ja, wir sind mitschuldig, weil wir nicht den Mut haben, die Psychopathen, die die Welt ins Unglück stürzen, in ihre Schranken zu verweisen, indem wir klar sagen, das ist Unrecht, das akzeptieren wir nicht länger.

    Stattdessen theoretisieren wir darüber, dass wir allem und jedem verzeihen müssen, auch den schlimmsten Tätern.

    Für mich ist damit jetzt Schluss. Ich halte nichts davon “Gleiches mit Gleichem vergelten”. Aber Unrecht erkennen und benennen, das darf und soll sein. Und dass die, die Gutes für die Menschheit wollen, endlich lernen, das lautstark zu fordern, statt sich in Opfermanier selbst die (Mit)Schuld zu geben, das halte ich auch für wichtig.

    • Angelika says:

      Da bin ich voll deiner Meinung liebe Johanna, wenn wir nicht alle lauter werden und nicht alle aufstehen und STOP sagen, dann ändert sich nichts.
      Da bin ich immer dabei und darum hoffe ich dass auch der letzte Bürger dieser Erde endlich alles erkennt und mitmacht. Vor allem müssen sie mal wirklich hingucken was los ist, nicht immer wegschauen und die Augen schliessen und in alter Manier weitermachen.
      Danke, jetzt haben wir uns verstanden 🙂
      Alles Liebe für dich

  12. Pingback: Abschließen bitte nicht vergessen! | Unsere neue Erde

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