Brief an meine Seele

Hallo liebe Seele,

wieder mal ein Brief. Wieviele Briefe hab ich in den letzten Wochen geschrieben. An meine Mutter, an meinen Vater, an Papa Gott, an die Engel … Ja, und jetzt an Dich. Fällt mir aber am schwersten, weil ich Dich bislang am wenigsten kenne. Die anderen kenn ich zwar auch nicht gut, aber mit denen hatte ich ja immer in meinem Leben irgendwas zu tun. Mit Dir irgendwie nicht – jedenfalls nicht bewusst.

Und doch sollst Du mir – wie alle immer sagen –  mit am nächsten stehen – meine Seele. Ich glaub das schon, aber wieso kenne ich Dich dann nicht? Bist Du es, die ich immer gesucht hab? Die mir mein Leben lang gefehlt hat und immer noch fehlt? Aber eigentlich fehle ich mir – glaub ich – selber.

Der Spiegel, der in mein Leben trat, es ist unglaublich. Soviel Klarheit – ich brauche da nur einmal kurz hinzuschauen, schon seh ich mich selbst. Werd fast umgeworfen von dieser Klarheit. Aber ich bin dankbar dafür. Es ist so gut, mich selbst zu sehen. Sehen, wo ich mir noch soviel vorgemacht hab. Meinen eigenen Schmerz, meine Trauer, meine Einsamkeit, meine Angst – alles zu sehen, und all das gehört zu mir.

Hab mich schon viel mit mir auseinander gesetzt, aber wie ehrlich bin ich wirklich mir selbst gegenüber? Wie oft suche ich mein Heil im außen. Wie oft meine ich, von außen müsse die Lösung kommen. Hab das vorher nicht bemerkt, wie stark das noch ist. Dabei weiß ich doch, es ist genau umgekehrt. Erst, wenn ich nichts mehr suche, wenn ich nichts mehr will, bin ich angekommen.

Ich sehe in diesen Spiegel, und es ist merkwürdig. Ich ärger mich nicht. Ich fühle mich nicht verletzt oder sonstiges. Nein – alles, was ich empfinde, ist eine so große Liebe, wie ich sie noch nie empfunden hab. Bedingungslos – einfach die Annahme ohne wenn und aber. Und ich möchte dem Spiegel die Hand entgegen halten und sagen: Komm, laß uns ein Stück gemeinsam gehen. Ich bin genau wie Du – ich bin Du. Alles ist gut.

Mal wieder eine Kapitulation, und es ist gut so. Ich weiß gar nichts. Hab nichts parat an Lösungen, vor allem keine Schnellschüsse. Vielleicht geht es auch gar nicht um Lösungen. Bringen die mich nicht nur vom Fühlen weg? Fühlen ist so schön. Fühlen ist eigentlich alles. Auch meine vermeintlich negativen Gefühle. Aber genau so spontan kann ich doch auch wieder lachen und Blödsinn machen.

Warum hab ich so viel Angst vor der Angst, der Trauer und dem Schmerz? Die Gesellschaft hat mit erzählt, daß das alles negativ ist. Äber ich selbst finde das gar nicht. Es ist einfach ein Gefühlsausdruck. Nicht mehr. Genau so wie ich im nächsten Moment wieder fröhlich sein kann. Und auch das wieder nur der Ausdruck eines Gefühls ist. Ist es das, liebe Seele,  was Du wolltest hier auf der Erde?

Meine Güte, was habe ich gebraucht, dies niederzuschreiben. Hinter jedem zweiten Satz Pause. Durchfühlt, durchweint – teils aus tiefer Berührung, teils aus Trauer – aber alles ich. Hab sogar gedacht, was soll ich das alles aufschreiben. Habs aber dennoch gemacht.

Liebe Seele, hilfst Du mir, klar zu sehen? Zeigst Du mir, wo noch die Wunden zu heilen sind? Wo ich es immer noch nicht selbst gesehen hab. Und stehst Du einfach da und machst die Arme auf, so daß ich – wann immer es nötig ist – hineinlaufen und mich zu Hause fühlen kann.

Ich schenke Dir noch ein Lied. Für mich eines der schönsten Lieder, das ich schon seit vielen Jahren kenne.

Deine Kirstin

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About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
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9 Responses to Brief an meine Seele

  1. Du liebe Kirstin,
    sehr berührt sitze ich vor dem Bildschirm, habe deinen Brief an deine Seele gelesen und höre nun diesen wundervollen Kraft-Song. Ich mag Josh Groban! Und dieses Lied besonders – ein Geschenk in der Nacht, so wie auch dein so gefühlvoller Beitrag.
    Ich bin sicher, deine Seele hält IHRE Arme seit Ur-Zeiten bereits weit geöffnet für dich und freut sich, dass du unterwegs bist – heim zu IHR, heim zu dir, heim zu dem Gewahr-Sein, dass du nie, niemals wirklich allein warst und bist.
    Und während ich dir dies schreibe, fühle ich es gerade auch ganz stark für mich selbst.
    So tief ist manchmal die Sehnsucht, dies in Form eines menschlichen Gegenübers dauerhaft zu erfahren, wirklich mit Armen, aus denen Wärme und Liebe strömt – und das am besten zu jederzeit, wann immer wir es brauchen. Vom menschlichen Gegenüber können wir es vielleicht manchmal, jedoch nicht verläßlich und nicht jederzeit bekommen, von unserer Seele IMMER! Jedenfalls immer dann, wenn wir uns darauf einlassen.
    Ich bin gerade so froh und dankbar…
    Danke für diesen Brief von dir, danke, dass ich mit dir und euch hier im Austausch bin über das, was essentiell ist für mein Leben! Danke, dass ich eine Beziehung zu Ur-Mutter Seele habe und danke, dass ich lieben kann.
    Diese tief empfundene Dankbarkeit ist gerade durch deinen Beitrag hier in mir aufgestiegen. Hab vielen herzlichen Dank dafür, liebe Kirstin.
    Ich habe heute Nacht ein Gedanken-Bild gemacht, das möchte ich dir hier einfügen, mal sehn, ob es mir gelingt…
    Ganz viele Herzensgrüße schickt dir mit LIEBEvollen Sonntagswünschen
    MarIna

    • Na ja , das Bild einfügen hat nicht geklappt, aber ich mache einfach noch schnell einen kleinen Post auf unserer Sontagsseite draus.
      … Gesagt, getan – und es ist eine kleine Dia-schau entstanden – HIer: https://neueerde.wordpress.com/2012/01/15/liebe-lebt-gedankenbilder-uber-den-ur-grund-unseres-seins/
      Nochmal alles Liebe von MarIna

      • Kirstin says:

        Hallo liebe MarIna,

        ich freu mich so! 🙂 Wo ich doch immer so berührt bin von Deinen Texten, da freut es mich umso mehr, wenn ich Dich auch inspirieren kann. Und Dein Kommentar hat mir wieder weiter geholfen. Einfach mal davon ausgehen, daß meine Seele immer ganz weit die Arme aufmacht. Und weißte was? Ich will das schon immer. Wenn ich jetzt schon mal weiß, daß sie da ist, denn wär ich ja schön blöd, wenn ich das nicht immer wollen würde 😉 Was ist denn das ganze schon ohne Seele. Das hab ich doch mein Leben lang gemerkt.

        Danke auch an Ina für die schönen Bilder wieder auf zweiten Post. Wunderschön.

        Viele liebste Grüße von Kirstin

  2. Klaus says:

    Hallo bewegte Kirstin,
    die Sprache der Seele zu entdecken ist mit so viel Zärtlichkeit sich selbst gegenüber verbunden, was in Deinem Brief an Deine Seele so wunderbar spürbar wird.

    In den Momenten des Gebärens, wo Bilder, Gedanken und Gefühle mit ihren Geschichten lebendig werden und die Innenwelt mit der Schriftsprache vermittelt werden möchte, ist eine so bewegende Zeit. Sie nimmt einem fast den Atem und doch ist da etwas, was in seiner Vielfalt – sprachlich mit der Außenwelt geteilt werden möchte,

    Ein nagendes Gefühl des nicht Wissens, des nicht Fühlens, des nicht Wahrnehmens sind vielleicht die Beweggründe, so viel Energie, Fleiß und Ausdauer diesem inneren Erleben und dem äußeren Gestalten sich jeweils zuzuwenden.

    Über Deinen Ausdruck, Du seist ein “ganz normaler Mensch.” kann ich schon schmunzeln. Mit der Innigkeit, wie etwas in Dir – in diesem geöffneten Seelenraum der inneren Wahrnehmung und der öffentlichen Selbstdarstellung sich hingibt und immer wieder neu – in diese Intensität hinein fühlt, geht weit über das übliche Maß hinaus.

    Ist es vielleicht nicht eher so, dass etwas in Dir – diesen Seelenschmerz öffentlich benennen und Fühlen möchte, um darüber für Dich selbst eine etwaige Selbstheilung anregen zu können?

    Eine solche, die tief hineingeht in die Risse der Seelenwunden, die bisher zum größten Teil im Bereich des Unbewussten ruht und von dort aus auf Dein so sein einwirkt?

    Wie viel davon möchte ES in Dir noch aufwirbeln und dabei weiteres Schmerzelemente ins Bewusstsein hinauf zu heben?

    Fast täglich, auf jeden Fall regelmäßig schenkst Du den Lesern-Innen etwas, was so unermesslich hilfreich für ihren eigenen Weg sein könnte, bzw. ist.

    Diese Fähigkeit und Beharrlichkeit, mit der Du Dich Deinem so sein damit stellst, geht weit über die “Normale Selbstdarstellung hinaus” . Kannst Du dies anerkennen und damit Deine Äußerung, ein normaler Mensch zu sein, als Widerspruch erkennen?

    Diese Gabe, die aus Deinem ES heraus entspringt, ist etwas wertvolles und benötigt ein Ja – zu dem, was scheinbar von Teilen in Dir – als untypisch und außerhalb des Normalen empfunden wird. Sich dieser Eigenart bewusst zu werden ist vielleicht ein weiterer Schlüssel, mit dem so sein auch gut und entspannt leben zu können.

    Herzliche Grüße
    Klaus

    http://www.seelencoaching2012.de/
    .

    • Kirstin says:

      Lieber Klaus,

      na da freu ich mich ja sehr, Dich wieder mal zu lesen. Hab Dich gestern schon entdeckt, unter dem Text von Thomas. Wollte Dir gleich schreiben, habs dann aber vergessen.

      Aber sonst war ich platt von Deiner Antwort. So hätte ich das für mich nie ausgedrückt, aber ich kann es nur annehmen. Es passiert äußerst selten, daß ich mal sprachlos bin 😉

      Ich weiß, daß es zu mir gehört, diesen Schmerz zu fühlen und auch aufzuwirbeln. Weil ich immer finde, dieser Schmerz ist doch auch in der Welt. Und wird so oft nicht gesehen. Und ich will immer den Leuten sagen: Hey, habt doch keine Angst, das gehört alles zu uns und will auch noch gesehen werden.

      Liebe Grüße von Kirstin

  3. Ralph says:

    Hallo Kirstin,

    es ist für mich unglaublich spannend, Dich in Deinem Fluss zu beobachten. Beim Lesen Deines Briefes an Deine Seele sind folgende Fragen in mir aufgestiegen:

    Du schreibst von einem Spiegel. Mich interessiert, was Du in diesem Spiegel siehst. Siehst Du da neben Dir noch irgendetwas anderes? Gibt es da irgendetwas, das nicht Du ist – irgendein Nicht-Du – beispielsweise eine Seele, die nicht Du bist? Oder ist das Wahrgenommene gleich der Wahrnehmung?

    Erkennst Du, dass das Bild, das Du von Deiner Seele in Dir trägst, auch ‚nur‘ eine Projektion Deiner selbst ist?

    Eins mit allem was ist,
    Ralph

    • Kirstin says:

      Na, lieber Ralph, es fließt ja doch bei mir hin und her, da gibt es sicher einiges zu beobachten. 😉 Aber danke für die Rückmeldung.

      Na ja, der andere ist der Spiegel in dem Moment. Und ich sehe ja den anderen, aber werde sofort auf mich selbst zurückgeworfen. Zumindest in diesem speziellen Fall. Vorher hatte ich das ja auch noch nicht so. Und denn seh ich nur mich – natürlich. Was ist das Wahrgenommene und was ist die Wahrnehmung? Hab die Frage nicht verstanden.

      Ja, mein Verstand und mein Wissen aus dem Tibetischen Buch vom Leben und Sterben sagt mir, daß alles eine Projektion des Geistes ist. Und eigentlich sagt das auch mein Herz. Das kann ich alles gut annehmen. Trotzdem ist da noch die Sehnsucht, von “dem anderen” – hier von meiner Seele – geliebt zu werden. Und mit offenen Armen aufgenommen zu werden. Und irgendeinen Grund wird es ja haben, daß ich meine Seele noch in mir suche. Sonst hätte sie ja schon längst übernehmen können. Was sie übrigens wahrscheinlich immer mehr tut. Denn ich kann seit neuestem auch sagen, ich spüre meinen Körper nicht mehr so extrem. Unheimlich schön. Er stört mich kaum noch. Es ist, als würde ich immer mehr meine Seele.

      Keine Ahnung, wie ich das besser erklären soll. Hier würd ich mich über Infos freuen, wenn Du denn welche hast. Also wenns ginge, nicht einfach nur wieder mit Gegenfragen zerfleddern, sondern vielleicht mal direkt Wissen weiterreichen? Weil ich nämlich tatsächlich sehr gerne mich seltst als als eins wahrnehmen würde. Jedes Mal, wenn ich über diese empfundene Trennung schreibe, denn weiß ich auch, daß das eigentlich nicht stimmt. Trotzdem empfind ich es so.

      Viele Grüße von Kirstin

      • Ralph says:

        Hallo Kirstin,

        wenn der andere Dein Spiegel ist, was kannst Du nur sehen: Dich. Du siehst Dich in dem anderen. Das ist immer so, es kann nicht anders sein – egal, ob Du das realisierst oder nicht.

        Wieso: Weil Du die Wahrnehmende bist. Du nimmst den anderen auf Deine ganz spezifische Art und Weise wahr. Du siehst den anderen durch Deine Augen, und daher siehst Du ihn nicht, wie er ist, sondern gefiltert durch all Deine (subjektiven) Erfahrungen, all Dein (subjektives, bruchstückhaftes) Wissen. Daher sagt das, was Du wahrnimmst, viel mehr über Dich aus, als über den anderen. Allein diese Erkenntnis hat mich zutiefst demütig gemacht.

        Daher meine Frage: Was genau nimmst Du wahr? Was spiegelt Dir der andere?

        Der oder das andere – egal was es ist – ist eine Illusion, eine perfekte, vom Verstand inszenierte Illusion. Jenseits Deines Verstandes gibt es nicht sie (die Seele) und Dich (Kirstin). Ihr sei eins. Aber es gibt in Dir den (aus dem Verstand stammenden) Gedanke, der das Gegenteil behauptet. Und Du haftest an diesem Gedanke. Da bist Du nicht die einzige, denn es ist ja auch nicht Dein Gedanke, sondern ein menschlicher Gedanke. Aber nur, weil viele Menschen diesen Gedanke denken und an ihm haften, ist er dennoch nicht wahr. Kein Gedanke ist wahr – bzw. nicht wahrer als sein Gegenteil.

        Dieser Gedanke verursacht das Gefühl von Trennung. Jetzt hast Du zwei Möglichkeiten: Entweder identifizierst Du Dich mit beidem – Gedanke und Gefühl. Dadurch wirst Du zur Suchenden. Das Universum ist unendlich in seiner Gnade: Du wirst so lange suchen dürfen, wie Du willst. Und Du wirst nie etwas finden, denn dann wäre Deine Suche ja beendet. Solang Du an dem Gedanke „Ich bin eine Suchende“ haftest (Anhaftung!), so lang wirst Du suchen. Das ist so unglaublich simpel. So lang wirst Du unten an der Felswand stehen – um dieses Bild mal wieder ins Gedächtnis zu rufen.

        Oder Du beobachtest einfach den Gedanke und das Gefühl als das, was es ist, ein menschlicher Gedanke und ein menschliches Gefühl: Und erkennst, dass das alles nicht persönlicher ist als eine vorbeiziehende Wolke. Dann bist Du da. Dann stehst Du oben auf der Felswand. Dann erkennst Du: Du bist Deine Seele – und wie könntest Du etwas finden, was Du selbst bist? Du hast Dich nie verloren – all das war nur eine Illusion.

        Du willst von Deinem Spiegelbild geliebt werden. Wie kann das sein? Nur, weil Du Dich nicht erkennst! Wie der Wellensittich, der mit seinem Spiegelbild flirtet. Du hoffst auf Liebe von irgendetwas, dass Du getrennt von Dir wahrnimmst, wo es doch nur Dich gibt. Erkennst Du die dahinter steckende Verwirrung?

        Ich weiß nicht, wie ich das noch anders ausdrücken kann. Unsere Sprache ist dafür nicht geschaffen, und unser Verstand ist nicht in der Lage, es zu verstehen. Du kannst es also in diesem Sinn nicht verstehen, sondern nur erkennen – dann, wenn Du Dich von all Deinen Gedanken löst. Höre nicht auf die Worte, höre auf die Stille zwischen den Worten … aber das weißt Du ja selbst. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich dieses Erkennen als Wissen bezeichnen sollte, denn Wissen ist wiederum an den Verstand gebunden, und Wissen bedeutet immer Vergangenheit. Diese Dinge kannst Du nicht wissen, Du kannst sie nur erkennen bzw. erfahren – und nur im Jetzt. Sobald Du suchst, haftest Du an Gedanken über Deine Zukunft, und damit versperrst Du Dir den Zugang zum jetzt und damit zu dem, was Du wirklich bist.

        Hier mal noch ein Beispiel zur Wahrnehmung: Du schreibst, ich würde etwas mit Gegenfragen zerfleddern. Mag sein, dass Du 1000 Personen fragst, und alle bestätigen Dir dies. Dennoch ist es (D)eine persönliche Art der Wahrnehmung, die Dich zu diesem Schluss kommen lässt. Es wirkt auf Dich so aufgrund Deines persönlichen Kontextes – Deiner Erfahrung, und Deines Wissens. Daher frage ich immer wieder: Wer wärst Du ohne diesen Kontext? Das „Zerfleddern“ passiert nämlich wo? Nein, nicht, während ich schreibe, sondern während Du liest. Wer also zerfleddert irgendetwas: Du, mit Deinen Gedanken. Das hat nichts mit mir zu tun. Ich bin Dein Spiegel – und da Du das nicht erkennst, projizierst Du Deine Gedanken auf mich. Da ich darum weiß, ist mir Deine (und jegliche andere) Bewertung auch egal – jede Bewertung sagt mehr über den aus, der bewertet als über das, was er bewertet.

        Viel mehr kann ich hier nicht tun. Solang Du meine Worte liest und interpretierst und suchst und reagierst, wird sich nichts ändern: Das tun die Menschen schon sein Jahrtausenden. Aber Du kannst Dich jetzt entscheiden, die Stille zwischen den Worten wahrzunehmen, und zu beobachten wohin diese Worte zeigen. Du kannst es nur selbst realisieren – so wie ich es realisiert habe, einmal ganz kurz, und dann immer mehr, und immer mehr, und immer häufiger. Zuvor hätte man mir das auch erzählen können, und die Worte wären links rein und rechts raus … und ich hätte wissend genickt, aber immer noch keine Ahnung gehabt.

        Vielleicht hörst Du Dir ja noch mal Eckhart Tolles „Torwege zum Jetzt“ an, ich werde das jetzt auch tun – ich lege mich zum Hören vielfach auf meine Couch (Balkon ist gegenwärtig etwas kalt) und schließe die Augen:

        Verwurzelt im Sein,
        Ralph

        • Kirstin says:

          Da konnt ich wirklich was damit anfangen, danke Ralph. In der Mitte Deiner Antwort, als ich einfach nur gelesen hab, da hab ich tatsächlich etwas zwischen den Worten wahrgenommen. Das Gefühl: Das ist es. Und es war eine Riesen-Erleichterung. Aber dann war es leider wieder weg. Es ist ja so, wie Tolle oder auch Frank Kinslow es beschreibt, einen Schritt zurücktreten und auf die Pause, die Stille sehen. Es war so beruhigend, für ein paar Sekunden zu erfahren, ich brauche nichts, ich bin alles. Ich brauche nicht von meiner Seele geliebt werden, ich bin meine Seele. Wenn ich im Tibetischen Buch vom Lesen und Sterben gelesen hab, da konnt ich das sofort annehmen. Dort schreiben sie ja, wenn man das im Zeitpunkt erfasst, wo man den Körper verläßt, hat man sich sofort aus dem Samsara befreit. Damals hab ich gesagt, das kann man doch am besten schon jetzt im Leben üben. Der Schwierigkeitsgrad liegt ja aber darin, daß wir unser Leben absolvieren müssen. Schlafen ist ja toll, aber aufstehen, essen, den Tag meistern, bevor wir abends wieder schlafen können. Wie machst Du das denn eigentlich. Du hast doch Familie und Beruf?

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