Öfter mal spontan sein

Foto von Doris

Gestern hab ich über das Lachen geschrieben, heute möchte ich die Spontanität ansprechen. Anstoß dazu war dieser Text für mich: http://nebadonia.wordpress.com/2012/01/27/vertrauen-in-die-zukunft/

Hab so für mich überlegt, wie war das denn bei mir. Früher – eigentlich immer war ich sehr spontan. Vielleicht war es eines der Dinge, die mich so über mein Leben gerettet haben. Da ich selten von sich aus was als schön empfunden hab früher, da hab ich oft einfach selbst gemacht und getan. Nicht lange überlegt – erst gehandelt aus dem Bauch heraus – denn oft die Schultern eingezogen – huh, was jetzt wohl kommt. Kam aber nichts – zumindest nichts negatives. Ganz im Gegenteil, da hatte ich denn meinen Spaß.

Meine Offenheit und Kontaktfreudigkeit und mein Mut haben mir sehr dabei geholfen. Wußt ich doch stets genau, das könnte auch mal nach hinten losgehen. Aber wenn das so wäre, könnte ich es immer noch erklären und wieder grade biegen. Auf diese Art und Weise hab ich auch immer viele neue Menschen kennen gelernt und schöne Erfahrungen gemacht.

Ja, und denn vor ein paar Jahren, als ich auf meinen spirituellen Weg kam, da war es irgendwie erstmal vorbei mit meiner Spontanität. Eigentlich etwas paradox. Kontakte hatte ich zwar weiterhin, aber alles sehr viel ruhiger. Denn als ich alles so kennenernte und immer bewusster wurde, da fühlte ich mich wohl oft sehr eingeschüchtert ob der ganzen Dimensionen und der Größe von allem. Lach – und je mehr mir bewusst wurde, daß es eine geistige Welt gibt, da fühlte ich mich vielleicht beobachtet. Und hab gedacht, meine Güte, die kriegen das ja alles mit – oh, oh – denn mal ganz vorsichtig. 😉

Und weiter dachte ich auch, ich müsste wohl jetzt mal endlich „ernsthaft“ werden – kein Wunder, daß ich mein Leben bisher „nicht in den Griff gekriegt hab“, so, wie ich immer rumgestolpert bin. Aber trotzdem hatte ich mit meinem Rumgestolper eine gewisse Lebensqualität.

Ich bereue das durchaus nicht, diese Zeit der Ernsthaftigkeit. Hab ich mir dadurch vielleicht doch ein gesundes Fundament legen können. Eine gewisse Bodenhaftung vielleicht auch. Erstmal kleine Brötchen backen, nicht die Klappe so weit aufreißen. Erstmal überall schauen.

Aber als ich den o.g. Text jetzt las, wo EE Gabriel über das Vertrauen in die Zukunft und eben die Spontanität spricht, da hab ich mir gedacht, recht hat er eigentlich. Denn das fand ich auch so interessant, was da alles stand. Z.B. wenn wir zu lange überlegen, kreieren wir uns womöglich erst mal wieder diese und jene Umstände, die wir doch eigentlich gar nicht wollen. War ja früher auch nicht bei mir.

Fällt mir grad ein, ist Spontanität vielleicht die Führung der inneren Stimme, der Seele oder von wem oder was auch immer? Wenn das so wäre, ja, wovor sollte ich denn da überhaupt Angst haben. Würde meine Seele mich wohl in die Falle tapsen lassen? Wohl eher nicht. Und wenn vermeintlich doch, denn ist es sicher für irgendwas gut. Und ist auch keine Falle, sondern fühlt sich vielleicht nur grad so an.

Und außerdem, was soll schon wirklich passieren? Ich hab vor ganz vielen Jahren mal was gelesen, was mich bis heute beeindruckt hat: „Im Leben geht es darum Entscheidungen zu treffen, wenn man an eine Weggabelung kommt. Sollte es die falsche gewesen sein, wird das Leben eine Möglichkeit finden, sie zu korrigieren. Wichtig ist nur, daß man sich entscheidet.“

In diesem Sinne … lasst uns öfter mal wieder spontan sein. 🙂

Advertisements

About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
This entry was posted in Allgemeine Texte and tagged , . Bookmark the permalink.

24 Responses to Öfter mal spontan sein

  1. Hallo, liebe Kirstin,
    hier ist Ina.
    Spontan sein – das klingt gut! Wir hier in Marina sind ziemlich entscheidungsfreudig, denken nicht allzu lange nach über alles Mögliche. Das macht die Spontaneität relativ leicht.
    Weißt du was, vor etlichen Jahren hab ich mal gedacht, die Engel könnten uns ja sogar auf dem Klo sehen. Dazu sagte dann mal eine kluge Frau: “Aber ich glaube, die haben gar kein Interesse daran!” 😉
    Außerdem schauen die Engel ja immer alles mit Verständnis und Liebe an – was soll da schon passieren?!
    Jetzt mach ich mir noch ganz spontan einen Kakao!
    Schon ein kleines bisschen müde (aber noch nicht genug zum schlafen) grüßt dich
    die Ina
    Auch euch eine gute Nacht und einen frohen Sonntag! 🙂

    • Kirstin says:

      Ach, liebe Ina, es wäre gar nicht so schlimm, wenn mich die Engel auf dem Klo sehen. Aber wenn ich “dummes Zeug” mache, was sagen sie da wohl? Klo ist ja menschlich, und wenn ich schon Mensch sein muß, denn gehört das eben dazu. Ok, aber vielleicht gehört da das “dumme Zeug” auch zum Mensch sein dazu. Vielleicht ist das ja für die Engel so, wie für uns ein Krimi oder eine Komödie.

      Hat der Kakao geschmeckt? Lach – ich hab sogar noch Lebkuchen von Weihnachten. Das ist ne gute Idee für heut nachmittag. Lebkuchen und Kakao.

      Viele liebe Grüße und auch einen schönen Sonntag von Tini

      • LIebe Tini,
        ich glaub, das “dumme Zeug” steckt voller Gefühle – und die sehen die Engel und bestrahlen sie mit ihrer bedingungslosen Liebe. so stelle ich mir das jedenfalls vor… so ganz naiv, wie es mir ja als inneres Kind zusteht.
        Macht euch einen gemütlichen Sonntag mit Lebkuchen und Kakao… wenn ich nachher beim Nachmittags-Kaffee sitze , denk ich an euch und puste euch ´ne Kußhand rüber.
        Bunte Sonntags-Luftballons schickt euch
        Ina

        • Kirstin says:

          Glaub ich auch, Ina. Und weißt Du was, wenn wir alle viel öfter naiv wären, wie gut würde es uns womöglich gehen. Und danke für die Kußhand. Geben wir zurück 🙂

          Liebe Grüße von Tini und Kirstin

  2. Ralph says:

    “Fällt mir grad ein, ist Spontanität vielleicht die Führung der inneren Stimme, der Seele oder von wem oder was auch immer?”
    -> Genau! Wenn Du das einmal verinnerlicht hast, gibt es eigentlich gar keine Entscheidungen mehr – Du weißt einfach, was zu tun ist. Dann gibt es auch keinen Versatz mehr zwischen Beobachten und Handeln. Dieser typische Versatz, in dem eine Entscheidung getroffen wird, fällt dann weg. Dann entsteht eine Einheit zwischen Beobachten und Handeln.

    Ich (als Ralph) kann gar nichts falsch machen – zum einen sind richtig und falsch Konzepte des Verstandes und damit reine Ansichtsache – zum anderen ist dieses Ich (als Persönlichkeit) auch wiederum nur ein Konzept des Verstandes.

    Wenn ich mich beobachtet fühle kann ich sicher sein, grad wieder der Illusion eines persönlichen Ichs aufgesessen zu sein – nur das Ego kann sich letzlich beobachtet fühlen, nur das Ego fühlt sich getrennt von allem was ist. Diese Erkenntnis allein führt mit etwas Übung recht schnell dazu, die Illusion wieder als solche zu erkennen – und dann ist das Muster gebrochen.

    Danke auch für den Link – kann mich den da gemachten Aussagen eigentlich nur anschließen. Lediglich bei der Aussage “in diesen Zeiten des Chaos” habe ich geschmunzelt – sagt sie doch mehr über den aus, der dies so wahrnimmt als über die Zeiten – die sind einfach nur. Aber wenn natürlich in mir Chaos herrscht, wird mir meine Umwelt natürlich auch nichts anderes spiegeln können als eben genau dieses Chaos. Vertraut man der “Identität” des Sprechers, dann würde hier ja im Erzengel Gabriel Chaos herrschen – das scheint mir recht seltsam … kicher …

    Ralph im Spaß

    • Kirstin says:

      Den größten Teil dieses Kommentars fand ich jetzt doch mal recht interessant und auch mal für mich brauchbar. Die übliche Belehrung in dem letzten Absatz – die mußte wohl sein. Aber die kann ich überlesen.

      Kirstin – ganz spontan

      • Ralph says:

        Hi Kirstin,

        magst Du mir / uns Deine Gefühle schildern, die sich hinter den Gedanken “interessant”, “brauchbar”, “Belehrung” und “musste wohl sein” versecken? Vielleicht so ganz einfach in der Form: Wenn ich ABC lese, dann fühle ich XYZ. Ja? Bitte! Mich interessieren Deine Gefühle viel mehr als Deine Gedanken!

        Ralph

        • Kirstin says:

          Hi Ralph,

          nein, das mag ich nicht. Jedenfalls nicht Dir. Aber kann Dir ja auch egal sein, da Du ja letztendlich doch nur mit Dir selbst redest. Also schau bei Dir selbst nach, vielleicht findest Du da ja auch meine Gefühle.

          Kirstin

          • Ralph says:

            Hi Kirstin,

            fällt es Dir noch schwer, Dich bedingungslos zu öffen?

            Klar finde ich in mir die gleichen Gefühle wie Du sie in Dir fühlst – sind ja nicht meine oder Deine Gefühle, sondern menschlische Gefühle. Wenn ich Dich danach frage, was Du fühlst, geht es mir nicht darum, irgendetwas über Dich zu erfahren (wozu auch, habe all dies ja selbst in mir) – vielmehr geht es mir darum, Dir eine Brücke zu bauen – es Dir zu ermöglichen, Dich zu öffnen, um Dich über diese Öffnung neu zu erfahren. Aber dafür braucht es eine gewisse Bereitschaft.

            Es steht Dir also frei, weiter zwischen mir, anderen und Dir zu unterscheiden, zu trennen. Lebe diese Trennung, bis Du ihrer überdrüssig bist.

            Ich sehe Dich hinter all diesen trennenden Gedanken (die ebenso in mir sind wie in Dir) – und ich liebe Dich in dem, was Du bist. Wir sind eins.

            In Liebe und Mitgefühl, Ralph

            • Lieber Ralph,
              darf auch ich dich fragen: Fällt es dir noch schwer, DICH bedingungslos zu öffen?
              Und wie fühlst du dich bei dieser Frage?
              Namasté
              Marina

              • Ralph says:

                Hallo Marina,

                vielen Dank für Deine Fragen.

                Früher ist es mir außerordentlich schwer gefallen, mich zu öffnen – ich wollte das Vertrauen von den anderen, das ich mir selbst nicht fähig war zu geben. Angst vor Verrat, und Angst vor Bloßstellung stellten eine große Hürde dar. Das Ego regierte – und damit stand Leid regelmäßig auf der Tagesordnung.

                Zwischenzeitlich – während eines Prozesses, der im August 2008 begann – gibt es da aber von Tag zu Tag immer weniger Widerstände. Ohne Projektion in die Zukunft entfällt für mich die Angst. Was könnte schon passieren? Letztlich doch nichts von Bedeutung, oder? Mir gehört nichts, also kann ich auch nichts verlieren. Ich habe nichts und bin alles. Freiheit heißt, den Tod anzunehmen.

                Welche Bedingungen könnte ich denn letztlich stellen, um mich zu öffnen? Ich vertraue in das und liebe das, was ist.

                Andererseits: Mit der Transzendierung des Bedürfnisses nach Vertrauen kam bei mir jetzt sukzessive auch die Transzendierung des Bedürfnisses, gehört zu werden. Dieses Bedürfnis, gehört zu werden, hatte ich wohl lange unterdrückt (eben aufgrund o.g. Ängste), und mit der Entwicklung von Vertrauen kam es immer mehr wieder hervor – nur dass ich keine Ahnung hatte, worum es sich handelte. Ich fühlte mich jedoch immer wieder zurückgewiesen und abgelehnt, wenn jemand nicht mit mir reden wollte, oder eine Einladung ausgeschlagen hat. Es ist erst ein paar Monate her, dass mir jemand das hinter diesen Gefühlen liegende Bedürfnis in einem empathischen Dialog offengelegt hat. Das hat bei mir eine immense Erleichterung ausgelöst – endlich kannte ich das Bedürfnis, auf dass mich diese unangenehmen Gefühle die ganze Zeit aufmerksam machen wollten. Ohne Bedürfnisklärung stocherte ich da monatelang im Dunkeln, und hab fleißig projiziert und bin immer wieder in die Opferrolle abgedriftet (“Mama, der spielt nicht mit mir!”), gefolgt von einer Runde “Eingeschnapptsein”, einer Phase der Entspannung … bis das Spiel wieder von vorn begann. 🙂

                Heute öffne ich mich – oder ich tue es nicht. So wie es grad kommt – ohne viel darüber nachzudenken (wenn überhaupt). Was mein Gegenüber von mir zu sehen bekommt, ist immer genau das, was er braucht – so wie auch ich immer das zu sehen bekomme, was ich brauche.

                Ich freue mir über Deine Frage und fühle mich berührt. Und entsprechend dem, was Du berührt hast, ist meine Antwort ausgefallen. 😉

                Während ich hier schreibe, ruhe ich entspannt in mir, habe Kontakt zu meinem inneren Körper, zu meinem Herz-Chakra. Mein Frau fragte grad: “Was schreibst Du da eigentlich – Du schaust mit einem so verklärten Blick?”

                In tiefer Verbundenheit,
                Ralph

                • Lieber Ralph,
                  ich danke dir sehr für deine Antwort und freue mich darüber, dass ich dich mit meiner Frage berühren durfte.
                  Und ich möchte dir sagen:
                  Ich “höre” dich,
                  ich “sehe” dich,
                  ich achte dich.
                  (lesend und schreibend).
                  Herzlich grüßt dich
                  Marina

            • Kirstin says:

              Wie fühlst Du Dich bei Deinem ständigen Bewerten und Beurteilen und beim Weitergeben Deiner Gedanken-Konstrukte?

              • Ralph says:

                Hi Kirstin,

                vielen Dank für Deine Antwort.

                Mit Pauschalaussagen à la “Dein ständiges Bewerten und Beurteilen” kann ich relativ wenig anfangen – solche Aussagen sagen doch letztlch mindestens genau so viel über den Schreiber aus wie über das beschriebene Objekt.

                Denn – Du wirst lachen: Mir ist bisher gar nicht aufgefallen, dass ich ständig bewerte und beurteile. Vielleicht hilfst Du mir ja – als mein Spiegel – diesbezüglich weiter … jedenfalls bin ich offen für die Selbstuntersuchung.

                Lass uns das doch daher bitte an einem Beispiel eruieren, ja? Bitte schreibe mir, an welcher Stelle (gern auch mehrere) Dir eine Bewertung und Beurteilung von mir aufgefallen ist. Es hilft mir dabei, wenn Du mich wörtlich zitierst, und dann schauen wir uns diese Situation(en) gemeinsam genauer an. Ja?

                Sei ganz lieb gedrückt,
                Ralph

                • Kirstin says:

                  Na z.B. grad aus Deinem letzten Kommentar an mich:

                  “Es steht Dir also frei, weiter zwischen mir, anderen und Dir zu unterscheiden, zu trennen. Lebe diese Trennung, bis Du ihrer überdrüssig bist.”

                  Woher weißt Du, daß ich das tue? Mag sein, daß Du recht hast, aber wieso stellst Du Behauptungen über Dein Gegenüber auf.

                  Oder auch ganz oben in Deinem ersten Kommentar:

                  “Lediglich bei der Aussage „in diesen Zeiten des Chaos“ habe ich geschmunzelt – sagt sie doch mehr über den aus, der dies so wahrnimmt als über die Zeiten – die sind einfach nur. ”

                  Wie kannst Du auch das wissen?

                  Vielleicht hast Du auch da sogar recht. Aber das ist für mich alles keine Grundlage für einen Dialog. Ich will Dir sogar ganz ehrlich sagen: Ich mag Dich. Es ist mir schon klar, daß hier wahrscheinlich von Dir jetzt wieder ein blöder Spruch kommt, daß Dir das egal ist.

                  Also, ich mag Dich, aber zum großen Teil nervt mich die Kommunikation mit Dir. Und zwar dann, wenn Du Deine ganzen Gelehrten zitierst. Weißt Du, da kann ich mir auch die Bücher kaufen oder die Videos ansehen. Und der Witz ist ja, zum großen Teil bin ich auf ähnlichen Wegen unterwegs wie Du. Also eigentlich könnten wir hier super Dialoge hinlegen.

                  Aber ich will mich nicht verstecken hinter diesen Lehrsätzen. Ich will wirklich ehrlich reden. Und wenn jemand mir gegenüber ehrlich ist, will ich ihn nicht immer nur mit Gegen-Fragen nerven oder ohn zerpflücken. Sondern ich will ihm ein Stück von mir geben. Und ihn annhehmen, so wie er grad ist. Ohne ihn gleich wieder belehren zu müssen.

                  Wenn ich in Kontakt mit jemand gehe, möchte ich mit seinem Herzen in Kontakt gehen und nicht mit auswendig gelerntem Wissen. Denn möchte ich etwas von einem Menschen persönlich wissen. Wissen, wie lebt er die Dinge, die er für sich als wahr erkannt hat. Weißt Du noch, ich hab Dich zweimal ganz ernsthaft gefragt, wie Du das in Deinem Tag so lebst. Da hast Du Dich geweigert, hast mir gesagt, Du willst nicht meine Arbeit für mich tun.

                  Ja, und all das hab ich bisher eben meist bei Dir so empfunden. Und deshalb red ich normalerweise nicht mit Dir auf dem Blog. Und wenn Du denn mal Dein ganzes Gehabe wegläßt und einfach nur der Mensch Ralph wirst, denn freu ich mich immer. Und denke so im stillen: Siehste,. und das mag ich jetzt wieder. So würd ich jetzt gern öfter mit Dir reden. Und auch sehr gerne konstruktive Diskussionen führen. Und ich würd sicherlich sogar einiges von Dir lernen können und wollen.

                  Ansonsten greif ich denn lieber ins Regal und hol Eckhart raus.

                  Grüße von Kirstin

                  • Ralph says:

                    Hallo Kirstin,

                    vielen Dank für Deine Zeilen.

                    Zu Deinem ersten Zitat:
                    Mit der Aussage “Jedenfalls nicht Dir.” trennst Du (zwischen mir und nicht-mir). Das ist keine Behauptung, das ist eine Tatsache.

                    Zu Deinem zweiten Zitat:
                    Es gibt immer eine Subjekt-Objekt Beziehung. Was das Subjekt über das Objekt aussagt, sagt immer mindestens genau so viel über das Subjekt aus, wie es über das Objekt aussagt. Auch das ist keine Behauptung, es ist ebenfalls eine Tatsache. Das beginnt ja schon damit, dass das Subjekt sich vom Objekt getrennt wahrnimmt – obgleich alles eins ist. Wo genau ist denn da die Trennung: Wo hört das Subjekt auf, und wo beginnt das Objekt? Kannst jetzt gern Subjekt durch Beobachter und Objekt durch Beobachtetes ersetzen.
                    In Deinem Beispiel geht es um eine vom Beobachter vorgenommene Bewertung: “Zeiten des Chaos”. Diese Bewertung hat nun mal nichts mit den Zeiten zu tun, sondern damit, wie sie der Beobachter wahrnimmt. Damit enthält diese Bewertung eine Aussage darüber, was in dem Beobachter vorgeht – mindestens genau so viel wie über die Zeiten, die er bewertet. Nichts anderes steckt hinter der Ausage, dass jeder nur immer sich selbst auf seine Umwelt projiziert.

                    Hoffe mal, ich konnte mich einigermaßen verständlich machen.

                    Dich nervt die Kommunikation mit mir.

                    Mein Bürokollege würde jetzt – um mich zu foppen – mit einem der beiden Sprüche rüberkommen:
                    a) Ist das nicht furchtbar?
                    b) Ist das nicht toll?
                    … um mich zu einer Bewertung der Situation zu verleiten. Zwischenzeitlich grinse ich ihn nur noch an … seither hat das auch wieder nachgelassen.

                    Ich frage daher eher mal in diese Richtung: Nimmst Du das “genervt sein” an, oder gibst Du dem Drang nach, ihm auszuweichen, oder es sonstwie (z.B. durch ein “ernstes Wort”) zu beenden?

                    Weißt ja selbst (vlg. auch Angelikas Beitrag von heute: https://neueerde.wordpress.com/2012/02/04/beende-deinen-kampf/): Ich bin nur der Auslöser, die Ursache liegt in Dir selbst. Wenn Du beginnst, mir für das, was Du als Nerven wahrnimmst, zu danken, hört es von ganz allein auf. So lang Du Widerstand aufbringst, nährst Du es.

                    Naja, und dann schreibst Du wieder über diverse Dinge, die Du willst oder nicht willst. Das ist Deine Angelegenheit: Wolle, solang wie Du magst – das hört von ganz allein auf, spätestens mit dem physischen Tod. Ich weiß, dass diese Wünsche aus dem Verstand kommen – und dass Du nicht dieser Verstand bist, der sich als Du ausgibt. Dieses Wissen lässt mich ganz entspannt zurücklehen und beobachten, wie Du Dich mit all diesem Wollen und nicht-Wollen aufreibst … und dann doch irgendwann vielleicht mal erkennst, wie Dich Dein Verstand zum Narren hält. Du bist – so wie ich bin. Ganz ohne Wollen.

                    Richtig – Du hast mit mal gefragt, wie ich das in meinem Tag lebe. Aber ich hab irgendwie keine Ahnung, was ich da schreiben soll. Ich bin einfach – lebe im Jetzt und Hier. Das kann ich zu Hause, im Büro, beim Sport – einfach überall. Das Leben ist für mich Meditation – jeder Moment. Und dabei beobachte ich, was in mir passiert – all die Gedanken und Gefühle, die kommen und gehen. Es ist ein ständiges Training der Achtsamkeit. Dabei entfernt sich die eine Person von mir, die andere kommt näher. Letzlich sind aber eben doch alle eins. Sukzessive nehme ich immer mehr “andere Personen” in mir selbst wahr. Sehe, wo sie stehen, und wohin sie sich bewegen. Dann agiere ich intuitiv, jeder bekommt von mir, was er grad braucht. Was er dann damit macht, ist seine Angelegenheit – aber natürlich bestimmt die Reaktion mit, was er von mir als nächstes bekommt. Umgekehrt bekomme ich ja auch immer das, was ich brauche. Jedes Wort von Dir ist gerade das Wort, das ich brauche. Eben der zweiseitige Spiegel. Ich lerne ständig von Dir, mit Dir, an Dir. Das ist keine Frage des Wollens – es ist eine Frage der Annahme und Hingabe.

                    Und – übrigens: Der Griff ins Regal zu Eckhart ist vielfach nicht die dümmste Entscheidung. Wenn Dich meine Kommentare dazu anregen, dann spricht aus meiner Sicht nichts dagegen.

                    Um auf Deine ursprüngliche Frage zu antworten, die ich jetzt mal so verstehe:
                    “Wie hast Du Dich beim Schreiben der oben zitierten Aussagen gefühlt?”

                    Lass mich ein wenig in mich hineinhorchen … bei:
                    “”Es steht Dir also frei, weiter zwischen mir, anderen und Dir zu unterscheiden, zu trennen. Lebe diese Trennung, bis Du ihrer überdrüssig bist.”, was ich als Antwort auf “Jedenfalls nicht Dir.” schrieb, fühle ich mich entspannt, ruhig und klar. Ich erkenne die Trennung, die Du mir spiegelst, als einen Teil von mir. Ich habe diese Trennung ebenfalls gelebt, eben bis ich ihrer überdrüssig wurde. Ich kenne die Freiheit, die in der Entscheidung liegt, diese Trennung aufzugeben. Ich weiß, welche Freude es in Dir auslösen wird, wenn Du Dich ganz bewusst nicht mehr getrennt von mir wahrnimmst, eine Freude, die ich kenne, und die Du in dem Moment erfährst, in dem Du den Gedanke “Jedenfalls nicht Dir.” als Absurdität erkennst – so wie ich diesen Gedanke irgendwann als Absurdität erkannt habe. Denn wenn ich Dir etwas nicht mitteilen kann, dann kann ich ja letztlich mir selbst irgendetwas noch nicht eingestehen.

                    Bei: “Lediglich bei der Aussage „in diesen Zeiten des Chaos“ habe ich geschmunzelt – sagt sie doch mehr über den aus, der dies so wahrnimmt als über die Zeiten – die sind einfach nur. ” steckt ja schon eine Gefühls-Andeutung im Zitat. Bei solchen Aussagen schmunzle ich eben zwischenzeitlich nur noch, ruhe dabei in mir, habe Mitgefühl mit dem, der da die Zeit als chaotisch wahrnimmt und noch nicht erkennt, dass ihm da auch wieder nur ein Spiegel vorgehalten wird – so wie es mir auch über viele Jahre hinweg ging.
                    Mir ist das irgendwie alles klar – aber ich kann das niemandem vermitteln. Jeder geht seinen Weg – da gibt es keine Abkürzungen – und das ist ganau so, wie es sein soll … sonst wäre es sicher anders.

                    Ralph

                    PS: Der Link auf Tolles Hörbuch “Jetzt” hier rechts auf der Seite funktioniert nicht mehr: “This video has been removed by the user.”

                    • Kirstin says:

                      danke für den hinweis mit dem hörbuch. geb ich weiter.

                      lieber ralph, weißt du, was ich mache? bei deinen ganzen sätzen schwirrt mir der kopf. ich hab einfach kaum noch lust in letzter zeit auf gedanken-akkrobatik. ich bleibe lieber im herz und fühle mich frei und wohl in jedem moment.

                      liebe grüße von kirstin

                    • Ralph says:

                      Hi Kirstin,

                      Deine Antwort stimmt mich fröhlich – was könnte es Schöneres geben, als dass mein Kommentar bei Dir eine bewusste Entscheidung für das Herz auslöst? Ich freue mich schon darauf, künftig noch mehr aus Deiner Deinem Herzen entspringenden Gefühlswelt – und weniger aus Deiner Deinem Verstand entspringenden Gedankenwelt – zu hören.

                      Wenn Du also mal wieder anfängst nach Erklärungen zu suchen, dann erinnere Dich an diesen Dialog – und lass es einfach. Das Herz braucht keine Erklärungen – und Du gehst zuverlässig allem, was Du als “Bewertung, Beurteilung oder Gedanken-Konstrukt” ansiehst, aus dem Weg. 😉

                      Andersherum kannst Du all dies als sicheren Indikator dafür hernehmen, selbst wieder vom Herz in den Verstand gerutscht zu sein. Denn sobald ich irgendwo den Verstand hervorlugen sehe, der meint, er sei Du, kannst Du wieder mir irgendetwas rechnen, was in Dir Genervtheit hervorruft, da es Dir als unangenehme “Bewertung, Beurteilung oder Gedanken-Konstrukt” vorkommt – obgleich es nur eine Reflexion dessen ist, wo Du selbst grad stehst …. jedenfalls so lange, wie es mir noch Spaß macht, Egos einen Spiegel vorzuhalten. Aber auch das ist schon weniger geworden … und wird irgendwann ganz verschwinden …

                      Dein Herz ist immer einer sicherer Platz – und auch ein Platz, an dem Du mich triffst,
                      Ralph

        • Lieber Ralph,
          mich würden deine Gefühle auch viel mehr interessieren als deine Gedanken, deine Fragen an andere und als die Zitate von B.Katie und E.Tolle. Fühle dich eingeladen, dich in dem Maße zu öffnen, wie es für dich stimmg ist.
          Liebe Grüße sendet dir
          Marina

  3. Angelika says:

    Liebe Kirstin,
    ich mag spontan sein echt gerne und meistens bin ich das, wenn mich mein Denken nicht ausbremst. Ist aber manchmal berechtigt. Was ich so entdeckt habe für mich, ist die Spontanität des Herzens, wenn ich im Herzen auf was reagiere dann fühlt sich das sehr gut an. Der Kopf sagt dann “ihh” und das Ego “ohhh” , lach, aber das Herz lacht dabei. Machen wir weiter auf diesem Weg des Herzens 🙂
    Knuddelgrüße an dich 🙂

  4. Angelika says:

    Lieber Ralph,
    ist interessant heute hier eure Kommentare zu lesen. Mir kamen da einige Erinnerungen hoch, an die Zeiten wo ich auch mein Wissen an andere weitergeben wollte und dabei eben die Aussagen der Meister und Lehrer benutzte. Nun, das ging eben schief, denn diese Aussagen müssen erst mal länger angesehen werden um sie zu verstehen. Dann wollen sie erst mal im täglichen Leben umgesetzt werden, also erfahren. Mußte ich ja auch erst machen um sie zu verstehen.
    Wenn ich heute also anderen meine persönlichen Erfahrungen erzähle, also wie ich es empfinde, was ich dabei erlebte und erkannte, dann können andere viel mehr damit anfangen, als wenn ich ihnen nur einen Spruch von einem Meister überstülpe. Da fühlt man sich dann einfach überfordert und versteht den anderen nicht, da dieser ja nicht von sich spricht sondern eben nur den Meister zitiert.
    Ich weiß dass es dazu eine Herzensöffnung bedarf, wenn man seines erzählt, aber wie sonst kann fruchtbare Kommunikation möglich sein, wenn nicht auf diesem Weg?
    Ein Beispiel wäre Byron Katie. Ich liebe ihre Lehren und verstehe sie, sehr vieles kann ich umsetzen, doch manchmal vergesse ich es wieder und dann läuft es bei mir nicht so wie ich möchte. Also ich kann davon erzählen und der andere versteht mich dann besser und auch das was Katie lehrt. Doch wenn ich ihn einfach mit nihre Lehren überfalle und sonst nichts, dann werde ich kein Verstehen des anderen erleben.
    Meine Wahrnehmung 😉

    • Ralph says:

      Hallo Angelika,

      vielen Dank für Deine Zeilen.

      Das Wunderbare ist, dass ich nichts anstrebe. Ich schreibe einfach – oder ich schreibe nicht.

      Es gab eine Zeit, da wollte ich mein Wissen weitergeben, da wollte ich das Verstehen des anderen erleben. Diese Zeit ist vorbei. Die Erfahrung trage ich in mir, aber das Wissen-weitergeben-Wollen hat ebenso wie das Verstehen-des-anderen-erleben-wollen keine Macht mehr über mich.

      Es passiert – oder es passiert nicht.

      Der eine kann sich aus dem, was ich schreibe, vielleicht etwas nehmen – der andere nicht.

      Die eine erkennt, dass es Handlungsbedarf gibt, und schaut die Aussagen länger an, um sie zu verstehen – der andere fühlt sich überfordert oder vor den Kopf gestoßen.

      So wie es ist, ist es: Weder gut noch schlecht, weder richtig noch falsch.

      Übrigens: Mir hat letzteres mittelfristig immer wieder einen deutlichen Schub verpasst: Eins vor den Kopf geknallt zu bekommen und damit wie ein begossener Pudel stehen gelassen zu werden. Das geniesen zu lernen hat mich auf dem Weg in die Freiheit jedes mal ein ganzes Stück voran gebracht – wie ich natürlich auch erst im Nachhinein festgestellt habe. 🙂
      Im entsprechenden Augenblick hätte ich diejenige Person steinigen mögen – heute bin ich ihr dankbar.

      Ralph

  5. Kirstin says:

    ja, lieber ralph, du hast schon deinen sinn – in meinem dasein und hier auf dem blog. eines tages werden wir wissen, was wir im seelencafe verabredet haben. ja, alles klar – achtung klappe – verstand hat sich eingeschaltet…

    • Ralph says:

      Genau … der Begriff Seele stammt definitiv schon wieder aus dem Verstand … das Herz braucht solche Begriffe nicht … und kann letztlich auch gar nichts damit anfangen. Und was eines Tages ist, ist ihm auch schnuppe. Für das Herz gibt es nur eines: Jetzt.

      Ich höre grad Gangaji (und Eli), vielleicht magst Du ja irgendwann auch mal reinhören:
      http://www.jetzt-tv.net/index.php?id=gangaji
      Die Videos (mit Ausnahme des ersten kurzen ganz oben auf der Seite) kommen mit deutscher Übersetzung.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s