Stille – was gibt es zu sagen?

Foto von Doris

Es ist so ruhig geworden – in mir. Komisch irgendwie. Es scheint kaum noch Worte zu geben im Moment, die das ausdrücken könnten, was in mir ist. Kann kaum was schreiben.

Vielleicht kann ich mein inneres mit einem verlassenen Haus vergleichen. Ein Haus, aus dem die Mieter ausgezogen sind. Eine ganze Familie wars, die hier gewohnt haben. Eltern, Großeltern, Kinder und Hund. Es war jede Menge Leben im Haus. Nun sind sie weg. Und die plötzliche Ruhe wirkt fast gespenstisch.

Es steht noch hier und die eine oder andere Kiste mit Müll. Einige Schubladen stehen offen, leer sind sie. An den Wänden sind noch vereinzelt die Ränder der Bilder zu sehen, die dort vorher hingen. Irgendwo steht ein Fenster offen – vergessen worden. Eine ebenfalls vergessene, halb zerrissene Gardine flattert davor hin und her. Melancholie liegt in der Luft.

Ja, so ähnlich sieht es aus bei mir. Auf der anderen Seite – sehr erstaunlich – breiten sich Dinge aus, die vorher offenbar keinen Platz hatten. Keinen Platz, weil soviel anderes davor stand. Es sind die Dinge, die sich jetzt ausbreiten, die mein Leben geprägt haben, seit ich da bin. Die Traurigkeit darüber, die Liebe, die ich im Herzen hab, nicht leben zu können. So fühlt es sich an. Warum? Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich bis heute nicht.

Ich kann es mir nur so erklären: Niemand von uns ist wirklich frei. Wir alle sind mehr oder weniger selbst beladen durch die Lasten, die wir bereits äonenlang mit uns schleppen. Und sollten wir diese wirklich für uns selbst einigermaßen aufgelöst haben, so heißt das ja noch lange nicht, daß wir nicht überall wieder auf andere Blockaden treffen.

Ja, nun habe ich so viel bei mir aufgeräumt. Doch nach wie vor scheint sich nichts grundlegendes bei mir verändert zu haben. Ganz viel ist zwar leichter geworden. Aber die Grund-Traurigkeit  scheint immer noch die gleiche zu sein. Ich sage hier ganz bewusst „scheint“ – denn genau wissen tu ich es nicht. Es fühlt sich halt grad nur so an.

Ich hab viel Freude in den letzten Wochen erlebt. Ganz bestimmt. Aber das, was jetzt geschieht, scheint mir grad irgendwie den Boden unter den Füßen ins Schwanken zu bringen. Scheint in mir nur die Frage zurückzulassen: War denn alles nur ein Traum? Hab ich mir selbst nur ganz gehörig was vorgemacht? Warum passiert das jetzt nochmal.

Ich weiß das alles nicht. Alles scheint grad stillzustehen. Aber ich stelle fest, auch ganz viel um mich rum scheint eine gewisse Stille zu herrschen. Und von der Liebe und Freude wird auch längst nicht mehr soviel geschrieben, wie z.B. noch vor Weihnachten. Ist es vielleicht so, daß wir grad so still sind und daß es sich so merkwürdig anfühlt, weil wir in einem großen, leeren, weißen Raum stehen und erstmal ganz gehörig staunen? Weil wir gar nicht wissen, was wir ohne unsere alten Möbelstücke machen sollen? Haben wir uns vielleicht so sehr an unser Sein mit all den Belastungen gewöhnt, daß wir uns ohne diese ganz hilflos fühlen?

Noch weiß ich es nicht, aber ich werd es ja erleben, was kommt. Ich nehme diese Gefühle jetzt auch an. Einfach so. Und nehme sie ins Herz. Vielleicht ist das ja der Weg.

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About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
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7 Responses to Stille – was gibt es zu sagen?

  1. Kirstin, du Liebe,
    ja, nimm die Gefuehle an und zweifle nicht an den Stunden, in denen du dich wohl gefuehlt hast.
    Es sieht ringsum zur Zeit aehnlich aus, wie du es beschreibst. Ich hoere es von vielen. bei mir gehts auch sehr hin und her.
    Alles ins Herz nehmen, das ist wunderbar!
    Ich umarme dich ganz innig!!!
    Alles Liebe !
    MarIna

  2. Verena says:

    Liebe Kirstin,

    Kannst du dich erinnern, was ich dir über meinen Zustand sagte… Vor einigen Wochen? Das, was du beschreibst kenne ich soooo gut.
    Und wie Marina auch schreibt geht es vielen anderen genau so!

    Ich spüre die Melancholie wie gestern…sehe die einzelne Gardine flattern… Bemerke, dass das Leben aus dem Haus verschwunden ist. Fast gespenstische Stille….sie ängstigt mich manchmal…mein Verstand stellt Fragen über Fragen…was ist/war richtig, was ist/ war falsch… bin ich auf dem Abstellgleis… Hab ich den Zug verpasst…was machte mich bislang aus… Was macht mich JETZT aus? Was ist noch da, was wird (wieder) kommen… Fragen über Fragen und dann:

    STILLE

    LOSLASSEN

    ANNEHMEN

    ZUR RUHE FINDEN

    Und irgendwann…vielleicht 2 Wochen her…strömte neues Leben in die Bude bei mir. Vielleicht geschah dies schon (unbemerkt) viel früher…

    Es geschah einfach so… Ohne erkennbare Anstrengung meinerseits…aus der Leichtigkeit geboren… Und wahrscheinlich gerade wegen ihr!

    Das lässt mich vermuten, dass es bei allen anderen und bei mir auch immer wieder dazu kommt….

    Wir haben unsere Entscheidung getroffen… Aus unserem Herzen heraus.

    Nun kommt alles, was wir auf unserem Weg benötigen, zu uns.

    Es geschieht stets das Richtige für mich.

    Alles fällt an seinen Platz!

    Liebe Herzensgrüße
    Von Verena

  3. Olaf says:

    Liebe Kirstin,
    ich empfinde das derweil ganz genauso. Ich glaube ganz vielen gehts im Moment so. Ich drück dich ganz innig und liebevoll,
    Olaf

  4. Hallo liebe Kirstin,

    herzlichen Dank für deine Worte der Klarheit, für deinen Blick in diese Reinheit, voller Erkenntnis und Wissen.

    Ja, die alten Möbel, die latenten und unbewußten Anhaftungen gehen, sind ausgezogen –
    in dieser Zeit, voll der Energien und des Zaubers.
    Was sich offenbart ist die scheinbare Leere und der Geist — die Essenz der alten Wahrnehmungen, der Erfahrungen, der Seelenbegleiter, alter Schmerz und alte Freude.
    All das “finden” wir in diesem leeren Haus

    und eben dieser neue Raum,

    den Platz in uns, befreit vom 3d-Möbiliar.
    Bietet sich jetzt die Leinwand zu kreieren, in unserem jetzigen Bewußtsein, im Jetzt das ist.

    Da stehen wir in unserer Stille, sehen das Neuland vor uns und haben vermeintlich keine Ahnung – doch eben diese Ahnung, dieses Wissen ist in uns und leitet uns mit innerer, leiser Stimme in diese neue Dimension zu gehen – voller Vertrauen und Gelassenheit.
    Wissend um den Frieden und die Energien, die sich austauschen werden, die sich befruchten und potenzieren. In uns und dem Außen, wenn wir unseren Kokon verlassen.

    Das 3d-Cocooning, dieses Einrichten in der alten Wohlfühl-Zone hat ein Ende, wir befreien uns, beginnen unsere Flügel auszubreiten und spüren, daß wir mit allem verbunden sind. Mit uns, den alten Freu(n)den, dem altem Leid, jedoch ohne die Masken, ohne die alten Schleier.

    Realisieren wir den Platz in unseren Häusern, spüren wir die Kraft und das Sehnen, trennen wir uns von der Ungläubigkeit, die noch als Rest der alten Anhaftung sich gerade verflüchtigt. So entdecken wir die Farben und Pinsel für unsere Leinwand. Malen wir dann eben diese Freude, die Schönheit und Liebe, die sich endlich und jetzt in und aus uns ergießen möchte.

    Voller Vorfreude, dich und all die anderen voller Farbkleckse wiederzusehen,
    ein luftiges, klares wie lichtdurchflutetes Wochenende,

    Ralf.

    p.s.: Ja, es ist eine besondere Atmosphäre auf diesem Planeten im Moment, voll der Stille, der letzten inneren “Achterbahnfahrten” – die wir immer mehr in Gelassenhait und Frieden wahrnehmen und anschauen können. Hören wir doch in der Stille immer mehr unsere innere Stille und erkennen den Impuls, das Göttliche in uns.
    Ich bekomme gerade Lust euch einzuladen auf eine 18 minütige akustische und visuelle “Achterbahnfahrt”:

  5. Angelika says:

    Liebe Kirstin,
    ich lese grad deine Zeilen und blicke hinaus in die Winterlandschaft, die Bilder schieben sich ineinander und ähneln sich. Gehen wir immer mehr im Gleichschritt mit Mutter Erde ?
    Nun, der Frühling sollte als nächstes an der Reihe sein, das neue Erblühen in allen Farben und Singen der Vögel, die wärmenden Strahlen der Sonne …. was uns da wohl erwartet? 😉

  6. Ralph says:

    Hallo Ihr da,

    interessant, Eure Zeilen hier zu lesen. Habe in der vergangenen Woche viel geschlafen – deutlich mehr als sonst. Habe zwei von fünf Trainingseinheiten weggelassen, weil ich einfach zu müde war. Bin auch jetzt schon wieder müde – obwohl ich gestern deutlich vor meiner Frau ins Bett gegangen und heute auch nicht grad früh aus den Federn gekommen bin. Aber so, wie es ist, so ist es. Ich denke nicht über ein “Warum?” oder “Was hat das zu bedeuten?” nach.

    Umso mehr wundert mich immer wieder Euer Blick in die Zukunft. Als ob irgend ein Makel an dem ist, was ist, schauen einige von Euch – kaum dass sie in der Gegenwart etwas neues erfahren – wieder in die Zukunft und fragen sich, was das wohl zu bedeuten hat.

    Habe gestern Abend noch im Bett begonnen, das Diamant-Sutra zu lesen (http://www.fpmt.org/teachers/zopa/advice/pdf/vajracuttergerman.pdf) … bin aber nicht durchgekommen – es hat mir dann die Augen zu sehr zugezogen. Dennoch: Bereits das, was ich gelesen habe, hat wieder ein weiteres Puzzlestück in mir zum Leuchten gebracht, zu weiterem Erkennen geführt – hier mal nur ein kurzer Ausschnitt:

    “Das Bewusstsein soll entwickelt werden, ohne bei überhaupt irgendetwas zu verweilen. Warum? Was verweilt, eben das verweilt nicht.”

    Jetzt bin ich beim Nachlesen auch grad nochmal auf das Herz-Sutra gestoßen. Das ist vergleichsweise kurz … vielleicht lest Ihr es Euch auch einmal durch, und vielleicht erkennt sich ja der eine oder andere auch wieder: http://www.gungfu.de/buddhismus/herz.html

    @RAlf: Vielen Dank für das Marillion-Video!

    @Kirstin: Beim Lesen Deiner Zeilen habe ich mich der vielen Hotel-Zimmer erinnert, die ich in den mehr als zehn Jahren geschäftlicher Reisetätigkeit bezogen und nach wenigen Tagen wieder – auf Nimmerwiedersehen – verlassen habe. Bei jedem letztmaligen Schließen einer Hotelzimmer-Tür habe ich Wehmut in mir verspürt … und habe mich nochmal kurz des jeweiligen Aufenthalts erinnert.

    Ich war zwischenzeitlich auch drei Mal in Hawaii. Beim ersten Mal war es toll, interessant, spannend – auch wenn mich die 12h Jet-Lag arg mitgenommen haben. Beim zweiten Mal war es Routine – da ich morgens früh wach war, habe ich Spaziergänge unternommen … und dabei meine Leidenschaft für’s Joggen entdeckt. Beim dritten Mal war es nur noch öde – und ich habe mich gefragt: ‚Was soll ich hier? Ich finde auf der anderen Seite der Erde genau so wenig wie zu Hause.‘ Die Suche im Außen hatte sich als zwecklos herausgestellt. Und so langsam reifte die Erkenntnis, die Franz von Assisi schon vor einigen hundert Jahren mit den Worten zusammenfasste: “Das, was du suchst, ist das, was sucht.”

    Juliane Werding hat in “Um die ganze Welt” wieder andere Worte gefunden:

    Irgendwie meintest Du auch, dass Worte wie Liebe und Freude nicht mehr so häufig vorkommen. Vielleicht hängt das ja auch damit zusammen, dass diese Dinge immer mehr zu selbstverständlichen Seinszuständen werden – so sehe ich das jedenfalls für mich. Wenn etwas neu für mich ist, dann berichte ich darüber – hab das ja auch hier auf dem Blog zum Teil wortreich getan. Irgendwann stellt sich ein gewisses Selbstverständnis diesen Dingen gegenüber ein – und das Bedürfnis, darüber immer wieder zu reden/schreiben lässt nach. Wer etwas wissen mag, der kann ja fragen.

    Das bringt mich, bevor ich mich jetzt an die frische Luft begebe, nochmal kurz zu einem Zitat von Teresa von Ávila, das ich vor vielleicht vier Jahren mal notiert habe:

    “Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.”

    Habe mal recherchiert und dabei entdeckt, dass dieses Zitat Teil eines Gebetes ist – Ihr könnt es z.B. hier unter der Überschrift “Gebet des älter werdenden Menschen” nachlesen: http://glaube-und-kirche.de/gebete.htm

    Eine tiefe Spur hat auch dieser Teil des Gebets in mir hinterlassen:

    “Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben. Aber Du verstehst – oh Herr – dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.”

    Ich habe mich gefragt: Will ich das wirklich? Warum sollte ich das wollen? Zeichnet sich ein Freund nicht gerade dadurch aus, dass er keine Bedingungen an seine Freundschaft knüpft? In einem Blog (http://www.psychologieforum.de/das-casanova-syndrom-1849-2.html) habe ich mal gelesen:

    “Die besten Freunde waren immer die, die einfach da waren. Und wenn ich “mit beiden Händen kräftig im Klo” rum wühlen musste, dann warteten die, bis ich fertig war, und standen dann immer noch freundlich lächelnd da und nahmen mich immer wieder auf, einfach so, wie ich bin. Das war das größte Geschenk, das echte Freunde mir machen konnten. Abnehmen konnte mir keiner was.”

    Ralph

  7. Kirstin says:

    Danke schön, Ihr lieben, für Eure Kommentare. Sie haben mir sehr gut getan.

    Liebe Grüße von Kirstin

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