Selbstliebe – das allerschwierigste?

Fritz, der Wichtel in unserem Garten

14. Februar – Valentinstag – „Feiertag“ der Floristen, wie er auch häufig im Spaß genannt wird – ist jetzt für dies Jahr wieder vorüber. Was haben wir getan, haben wir ihn irgendwie begangen? Manch einer mag diesen Tag einfach boykottieren – tu ich im Prinzip auch ganz gerne. Aber dieses Jahr hat es mich doch wieder gepackt, und ich habe meine Lieben doch zumindest mit einer E-Card bedacht, und bin selber auch bedacht worden. Ist ja auch schön. Ich hab sie ja auch alle lieb.

Aber wen hab ich wieder mal vergessen? Die Person, die mir eigentlich am allerwichtigsten sein sollte – richtig, mich selbst. Hab ich mir selbst auch eine E-Card geschickt? Hab ich mich selbst vielleicht mal in den Arm genommen und zu mir gesagt: Kirstin, ich hab dich total lieb, wie schön, daß du da bist? Nein – natürlich hab ich das nicht.

Meine Güte, warum ist das bloß so schwierig, sich selbst zu lieben? Ich werde damit zur Zeit immer wieder konfrontiert. Bemerke ganz deutlich durch das, was sich mir im außen zeigt, daß das für mich der absolut nächste, oberwichtigste Schritt ist, den ich zu gehen habe. Mich selbst lieb zu haben. Dieses Loch, das da in meinem Bauch zu sein scheint, das kann nämlich natürlich nicht von außen gestopft werden. Wär ja auch komisch, wenn das ginge, wo bliebe da die Verbindung zu mir selbst. Das weiß ich ja auch alles – aber umsetzen … 😉

Also los: Selbstliebe ist jetzt angesagt … hmmm … ja, und wie geht das eigentlich. Sag ich mir da einfach immer wieder was nettes? Z.B. Kirstin, ich hab dich lieb. Na klasse, klingt gut, glaub ich mir aber nicht. Ok, denn was anderes: Kirstin, ich mag dich. Ja, schon besser, da find ich aber auch im Moment noch nicht den richtigen Zugang. Gut, denn jetzt ganz einfach: Kirstin, ich find dich einfach nett. Ja, das ginge vielleicht, da antwortet was in meinem Herzen, das schein ich mir selbst zu glauben. 😉 Vielleicht mach ich daraus jetzt ein “Mantra” für mich?

Ist schon der Hammer, oder? Wie schwer das fällt. Geht’s Euch auch so? Wie komisch ich mich damit fühle, mir das zu sagen. Sollte das nicht eigentlich das erste und wichtigste sein, was man sich selber schenkt?

Wie war das bei mir als Kind? Mein Vater hat mir sowas nie gesagt, und ich habs auch sonst nie von ihm empfunden. Meine Mutter schon, aber der hab ich es nicht geglaubt. Weil sie auch gleichzeitig diejenige war, die mir von frühab eingebläut hat, ich dürfe niemandem vertrauen und müsse Leistung bringen in dieser Welt, da ich sonst niemals anerkannt werden würde.

Na ja, und irgendwann hab ich mich denn auch mit dem auseinander gesetzt, was die Kirche so zum Thema Liebe zu sagen hatte. Aber da hab ich auch meist nur verstanden, ich darf nicht hochmütig werden, schön demütig sein. Wobei demütig für mich immer hieß, mich selbst schön klein zu halten.

Gelernt hab ich das also nicht. Und ich hab mich eigentlich schon im Kindergarten darauf konzentriert, möglichst gut zu sein, um eben von den anderen anerkannt zu werden. Na ja, und so setzte es sich bei mir fort durch die Schulzeit, die Lehre, Arbeitsstellen.

Und jetzt ist wohl der Zeitpunkt gekommen, wo ich die Pflicht hinter mir hab und endlich die Kür kommen darf. Mir selber all die Wertschätzung und Zuneigung zu geben, die ich so hab. Lach – und vielleicht wird ja irgendwann mal Liebe draus. 😉

Wie macht Ihr das, könnt Ihr Euch selbst mögen oder lieben? Und fiel Euch das auch so schwer?

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About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
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36 Responses to Selbstliebe – das allerschwierigste?

  1. Angelika says:

    Liebe Kirstin,
    ist schon so ein Thema das mit der Selbstliebe, das hatte ich lange am Wickel.
    Ich war mal weit davon entfernt und konnte damit nichts anfangen. Als es mir mal so richtig schelcht ging und meine Gedanken wieder die üblichen negativen Dinge herunterratterten, da griff meine Seele ein, glaube ich zumindest.
    Ich stand plötzlich hinter mir, also ich sah mich von hinten und ich blickte mich einfach an. Je länger ich das tat, desto ruhiger wurde ich und desto mehr begann ich mich anders anzusehen als bisher. Ich sah mich einfach selber ganz liebevoll an, empfand Zärtlichkeit für alle meine Schmerzen und mein Geknickt sein. Das ging so lange, bis ich mit einemal Liebe für mich empfand. Das erste Mal liebte ich mich so wie ich war, bedingungslos.
    Das war der Beginn wo ich verstand, dass ich mehr bin als nur ein Körper und Gefühle und Gedanken. Ich war dieses liebende Wesen und ich durfte mich lieben so wie ich nun mal bin, mit allen meinen Macken und Ecken und und und ;).
    Seitdem mache ich das jedes Mal, wenn ich wieder mal zuviel habe von allem und von meinen Gedankenkarusell, ich steige aus mir aus und betrachte mich von vorne, hinten oder der Seite und sofort fühle ich wieder diese unendliche Liebe für mich als Mensch und weiß, es ist alles gut so wie es ist.
    Liebevolle Umarmung für dich als Kirstin 🙂

    • Kirstin says:

      Liebe Angie,

      danke, daß Du es hier nochmal aufgeschrieben hast. Als Du es mir erzähltest, hab ich die Übung gleich ausprobiert. Ist gar nicht so einfach gewesen, das auszuhalten. Am Anfang ging es gleich gut. Ich trat die Schritte zurück und hatte sofort alle Liebe für dieses Wesen Kirstin. Hab gedacht, die möcht ich nur sofort in den Arm nehmen und drücken und trösten. Hat sie doch alles toll gemacht. Aber denn kamen gleich die anderen Stimmen, Ego und Kritiker. “Was wird das denn hier?” so hieß es. War gar nicht so leicht, da einfach stehen zu bleiben. Ich werde das jetzt immer und immer wieder machen. Denn alles hat sich gut angefühlt.

      Liebe Grüße und Umarmung zurück von Kirstin

  2. LIebe Kirstin,
    ich habe mir tatsächöich gestern einen Blumenstrauß geschenkt – speziell zum Valentinstag und in mein Tagebuch geschrieben “Zum ersten Mal schenke ich mir selbst zum Valentinstag etwas.”
    Zum Thema Selbstliebe: Ich hab mir phasenweise immer mal richtig schöne Liebesbriefe in mein Tagebuch geschrieben AN MICH SELBST. Tut wirkllich gut, finde ich.
    Liebe Herzensgrüße schickt dir
    MarIna

    • Kirstin says:

      Liebe MarIna,

      das mit dem sich selbst was schenken hab ich auch schon ausprobiert. Ist auch nett, nur bring ich es oft nicht mit mir selbst in Verbindung.

      Aber mit den Briefen, das macht mich neugierig. Da kribbelt es im Herzen bei der Vorstellung. Danke schön.

      Ganz viele liebe Grüße an die Family 😉 von Kirstin

    • Ralph says:

      Hab mich grad gefragt, was mir das hier alles sagen soll … und dann kam’s, mit dem Schreiben an sich selbst:

      Alles, was ich jemals geschreiben habe, habe ich eigentlich an mich selbst geschrieben. Egal ob bewusst oder unbewusst. Jeder Liebesbrief, jede Analyse, jede mehr oder weniger aggressive schriftliche Reaktion (davon gab es früher eher reichlich).

      Alles, was ich hier schreibe, ob ich “ich” oder “Du” schreibe, schreibe ich tatsächlich an mich selbst, denn Du = ich gilt nicht nur, wenn es mir passt, sondern immer.

      Wenn ich also schreibe “Du wertest”, dann meine ich eigentlich “ich werte”. Der zweiseitige Spiegel existiert ja nicht nur, wenn es mir grad passt. In Seminaren zur Konfliktbewältigung wird ja unter anderem auch gelehrt, bei sich zu bleiben, von sich zu erzählen (sogenannte Ich-Botschaften) statt dem anderen zu sagen, was er falsch macht oder tun sollte. Ist mir anfangs gar nicht so leicht gefallen.

      Habe in letzter Zeit vielfach erst in der Du-Form geschrieben, und dann in die ich-Form korrigiert (so wie ich es jüngst auch Angelika vorgeschlagen habe). Wenn dann da plötzlich Dinge standen, die mir gar nicht gepasst haben, bin ich ganz still geworden, und habe mal ein wenig darüber nachgedacht, was mir das denn wohl jetzt sagt. Und dann habe ich dem anderen dafür gedankt, dass er es mir gezeigt hat.

      Wenn ich anderen Fragen stelle, dann beantworte ich mir diese Fragen zuvor auch immer selbst – je nach Situation entweder nur aus meiner Perspektive, oder aber auch aus der Perspektive des anderen.

      Und dann passierte immer mehr etwas total lustiges: Nachdem ich für mich erkannt hatte, dass ich immer nur über mich spreche, auch wenn ich über andere sprach, erkannte ich, dass das ja auch für die anderen gilt. Zuvor habe ich mich vielfach angegriffen gefühlt, habe aggressiv reagiert mit dem Kommentar, der andere solle gefälligst bei sich bleiben / vor der eigenen Haustür kehren. Jetzt sehe ich von mal zu mal mehr, dass der andere auch dann von sich erzählt, wenn er mich anspricht. Ich bin lediglich das Medium, die Muse, in der er sich sieht (aber vielfach nicht wiedererkennt). Und es ist immer wieder köstlich zu sehen, wie der andere reagiert, wenn ich ihn damit konfrontiere – ist ja seine Entscheidung, ob er sich dem öffnet oder nicht.

      Einfach immer wieder Klasse, dieser zweifache Spiegel!

      Euer Ralph

      • Djunga says:

        Lieber Ralph,
        bisher wollte ich mich noch nicht in die, meiner Meinung nach, hoch interessanten Dirkussionen hier einklinken. Ich lese sie jedoch fast täglich und sehr gern.
        Heute möchte ich mal eine Lanze für Dich brechen. Ich finde Deine Bemerkungen oft sehr erstaunlich. Zum Beispiel die Sache mit dem Spiegel. Auch deine Erkenntnis mit Wertungen finde ich bemerkenswert. Wenn Du das im Alltag stets so umsetzen kannst, ziehe ich meinen imaginären Hut vor Dir.
        Ich erwische mich leider immer wieder dabei, dass ich werte. Ja – und ich fühle mich auch manchmal noch angegriffen. Aber ich lerne dazu.
        So lange wir werten, können wir uns nicht selbst lieben. Denn tatsächlich werten wir uns damit unter Umständen auch selbst ab.
        Liebe Grüße
        Djunga

  3. Shambalaya says:

    Hallo Kirsten, liebe Leser,
    Ich lese hier immer weder gerne mit, danke für Eure Beiträge.
    Nun bei dem Thema Selbstliebe möchte ich eine Erkenntnis teilen. Für mich ist Selbstliebe nicht mir zu sagen dass ich mich liebe, sondern in Allen Sitationen die mir im Leben begegnen, den Mut und das Einfühlungsvermögen und das Mitgefühl zu haben 🌟Für Mich Einzustehen! 🙏in ganzer Liebe zu mir selbst! Zu sprechen oder zu handeln, ohne Rücksicht auf allgemein gültiges Altes Gedankengut.☀
    Z.B. Frage ich mich im Herzen: Was würde die Liebe sagen? Immer! Spüre ich einen weiten warmen Herzbereich, wenn ich in Liebe zu mir handle! Das ist Selbstliebe wie ich es verstehe.
    Herzensgrüsse shambalaya

    • Kirstin says:

      Liebe shambalaya,

      danke für Deine Antwort. Wie toll ist das denn! Stelle ich mir diese Frage “Was würde die Liebe sagen” gibts nur eine Antwort, oder? Und die kann ich auch sofort fühlen. Und schon sind alle trüben Gedanken weg.

      Hach – ich freu mich.

      Liebe Grüße von Kirstin

      • dieter says:

        What would Jesus do?

        Leutchen, Selbstliebe fängt doch schon bei alltäglichen Dingen wie zB. Stuhlgang an.
        Wie oft geht man nicht auf Toilette, obwohl man gerade muss. Das baut Druck auf, den man entspannt loslassen kann.

        Weniger Druck, weniger Spannung, weniger Selbstkritik, mehr Selbstakzeptanz und -liebe.

        Selbstliebe bedeutet für mich ebenfalls, sich auch mal im negativen Sinne gehen zu lassen und sich dafür dennoch nicht zu verurteilen. Sprich sich zu nehmen wie man ist, auch wenn man nicht einem Optimum entspricht, mit all den Fehlern und Unfähigkeiten.

        Und ja, Selbstliebe bedeutet für mich auch, sich anzunehmen auch wenn man nicht stets den Mut und das nötige Einfühlungsvermögen besitzt, um sich in jeder Situation für sich Einzusetzen. Auch wenn shambalaya da natürlich vollkommen recht hat;-)

        • Kirstin says:

          Lieber Dieter,

          ich stimme Dir da voll zu. Aber meine Frage war ja grad, wie komme ich dahin, daß ich dies alles besser kann.

          Und wenn ich z.B. jetzt die Frage stelle, was würde die Liebe sagen, denn kann ich mich auch gleich annehmen. Oder denn brauch ich mich gar nicht mehr annehmen, weil ich ohnehin Liebe bin.

          Liebe Grüße von Kirstin

  4. Doris says:

    Liebe Kirstin,

    ich tue mir mit der Selbstliebe auch außerordentlich schwer. Dabei merke ich eigentlich, dass ich in Punkto Selbstannahme schon sehr weit gekommen bin. Vermutlich könnte man Annahme und Liebe als ein- und dasselbe betrachten. Aber für mich sind es zwei ganz verschiedene Dinge.

    Selbstannahme ist für mich etwas, für das ich mich entschieden habe, ganz bewusst. Sowohl mental als auch aus der Tiefe meines Herzens heraus.

    Unter Selbstliebe hingegen verstehe ich ein Gefühl, also eine körperlich erfahrbare Wahrnehmung. Und diese ist mir leider völlig unbekannt. Weil mir bislang – als Doris in diesem Leben und diesem Körper – die Liebe als Gefühl generell unbekannt geblieben ist.

    Gerade seit Beginn dieses Jahres stoße ich wieder einmal an allen Ecken und Enden auf meine Unfähigkeit, das Leben als Mensch wirklich ganz zu erleben, mit allen Gefühlen, die dazugehören. Ich spüre gerade wieder ganz stark die Hilflosigkeit im Umgang mit meinem Körper, der so vieles nie zu fühlen gelernt hat. Ich spüre die Sehnsucht, endlich ganz und gar im Körper anzukommen, um erfahren zu können, wie sich Freude anfühlt, wie sich Liebe anfühlt, wie sich Vertrauen anfühlt – von mir aus gerne auch, wie sich Liebeskummer oder Verlassenwerden anfühlt, denn das würde ja immerhin bedeuten, einmal Liebe gefühlt zu haben!

    Obwohl sich bei mir energetisch gerade enorm viel tut (oder vielleicht gerade deswegen?), spüre ich eine tiefe Traurigkeit über meine Defizite und meine gefühlte Trennung von der umgebenden Welt. Ja, mir ist durchaus klar, dass alle Trennung nur eine Illusion ist. Ich weiß auch, dass Zeit eine Illusion ist. Ich weiß, dass es nichts zu suchen gibt, weil ich alles schon bin. Genau auf dieser Basis kann ich mich ja auch selbst annehmen. Nur lieben – als gefühlte Wahrheit – kann ich mich auf dieser Basis nicht. Weil ich eben das Gefühl der Trennung wahrzunehmen vermag, das Gefühl der Liebe aber (noch) nicht. Und das macht mich trotz aller Selbstannahme gerade sehr traurig. 😦

    Doris

    • Ralph says:

      Hi Doris,

      ich freue mich, mal wieder etwas von Dir zu lesen. Deine Worte erzeugen in mir immer wieder einen immensen Nachhall, und bewirken auf der Kopf-Herz-Achse eine tendenzielle Verschiebung in Richtung Herz.

      Ich habe zwei Fragen für Dich:

      a) Du schreibst: “Unter Selbstliebe hingegen verstehe ich ein Gefühl, also eine körperlich erfahrbare Wahrnehmung. Und diese ist mir leider völlig unbekannt.” Das klingt für mich, als ob ein Blinder über Farben schreibt, oder ein Tauber über Töne. Wie stehst Du zu diesen Vergleichen? Siest Du sie als passend oder doch eher als unpassend?

      b) Du sprichst von Defiziten. Woher weißt Du denn eigentlich, dass Du Defizite hast? Welche Instanz gibt es, die Dir sagt, dass es da eine Differenz zwischen Soll und Haben gibt?

      Insbesondere die erste Frage bewegt mich sehr, da ich mich gern noch mehr in Dich hineinversetzen können möchte. Ich weiß, wie ich ticke – und aufgrund meiner Erfahrungen habe ich zwischenzeitig auch ganz gute Antennen dafür entwickelt, wie andere ticken. Aber bei Dir fällt es mir sehr schwer, mich wirklich in Dich hinein zu versetzen – wahrzunehmen, was Du wahrnimmst.

      Vielleicht erinnerst Du Dich, dass ich mal von unseren sieben Sinnen schrieb: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, Denken und Fühlen. Basierend auf dem, was Du schreibst, frage ich mich, ob Dein “Gefühlssinn” in irgend einer Weise eingeschränkt ist. Aber es ist ja nicht so, dass Du nichts fühlst – Du kennst das Gefühl des Getrenntseins, und Du kennst auch die Traurigkeit und die Sehnsucht. Auf meine Frage nach dem Gefühl der Zärtlichkeit hast Du bisher noch nicht geantwortet. Wie steht es eigentlich mit dem Humor? Gibt es etwas, das Dich zum Lachen bringt? Dieser Karton zum Beispiel:

      Hast Du Dir selbst schon mal einen Überblick darüber verschafft, welche Gefühle Du wahrnimmst? Vielleicht magst Du ja mal eine Gefühlsliste (z.B. http://www.improwiki.de/improtheater/Gef%C3%BChlsliste) durchgehen und schauen, welche Gefühle Dir etwas sagen, welche Du also wahrnehmen kannst; und welche Gefühle nur Wörter sind, mit denen Du nichts verbindest.

      In der Liebe, die Du bist – und die ich bin,
      Ralph

      • Doris says:

        Lieber Ralph,

        danke für deine Zeilen. Ja, ich fühle mich tatsächlich oft wie eine Blinde, die sich bemüht, sich in einer Welt von Sehenden durchzumogeln. Mit Sicherheit ist mein Gefühlssinn eingeschränkt. Es gibt dafür sogar ein schönes Wort: Alexithymie (Gefühlsblindheit). Ich halte zwar nicht viel davon, alles in irgendwelche Schubladen zu packen, die letzten Endes nicht viel aussagen, sondern nur beschreiben, was ist, und auch das längst nicht umfassend, aber falls es dich interessiert, ist hier ein kurzer Text dazu: http://www.lebenshilfe-abc.de/alexithymie.html

        Ich denke, dass das bei mir mit meinem generell kaum vorhandenen Körpergefühl zusammenhängt. Bis etwa zu meinem 30. Lebensjahr konnte ich überhaupt keine Gefühle wahrnehmen. In den vergangenen ca. 13 Jahren habe ich gelernt, immer besser mein Innenleben wahrzunehmen und einzelne Gefühle zu unterscheiden. Ich bin mir dabei aber immer noch sehr unsicher, und ganz viele Gefühle fehlen mir noch komplett, insbesondere die aus der “positiven” Palette.

        Dass ich in diesem Bereich Defizite habe, zeigen mir vor allem meine tiefen Sehnsüchte, die mich auf einen Mangel hinweisen. Meine Sehnsucht schreit: Traurigkeit und Verzweiflung fühlen zu können, ist sicher ein Anfang, besser als gar nichts, aber es kann doch nicht alles sein! Wo ist die Freude? Wo ist die Liebe?

        Zum zweiten werden mir meine Defizite im täglichen Miteinander mit anderen Menschen sichtbar. Zwar habe ich mir selbst mittlerweile ein halbwegs annehmbares Sozialverhalten antrainiert und glaube, mich im (oberflächlichen) Alltag einigermaßen als “Fühlender” durchmogeln zu können. Auch Humor verstehe ich und kann an den richtigen Stellen lachen, aber das ist selten mit einem inneren Gefühl verbunden. Lachen ist für mich mehr ein sozialer Akt, den ich mir so gut antrainiert habe, dass er in Gesellschaft mittlerweile meistens automatisch abläuft, den ich aber für mich allein eigentlich nicht benötige. Wenn ich mir allein einen lustigen Cartoon ansehe (danke, ich liebe Ralph Ruthes Flossen-Cartoons! :-D), dann finde ich den durchaus lustig, aber der Humor läuft dabei überwiegend in meinem Kopf ab.

        Zärtlichkeit… bisher dachte ich, auch dieses Gefühl sei mir unbekannt. Aber neulich bin ich in einer Therapiestunde doch auf eine Erinnerung aus der Kindheit gestoßen, wo ich einmal meinem kleinen Bruder gegenüber Zärtlichkeit empfunden hatte, als er im Auto mit dem Kopf an meiner Schulter eingeschlafen war. Seit damals hatte ich dieses Gefühl nie mehr. Aber ich weiß jetzt, dass es in mir vorhanden ist und dass ich es vermutlich identifizieren könnte, sollte ich es wieder einmal fühlen.

        Große Probleme habe ich mit der Nähe-Distanz-Regulation. Mir scheint, echte Nähe zulassen zu können, setzt ganz unbedingt voraus, dass man sicher die körperlichen, psychischen und energetischen Grenzen der eigenen Person spürt. Und da hakt es bei mir sehr. Ich spüre zwar zunehmend mein Innenleben, aber nicht den Bereich, wo mein Eigenes endet und der Bereich des Gegenübers anfängt. Interessant ist, dass mein Körper bzw. meine Psyche die Grenzen durchaus wahrnimmt: Wenn mir jemand zu nahe kommt, erzeugt das auf der körperlichen Ebene sichtbare, teilweise heftige Reaktionen (Angstsymptome, Erstarrung, Verstummen, innerer Rückzug), anhand derer ich dann auch mental erkennen kann: Aha, da wurde wohl eine Grenze überschritten! Aber dann ist es immer schon zu spät. Deshalb habe ich mir angewöhnt, lieber schon prophylaktisch “Nein” zu sagen und auf engere Beziehungen zu verzichten, ehe jemand auch nur in die Nähe meiner Grenzen kommen kann. Zu einer früheren und feineren Wahrnehmung meiner Grenzen zu kommen, daran arbeite ich.

        Etwas weiteres ist, das meine ganze Existenz wie zersplittert zu sein scheint. Eigentlich sind alle wichtigen Teile vorhanden: das Ego, die Intuition, der Verstand, der Körper, weibliche und männliche Energien, diverse innere Kinder, usw. Aber diese Einzelteile existieren alle irgendwie isoliert. Sie kommunizieren nicht miteinander und reagieren teilweise unabhängig voneinander. Sie bilden keine Einheit namens Doris, die in der Lage wäre, ihr Leben in Freiheit zu gestalten.

        Ich habe das jetzt so ausführlich beschrieben, weil ich denke, dass ich zwar vielleicht ein Extremfall bin, dass solche Mechanismen aber dennoch in unterschiedlichem Ausmaß fast jedem Menschen vertraut sein dürften. Wer ist sich schon in jedem Moment seiner Gefühle und seiner Grenzen bewusst? Wer ist schon in jedem einzelnen Augenblick mit allen seinen Anteilen gleichermaßen in Kontakt? Wer ist schon zu hundert Prozent Meister über sein Leben? (Wohlgemerkt, ich spreche von Meisterschaft, nicht von Kontrolle!)

        “Alles ist eins” – das fängt für mich nicht zuerst im Außen mit der Suche nach einer kollektiven Einheit an. “Alles ist eins” – das beginnt für mich zunächst im eigenen Inneren: damit, aus den eigenen Bruchstücken bewusst eine individuelle Einheit zu gestalten.

        Herzliche Grüße,
        Doris

        • Kirstin says:

          Liebe Doris,

          hab Deine Zeilen grad gelesen und fühle mich sehr berührt. Finde mich ganz doll wieder. Vor allem, was die positiven Gefühle betrifft. Kennen tu ich die eigentlich auch nicht. Gut, hin und wieder ist da was. Und auch in den letzten Wochen und Monaten, da gabs schon etwas mehr. Aber wie schwer ist das jeweils erarbeitet gewesen. Wieviel hab ich dafür getan. Und als ich Deins jetzt gelesen hab, da hatte ich Tränen in den Augen, weil ich mich für einen Moment nicht mehr so allein fühlte. Alle Welt spricht von Liebe, Freude und Glück. Aber wie man dahin kommt, das steht selten dabei 😉 danke schön für Deine Worte.

          Liebe Grüße von Kirstin

          • Doris says:

            Liebe Kirstin,

            ich habe mir so lange Zeit immer wieder eingeredet, dass mir das Wissen um die Verbundenheit genügt und dass ich die zugehörigen Gefühle gar nicht brauche. Aber es genügt mir nicht! Es genügt mir nicht im Geringsten!!! Ein Teil von mir versucht immer noch, den Mangel zu rechtfertigen. Aber wenn ich ehrlich bin, dann macht er mich einfach nur unendlich wütend! *grrrrrr*

            Vielleicht ist diese Wut etwas Gutes. Ich glaube, ich habe gerade zum ersten Mal das Gefühl, dass ich nicht alles, was mir das Leben vor die Füße knallt, mit einem achselzuckenden “Es wird schon seinen höheren Sinn haben!” hinnehmen muss, sondern dass ich Bedürfnisse und Wünsche haben darf. Wut über den eigenen Mangel empfinden und vehement für sich selbst Glück einfordern – gehört das nicht auch zur Selbstliebe?

            Aber ich wünsche uns beiden von ganzem Herzen, dass wir endlich auch die schönen Gefühle erleben dürfen!

            Alles Liebe,
            Doris

            • Kirstin says:

              Liebe Doris,

              ich glaub, ich verstehe, was Du meinst mit dem Einfordern. Das ist vielleicht noch sone Sache, deutlich seine eigenen Bedürfnisse zu artikulieren. Aber an wen denn bitteschön? Ans Universum? Da müßte man doch wieder gewisse Regeln beachten, daß man so tut, als hätte man es schon. Und dankbar dafür ist. Na bravo … 😉

              Ich hatte heute irgendwie so einen lichten Moment, wo mir mit einmal klar wurde, daß diese Depremiertheit, die ich jetzt schon seit Tagen rumschleppe, auch nur so schwer ist, weil ich sie so negativ bewerte. Hab mir gedacht, … und wenn ich das jetzt mal anders sehe … na, schon ließ der Druck nach. Und das war Glück.

              Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt noch daran glaube, hier glücklich sein zu können. Ich glaub, das kann ich erst sein, wenn ich mich nicht mehr getrennt fühle. Und das krieg ich dann, wenn ich nicht mehr trenne … oh meine Güte, ich klinge schon wie Ralph 😉 Das wollt ich bestimmt nicht. Aber es ist ja auch mein Weg, den er geht.

              Liebe Grüße von Kirstin

              • Verena says:

                Liebe Kirstin,

                ich glaube wirklich, dass das so ist. Dass unsere Bewertung der Dinge (wie bei dir die Bewertung der Depri) diesen Zustand noch einmal verstärkt.
                Cool, dass du das geschafft hast, zu unterbinden und sofort einen Effekt gespürt hast.

                Vreni

                • Kirstin says:

                  Danke Vreni, das mit dem Werten ist einerseits sooo einfach – aber andererseits auch sooo schwer. Und weißte was, es scheint, als sei die Depri der letzten Tage wirklich weg. So weg war sie nämlich die letzten Tage nicht. war immer mal wieder Erleichterung, aber so richtig weg eben nicht. Aber nu ist es schon fast leicht.

              • Doris says:

                Liebe Kirstin,

                das mit dem Einfordern… ich glaube, es ist völlig egal, an wen wir das richten: an Gott, ans Universum, an uns selbst oder an Kermit den Frosch. Letztlich ist doch alles dasselbe. Die Hauptsache ist, dass wir das Glück überhaupt eindeutig einfordern. Damit geben wir nämlich den Energien die gewünschte Richtung, um das Glück zu manifestieren.

                Und da habe ich, glaube ich, genau das gleiche Problem wie du: In meinem neulichen Seminar habe ich auch mal wieder gelernt, dass man beim Manifestieren von Wünschen und Zielen nicht nur denken und visualisieren soll, sondern vor allem die Freude darüber fühlen, das Gewünschte schon zu haben. Tja, und nun sitze ich wieder doof da und frage mich, wie ich ein Gefühl der Freude in mir erzeugen soll, wenn ich dieses Gefühl gar nicht kenne. *seufz*

                Ein weiteres Problem ist, dass in meinem Inneren eine immense Uneinheit herrscht: Da gibt es Stimmen, die das Glück wollen, und andere, die es sich im Unglück eingerichtet haben. Es gibt Stimmen, die gar nicht daran glauben, dass das Gefühl des Glücklichseins überhaupt existiert, und wieder andere, die zwar daran glauben, die aber überzeugt sind, dass ich das Glück nicht verdient habe. Und nochmal andere Stimmen behaupten steif und fest, dass meine Seele hier auf der Erde ist, um ausschließlich das Unglücklichsein zu erfahren. Kein Wunder also, dass bei diesem Chaos die Energien nicht wissen, was sie denn nun erschaffen sollen…

                Solange meine inneren Anteile alle durcheinander schreien und nicht miteinander kommunizieren, funktioniert irgendwie gar nichts. Nur leider habe ich keine Ahnung, wie ich das ändern soll. Dass man kein einheitliches Ich hat, scheint in all den Bestell- und Manifestationsanleitungen überhaupt nicht vorgesehen zu sein.

                Hm… aber jetzt frag ich mich gerade… vielleicht ist die Wut gar nicht der dümmste Weg ist, um die Energien in eine Richtung zu kanalisieren?

                Doris

                • Kirstin says:

                  Wut kann auch sehr kreativ sein, oder? Ist vielleicht eine sehr starke Macht. Vielleicht könntest Du ja auch mal einfach streiken?

                  Aber ich möchte doch nochmal zurück auf das Werten. Also, ich war die ganze Woche sehr traurig, so immer zum Nachmittag hin. Was hab ich getan? Hab mich mit anderen verglichen, mit dem “normalen” Leben da draußen. Hab mich so meilenweit entfernt davon gefühlt, eben, weil ich so traurig war und alles trübe gesehen hab. Dadurch wurd ich noch trüber. Und dann mit einmal, als ich mir sagte, das ist doch jetzt eigentlich völlig gleichgültig alles, könnte doch einfach loslassen, da wurde mir klar, ok, das ist jetzt nur eine mögliche Betrachtungsweise. Es gibt so viele andere. Und es war echt, als sei ich eine Milimeter-Dimension weiter gerückt, in der mit einmal ganz andere Betrachtungsweisen galten. Und da war meine Traurigkeit mit einmal gar nicht mehr da. Und ist auch noch nicht zurückgekehrt bis jetzt. Fühl mich sogar etwas frei. Ich hatte nämlich auch einfach keinen Bock mehr auf diesen ganzen Gefühlskram. Ist es vielleicht so, daß wir uns sogar immer wieder entscheiden – womöglich dafür??? Wär ja irre.

                  Dadurch, daß wir da nicht rauszukommen scheinen, werden wir so frustriert, daß wir immer denken, ach, geht ja sowieso wieder nach hinten los. Daß wir gar nix anderes mehr erwarten. Und eben diese Erwartungshaltung ist denn sozusagen unsere Bestellung ans Universum.

                  Wer weiß.

                  Liebe Grüße von Kirstin

              • Ralph says:

                “Das ist vielleicht noch sone Sache, deutlich seine eigenen Bedürfnisse zu artikulieren.”
                -> ganz genau! Wozu sind denn Gefühle da: Doch einzig und allein, um uns darauf aufmerksam zu machen, ob unsere Bedürfnisse befriedigt werden oder nicht. Das ist der Mechanismus der Natur: Über Gefühle wird das Handeln auf das ausgerichtet, was gebraucht wird … ist ja z.B. bei dem Gefühl des Hungers sehr einfach nachzuvollziehen – dahinter steckt das Bedürfnis nach Nahrung.

                “Aber an wen denn bitteschön?”
                -> das klingt jetzt vielleicht blöd: Na an sich selbst. Du bist doch alles, was ist. Aber darum geht es erst mal gar nicht. Und einfordern funktioniert sowieso nicht, nur bitten funktioniert … vielleicht. Daher kommt wohl auch das Beten (steht ja für bitten, wie mir mal jemand erklärt hat). Anderswo hab ich allerdings von zwei Arten von Gebeten gelesen: Bitt-Gebete und Dank-Gebete. Naja, zurück zum Thema.

                Mir war vielfach schon immens geholfen, wenn ich mir meiner Bedürfnisse endlich bewusst wurde. Eines meiner größten Probleme war, unangenehme Gefühle zu haben, wohl auch den Auslöser zu kennen (irgendein Ereignis, eine Situation), aber eben nicht die Ursache (das unerfüllte Bedürfnis). Und selbst wenn mir das Bedürfnis bekannt war … ich habe zu dieser Zeit diese Unterscheidung zwischen Auslöser und Ursache noch nicht gekannt, und habe daher den Auslöser für den Übeltäter gehalten … und dann meine Umgebung dazu angehalten, doch nach Möglichkeit solche Auslöser zu vermeiden. Kann mich noch gut daran erinnern (obwohl das jetzt sicher schon zwei oder gar drei Jahre her ist), wie ich meiner Frau gesagt habe: ‘Warum hast Du denn dieses/jenes gesagt/getan, Du weißt doch, dass mich das aus der Fassung bringt.’

                Diese Unterscheidung zwischen Auslöser und Ursache war ein immenser Segen für mich, auch wenn ich da anfangs ganz schön “dumm” aus der Wäsche geschaut habe, da ja die Ursache plötzlich in mir selbst liegen sollte. Naja, seither bin ich beinahe auf der Jagd nach solchen Auslösern, da sie mir helfen, mich noch besser selbst kennenzulernen.

                Vor etwa eineinhalb Jahren wurde dann mein Wunsch nach solchen Auslösern fast übererfüllt (man sollte immer vorsichtig mit dem sein, was man sich wünscht!!!). Lass mich das kurz näher ausführen.

                Im Dezember 2009 schrieb ich:
                „Solange wir uns vertrauen – wir uns selbst, und wir uns gegenseitig – ist ein ernsthaftes gegenseitiges Verletzen aus meiner Sicht ausgeschlossen. Ich sehe es eher als problematisch, wenn Du mir etwas nicht sagst / Dich verstellst / … um mich nicht zu verletzen – wenn mich etwas verletzt, dann ist es Zurückhaltung und Schweigen … daran habe ich noch am ehesten zu arbeiten.“

                Im August 2010 ist es dann genau dazu gekommen – die Kommunikation wurde abgebrochen mit der Aussage:
                „im Moment fühlt es sich für mich unfreiwillig an, da ich das Gefühl habe, dich zu verletzen, wenn ich sie (die Zuwendung) dir nicht zukommen lasse, aus welchen Gründen auch immer und ich möchte dich natürlich nicht verletzen.“

                Bezugnehmend auf meine Ausführungen im Dezember 2009 schrieb ich dann im Oktober 2010:
                „Spannend, was ich damals schon formuliert habe – genau da sind wir nun auch herausgekommen … jedenfalls kannst Du nicht behaupten, Du hättest es nicht gewusst … aber egal, da habe ich wenigstens etwas, woran ich arbeiten kann …“

                Worauf ich hinaus möchte, ist, dass ich dazumal meine Bedürfnisse personalisiert habe, also eine andere Person gedanklich mehr oder weniger verpflichtet habe, mir meine Bedürfnisse nach Offenheit und Intimität zu erfüllen. Dies hat diese Person, die diesbezüglich sehr feinfühlig ist, wahrgenommen, hat sich dadurch eingeengt gefühlt, da ihre Bedürfnisse nach Freiheit und Selbstbestimmung nicht mehr ausreicht befriedigt wurden – und hat sich in der Folge von mir zurückgezogen.

                Das war dann ein wirklich gutes Stück Arbeit für mich – Tolle hat mir da ein ganzes Stück weitergeholfen, z. B. mit seinen Aussagen:

                “What is called love is the deep seeded need of the ego.” (Was Liebe genannt wird, ist das tief verwurzelte Bedürfnis des Egos.)

                “That what you thought you need it for happiness will be added to you, including, perhaps, relationships, when you don’t need them anymore.” (Das, was Du dachtest dass Du es für Dein Glücklichsein benötigst, wird dir gegeben – einschließlich, vielleicht, Beziehungen – wenn Du sie nicht mehr benötigst. – hier zitiert Tolle Jesus)

                Diese Aussagen brennen wie Feuer, aber ich laufe davor nicht mehr weg – ich lasse alles verzehren von diesem Feuer, alles, was ich nicht bin.

                Und ich bin dieser Person – meiner scheuen Füchsin – unendlich dankbar, durfte ich doch durch sie so unglaublich viel über mich selbst lernen. Sie hat mir mein Herz gebrochen wie keine zweite – und doch wäre ich jederzeit bereit, es mir wieder brechen zu lassen.

                Ralph

                • Kirstin says:

                  Genau so ists, Ralph. Herz brechen – bin ich es doch jedes Mal selbst, die das tut. Ich kenne dieses Thema der Bedürfnisübertragung auch nur zu gut. Ja, auch ich empfinde den Unterschied zwischen Auslöser und Ursache als Befreiung. Ich muß niemandem mehr die Schuld geben, wie ich es früher immer getan hab. Endlich kann ich es selbst alles ändern, wenn ich es denn schaffe. Aber bin von niemandem mehr abhängig. Und ich weiß auch, was immer wieder dahinter steckt. Aber trotzdem tapp ich oft genug in meine eigene Falle.

          • Ralph says:

            Hi Kirstin,

            Du schreibst: “Alle Welt spricht von Liebe, Freude und Glück. Aber wie man dahin kommt, das steht selten dabei.”

            Hast Du schon mal darüber nachgedacht, ob das nicht alles eine Lüge ist (so in etwa wie, dass man in den Himmel kommt, wenn man immer schön artig ist)? Ist es nicht zumindest genau so wahrscheinlich, dass nur genau das gibt, was ist?

            Stelle Dir mal vor, was wäre, wenn es nur genau das gäbe, was ist. Keine Liebe, keine Freude und kein Glück jenseits von dem, was ist. Nichts – absolut nichts, was man in irgendeiner Zukunft erreichen könnte. Nur das JETZT und das HIER.

            Wenn ich das tue, dann spüre ich Leere, dann Weite, dann Freiheit … und dann stellt sich eine grenzenlose, bedingungslose Liebe ein – zu allem, was ist … und dann werde ich zu allem, was ist – dann bin ich Liebe, Freude und Glück.

            Wie sagte Gangaji so schön: “Das Einzige, was dich von der Erkenntnis der Wahrheit deiner selbst als ewige Stille trennt, ist ein Gedanke, der das Gegenteil behauptet.”

            Ralph

        • Ralph says:

          Hallo Doris,

          vielen Dank für Deine Antwort. Mir sind wieder ein paar Dinge durch den Kopf gegangen, als ich sie gelesen habe:

          * Gehst Du irgend einer Beschäftigung nach, die Deinen Körper fordert – zum Beispiel einer Sportart, oder auch Tanzen?

          * Deine Schilderung zu Deinen körperlichen Reaktionen auf Grenzüberschreitungen klingt, als ob Dein Körper sich wie ein autonomes System verhält, über das Du keine Kontrolle hast. Insbesondere verarbeitet dieses System auch Eingangsgrößen (Beobachtungen) mithilfe von Gefühlen, und leitet daraus Reaktionen ab, ohne dass Du darauf irgend einen Einfluss hast. Du nimmst nicht einmal wahr, was da passiert, sondern erkennst nur an den Reaktionen Deines Körpers, dass da irgendetwas passiert sein muss.

          * Diese Zersplitterung in Dir habe ich auch schon wahrgenommen. Du hast Sie hier sehr ausführlich geschildert. Du schreibst, dass diese einzelnen “Teammitglieder” nicht miteinander kommunizieren. Kannst Du – als Teamleiter – mit ihnen kommunizieren, z.B. sie fragen, was sie grad denken, fühlen oder wollen?

          * Hmm, das mit dem prophylaktischen “Nein” zu engeren Beziehungen habe ich noch nicht ganz verstanden. Was könnte denn im schlimmsten Fall passieren? Dein Körper reagiert, so wie Du es beschreibst. Und? Wo ist das Problem? Das ist nunmal seine Natur. Nichts Problematisches – bis da ein Gedanke kommt, der es als problematisch bezeichnet. Spricht doch nichts dagegen, sein Gegenüber entsprechen vorzuwarnen. Dann kann der oder die selbst enscheiden, ob er sich dem aussetzt oder nicht. Mich würde dieses Experiment durchaus reizen, und das sowohl aus Deiner Sicht wie auch aus der Sicht des sich Nähernden.

          * Ja, genau, solche Mechanismen kenne ich auch. Dass Traurigkeit und Sehnsucht in mir ein Grundmuster bilden, wurde mir urplötzlich bewusst – vorher hätte ich dazu keine Aussage treffen können. Ebenso verhielt es sich dann einige Zeit später mit der Zärtlichkeit.

          * “Alles ist eins” bezieht sich natürlich auf die innere Einheit. Wie wenig viele wirklich in sich eins sind, siehst Du doch recht schnell darin, wie getrennt sie sich von anderen wahrnehmen. Jede dieser sich-als-getrennt-Wahrnehmungen deutet auf eine Abspaltung im Inneren hin. Damit ist ganz klar: Du bist da kein Einzelfall. Vielmehr bist Du Dir dieser Abspaltungen – vielleicht auch aufgrund der extremen Ausprägung – viel mehr bewusst als so viele andere, die diese Trennung immer nur im Außen sehen, und von sich selbst meinen, sie seien ganz.

          * Ich frage mich grad, wie nah Deine Erfahrungen an dem sind, was ich von anderer Seite mal hörte – insbesondere von Jugendlichen: Das sich Ritzen oder sich Beißen, wenn Menschen in bestimmten Situationen ihr Körpergefühl verlieren. Da kann ich selbst nicht wirklich mitreden, da ich eigentlich nie ein Defizit hinsichtlich meiner Körperwahrnehmung verspürt habe (was ja nicht heißt, dass diese immer gut gewsen ist – mir hat einfach nichts gefehlt).

          Ralph

        • Doris says:

          Lieber Ralph,

          ich will einmal versuchen, deine Fragen zu beantworten:

          * Sport mache ich keinen; schon in der Schule habe ich den Sportunterricht oft intuitiv verweigert. Aber ich habe zu einem Beruf umgeschult, in dem ich körperlich arbeite, als Gärtnerin in einer großen Parkanlage. Und ich fahre jeden Tag 3 km (einfacher Weg) mit dem Fahrrad zur Arbeit. Körperliche Aktivitäten sind an sich kein Problem für mich und tun mir sogar gut, solange ich mir meines Körpers dabei nicht bewusst bin. Aber alles, was mit bewusster Körperwahrnehmung einhergeht – und das zu erreichen ist letztlich mein Ziel – ist bisher gescheitert. Ich habe da schon sehr viel ausprobiert. Die Atem-/Bewegungstherapie, die ich seit Dezember mache, scheint mir in ihrer außerordentlichen Behutsamkeit momentan am vielversprechendsten.

          * Richtig. Mein Körper reagiert autonom. Auch meine Gefühle entstehen meistens autonom in meinem Inneren, völlig unabhängig von dem, was gerade im Außen geschieht. Deshalb hilft es mir auch nicht viel, sie zu analysieren.

          * Wenn die Stimmen ruhig sind, ist schon so etwas wie ein Teamleiter im Club der inneren Stimmen vorhanden. Dann kann ich auch mit den einzelnen Stimmen reden. Aber sobald Emotionen und Bedürfnisse auftauchen, fangen die Stimmen an zu schreien, und dann ist keine Kommunikation mehr möglich. Die Stimme, die am lautesten schreit, übernimmt automatisch die Kontrolle. Ich als Doris bleibe zwar da, werde aber zur machtlosen Beobachterin degradiert.

          * Ja, wo ist das Problem? In therapeutischen Beziehungen ist es eigentlich keines mehr. Da kann ich mich gezielt diesen Grenzzuständen annähern, die Körperreaktionen zulassen und sie besser kennenlernen. Aber im Alltag funktioniert das so nicht, weil die Menschen üblicherweise schlichtweg überfordert sind – auch mit Vorwarnung. Und ich will das auch gar nicht. Meine Alltagskontakte sind mir zu wichtig, um sie zum Experimentierfeld für meine Grenzbereiche zu machen. Dort will ich frei von meinen “Zuständen” sein und andere Anteile von mir leben, die ich ja auch besitze.
          Über meine Gefühle zu reden und zu schreiben, nachdem sie vorbei sind, ist kein Problem. Aber in dem Moment, wo Gefühle tatsächlich vorhanden sind, setzt eben sofort der Rückzug ein und Doris verschwindet. Selbst erfahrene Therapeuten habe ich schon als total überfordert mit meinen Rückzugmechanismen erlebt. In der Klinik gab’s dann entweder Medikamente oder aber es wurde versucht, mir mit Erziehungsmaßnahmen mein “Fehlverhalten” abzutrainieren. Jemanden zu finden, der das aushält und mit mir zusammen erforscht, anstatt es bloß als behandlungswürdige Störung abzutun, ist echte Glückssache. Aber weißt du, was ich glaube: du wärst vielleicht jemand, mit dem solche Experimente möglich wären. 🙂

          * Natürlich bin ich kein Einzelfall. Dass ich mir im Unterschied zu vielen Menschen meiner inneren Spaltung bewusst bin und sie objektiv beobachten kann, finde ich eigentlich total spannend. Abgründiges und Grenzbereiche aller Art haben mich schon immer sehr fasziniert. Wer weiß, vielleicht hat meine Seele sich ja genau deswegen diese extreme Ausprägung erschaffen, weil sie das, was sonst oft unbewusst bleibt, bewusst erfahren und erforschen will? Um es noch weiter zu treiben, hätte ich mir natürlich auch gleich eine Multiple Persönlichkeitsstörung aussuchen können. Da wäre die Spaltung noch extremer gewesen. Allerdings fehlt bei der MPS oft komplett der unabhängige Beobachter, und der ist mir doch sehr wichtig. Im Grunde finde ich meine Art des Seins eine äußerst spannende Sache. Trotzdem bin ich jetzt an einem Punkt angelangt, wo ich es satt habe, das Thema einseitig vom Negativpol her zu erforschen.

          * Die Erfahrung der Selbstverletzung (Ritzen) ist mir aus eigenem Erleben sehr vertraut und hat mir im Nachhinein betrachtet viele wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen geliefert. Die Selbstverletzung hat sehr viele Aspekte. Die Wahrnehmung der eigenen Körpergrenzen über Schmerz ist nur ein Teil davon.

          Sorry @ all, vor allem @ Kirstin, wenn wir hier immer mehr vom Thema abkommen. Ich freue mich halt immer, wenn ich jemanden finde, der meine Faszination für solche Dinge teilt, und neige dann dazu, zu viel zu schreiben. Sollte es den Rahmen oder die Absichten dieses Blogs zu sehr sprengen, bitte Bescheid sagen. Bestimmt können Ralph und ich uns auch per E-Mail weiter unterhalten.

          Herzlichst,
          Doris

    • Kirstin says:

      Liebe Doris,

      schön, Dich wieder zu lesen.

      Mir fällt etwas zu Deinem letzten Absatzein. Du schreibst, Du bist traurig über Deine Defizite. Vielleicht ist es aber genau das, was Du wolltest? Die Trennung erleben? Weißt Du, Du hast mir so viel voraus, das denk ich ja schon, seit ich Dich kenne. Du weißt um die Verbindung mit allem, was ist. Du weißt um die Illusion der Trennung. Aber vielleicht wolltest Du es einfach mal fühlen? Wenn das nun so wäre, denn hättest Du doch Deinen “Plan” mehr als erfüllt. 🙂

      Ich kenn das ja auch: Da werte ich meine eigenen Gefühle in “gut” und “schlecht”. Und das vermeintliche schlechte möchte man einfach nur weghaben. Aber wer weiß, wie die Seele dies empfindet. Wer niemals Trennung gefühlt hat,. der kann vielleicht das Verbundensein auch nicht schätzen.

      Liebe Grüße von Kirstin

      • Doris says:

        Liebe Kirstin,

        ja, du hast ganz bestimmt recht: ich wollte das alles fühlen. Das sehe ich auch so.

        Nur habe ich das jetzt über 40 Jahre lang gefühlt. Reicht das denn nicht??? Kann ich jetzt nicht auch mal die andere Seite fühlen???

        Es ist jedesmal das Gleiche: Immer wenn ich das Gefühl habe, endlich voranzukommen auf dem Weg in meinen Körper und ins Leben, dann zieht es mich plötzlich wieder ganz extrem zurück ins Alte. Immer wenn ich glaube, endlich ein Fundament aufgebaut zu haben, stürzt alles wieder in sich zusammen.

        Was soll mir das sagen? Dass das Gefühl der Freude in diesem Leben für mich nicht vorgesehen ist? Dass ich noch nicht genug Trennung erlebt habe? Dass ich meinen Plan noch nicht erfüllt habe? Dass ich nochmal 40 oder mehr Jahre so weitermachen muss? Ich weiß nicht, ob ich die Kraft dazu habe…

        Wenn es doch mein Plan war, für den ich mich entschieden habe, warum kann ich mich dann jetzt nicht neu entscheiden? Ich habe es immer wieder versucht. Auch verschiedene Heiler haben sich schon mit verschiedenen Methoden daran versucht, meine innere Entscheidung umzuprogrammieren. Doch es scheint einfach nicht zu funktionieren. Ich frage mich: Was bedeutet das? Soll es vielleicht (noch) nicht sein? Soll ich mein Leben gar nicht selbst gestalten? Ist stattdessen Hingabe von mir gefordert? In welchem größeren Zusammenhang steht mein Seelenplan? Ich glaube, ich könnte das Leben leichter ertragen, wenn ich wüsste, welchen Sinn es hat. Aber nicht einmal das hat mir bisher jemand gesagt. 😦

        Traurige Grüße,
        Doris

        • Kirstin says:

          Liebe traurige Doris,

          wie gut ich das nachvollziehen kann. Ich glaub auch, in dem Leben, das ich bisher geführt habe, war das Glück nicht vorgesehen für mich. Ich weiß ja gar nicht wirklich, was das ist. Aber eins weiß ich: Daß wir grundsätzlich alle die Fähigkeit dazu haben.

          Und entschieden hab ich mich vor einiger Zeit wirklich. Hab gesagt, will alles, was war, nicht mehr so weitermachen. Mich nicht mehr auspowern um irgendwas erreichen zu wollen. Ich streike einfach. Solln sie mich holen kommen oder mir einfach helfen. Mir ist es gleich. Na ja, und ich muß sagen, seitdem geht es oft viel leichter.

          Viele liebe Grüße von Kirstin

  5. Verena says:

    Liebe Kirstin,

    ich tu mir mit meinem Körper immer noch sehr schwer…mit dem Annehmen gehts…aber LIEBEN? PUH….

    Was in jedem Fall schon besser geworden ist, ist mein Gefühl zu mir selbst allgemein und zu meinem Verhalten. Ich zerreisse mich nicht mehr so in der Luft.
    Ich zermartere mir nicht mehr so den Kopf, was in einer Situation wohl “daneben gewesen” sein könnte…
    Wenn ich zuhause bewusst die senkrechte Atmung partiziere, sind solche Gedanken völlig ausserhalb meiner Wahrnehmung. Da schaffe ich es, mich selbst uneingeschränkt zu lieben…dann bin ich die Liebe….dann fühle ich zumindest so, wie ich mir den Zustand der Liebe vorstelle…
    LACH
    Drück dich…und jeden anderen, der will auch!!!

    Vreni

    • Kirstin says:

      Liebe Vreni,

      Atmung … daran hab ich überhaupt nicht mehr gedacht. Klar, da bin ich auch ganz schnell in einem wundervollen Zustand. Danke fürs erinnern. 🙂

      Drück Dich auch. Liebe Grüße von Kirstin

  6. Liebe Kirstin,

    mir spricht ein Teil aus dem berühmten Selbstliebe-Gedicht von Charlie Chaplin aus der Seele:

    “Als ich mich wirklich
    selbst zu lieben begann,
    habe ich mich von allem befreit
    was nicht gesund für mich war,
    von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
    und von allem, das mich immer wieder hinunterzog,
    weg von mir selbst.
    Anfangs nannte ich das “gesunden Egoismus”,
    aber heute weiß ich, das ist “Selbstliebe”.”

    Herzliche Grüße
    Johanna

  7. Hallo,
    meine Frau Anita hat vor vielen Jahren, das Gedicht Liebe Dich geschrieben, welches mich sofort faszinierte und mich von da an den Weg der Selbstliebe beschreiten liess.
    Vielleicht gefällt es Dir Kirstin.
    Liebe Grüße
    Frank Vejvoda

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