Spielen wir nicht jeden Tag Karneval?

Jetzt sind sie da – fast überall – die „närrischen Tage“. Wo man hinhört oder hinliest, es taucht das Wort Karneval auf. Auch das Fernsehen trägt dem Rechnung. Jeden Tag kann man auch dort in den Karneval reinschnuppern. Und auch, wenn man wie ich im Norden wohnt, kann man so schon als Zaungast etwas davon mitkriegen, wenn man denn möchte. Obwohl der Karneval ja mittlerweile auch in anderen Bundesländern als den sogenannten Hochburgen Einzug gehalten hat. Zwar oft sehr verhalten – aber immerhin – ein Stadt-Prinzenpaar haben selbst wir 😉

Nun ging mir heute so durch den Kopf: Spielen wir das nicht eigentlich jeden Tag? In unserem sogenannten „normalen“ Leben.

Was ist denn Karneval? Aus meiner Sicht eine Zeit, wo der Mensch sich Masken aufsetzt. Oder wo der Mensch zu einer bestimmten Zeit anders ist, als sonst – als „normal“. Hier im Karneval ist es ja eher so, daß oftmals alle Grenzen fallen. Daß überall mal ein Auge zugedrückt wird – es ist ja immerhin Karneval. Daß mit einmal Dinge möglich sind, die sonst undenkbar scheinen.

Und wie heißt es so schön: Am Aschermittwoch ist alles vorbei! Tja, da hat einen der Alltag wieder. Da heißt es dann, sich wieder einfügen bis zum nächsten Jahr. Oder zumindest bis zur Weihnachtszeit und Sylvester, wo ja auch durchaus schon die üblichen Zügel locker gelassen werden.

Und wenn ich jetzt noch weiter denke. Was machen wir Menschen hier jeden Tag? Eigentlich – und da nickt jeder immer ganz brav – sind wir doch alle spirituelle Wesen, die hier einfach eine menschliche Erfahrung machen. Vielleicht ähnlich wie die Jecken in der 5. Jahreszeit? 😉 Wir sind damals vor Äonen auch losmarschiert, haben uns Kostüme angepasst und spielen seitdem hier unsere Rollen. Jedes Mal wieder eine andere – manchmal vielleicht auch mehrere pro Inkarnation.

Aber wie spielen wir sie denn. Haben wir eigentlich in irgendeiner Weise Freude und Spaß oder sogar Glück? Ja, klar, werden jetzt viele sofort sagen: „Doch, wenn ich nach Feierabend oder am Wochenende in meinem Garten bin, denn hab ich Freude.“ Oder „Doch, sicher, wenn ich im Urlaub in ferne Länder reisen kann, das macht mir viel Freude.“

Alles ganz toll, aber warum nur nach Feierabend, am Wochende oder im Urlaub. Wo bleibt der Rest des Jahres. Was machen wir da. Wie fremdbestimmt durch die Gesellschaft sind wir, daß wir jeden Tag eigentlich doch nur aufstehen, weil wir eben aufstehen müssen, um den Tag zu beginnen. Und wo wir weiterhin kräftig arbeiten müssen, um eben diesen Tag wieder zu überstehen, bis endlich Feierabend und später endlich die Zeit zum schlafen ist.

Und da verbringen wir unsere Tage eben mit unseren selbst gewählten Masken. Wir trennen, distanzieren uns, wir bekämpfen uns gegenseitig, wenn unser Ego meint, es müsse jetzt sein. Wir wenden uns voneinander ab, wir schweigen. Nur eines tun wir nicht: Wir reden nicht und zeigen einander nicht unsere wahren Gefühle. Wenden wir uns nicht damit auch von uns selbst ab? Wie groß ist bloß unsere Angst vor uns selbst, dem anderen und vielleicht auch dem Leben! Stellen wir uns doch diesen Ängsten, schauen wir sie uns an.

Ich selbst hab wirklich liebe Menschen um mich herum. Aber auch mir fällt es manchmal schwer, alle Gefühle zu zeigen. Mit einer Freundin geh ich allerdings täglich wirklich durch dick und dünn, durch Freud und Leid. Und ich merke, wie schön und heilsam das ist. Und egal, ob wir zusammen lachen oder weinen, hinterher hat jede von uns mehr, als sie vorher hatte.

Ich möchte mal eine Idee versuchen: Wie wäre es, wenn wir jetzt jeder sofort gedanklich die Arme und das Herz aufmachen für mindestens zwei Menschen. Für sich selbst und noch einen anderen (dürfen natürlich auch gerne mehr sein 😉 ) Und vielleicht sogar für einen Menschen, vor dem man vorher vielleicht Angst gehabt hat. Wenn das jeder machen würde, wäre es dann nicht ganz schnell so, daß keiner mehr allein ist?

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About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
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3 Responses to Spielen wir nicht jeden Tag Karneval?

  1. LIebe Kirstin, deine Idee ist prima, ich mache gleich mit!
    Ich spüre gerade bei deinem Artikel, wie dankbar ich bin, dass es mir in Zusammensein mit etlichen Menschen möglich ist, ungeschminkt zu sein, wie ich mich fühle. Nicht immer und überall und leider ist es mir manchmal auch in Beziehungen schwer, ganz offen zu sein, wo ich mir anderes wünschen würde, aber insgesamt und vor allem auch mir selbst gegenüber bin ich soweit es mir bewusst ist, ziemlich ehrlich so wie ich bin. Das macht in mir gerade ein intensives Dankbarkeitsgefühl.
    Aber cih denke auch, wenn wir “Masken” anlegen – inzwischen nicht mehr, dass das Masken sind, sondern einfach Teile und Aspekte von uns, die in bestimmten Situationen eben für uns notwendig sind.
    “Wir sind viele” – hat mal jemand gesagt (weiß leider nciht mehr wer).
    Ganz herzlich grüße ich dich und all die vielen in dir!
    MarIna (und all die vielen in mir)

  2. Angelika says:

    Liebe Kirstin,
    bin begeistert dabei und es kommt so überraschendes dabei heraus, wow, wildfremde Menschen sogar die sich plötzlich öffnen und zu strahen beginnen 🙂 viele Knuddis an dich 🙂

  3. Olaf says:

    Liebe Kirstinb,
    tolle Idee….ich hab da auch mehere im Sinn……und einen vor dem ich auch eher Angst hab. Ich mach mein Herz jetzt ganz weit auf!!! Ganz lieben Dank für diese liebevolle Anregung 😀 😀 😀 Toller Artikel.
    Alles Liebe,
    Olaf

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