Lifestylen

von Cali

Liebste Leser, <— (das /innen lasse ich weg, davon halte ich nämlich nichts. Dazu später einmal mehr.)

Foto von Ralf

Lifestylen gehört zu den Grundbedürfnissen des zeitgenössischen Menschen in unseren Breitengraden. Generell überall dort, wo es nicht mehr um das blanke Überleben geht ist die optimale “Lebensart” zum Mittelpunkt unseres Begehrens geworden.  Sowohl der Weg dorthin, als auch das konkrete Ziel sind ganz unterschiedlich, zumindest auf den ersten Blick.

Erfolgreich, bequem, erfüllend soll unser Leben sein, darum “stylen” wir es. Als gingen wir zum Friseur, beschnippeln wir unser Leben durch Handlungsweisen. Der lang ausgetüfftelte Kleidungsstil gehört genauso dazu, wie die Berufswahl. Eigentlich wollen wir uns treu bleiben und uns als Individuum betonen, aber ohne den Blick auf den Anderen geht es irgendwie auch nicht. Denn nichts wird mehr gefürchtet als die Überlegenheit des Mitmenschen.

Nur wenn wir unserer Umwelt Glauben machen, dass wir total glücklich sind und unser Life genauso stylen wie wir das schon immer wollten, ohne Schwächen oder Fehlentscheidungen eingestehen zu müssen, sind wir sicher nicht den Anschluss zu verlieren. Doch was genau würde das heißen? Könnte man das nicht überleben?

Es ist eine unbeschreiblich wertvolle Sache, dass wir heute zumindest in größerem Umfang als je zuvor unser Leben gestaltet können, wie wir uns das wünschen. Leider fehlt das Verständnis dafür, was das bedeutet und was es nicht bedeutet gänzlich. Denn es heißt nicht, dass uns diese beinah Grenzenlosigkeit zwingt immer unzufrieden zu bleiben. Es heißt nicht, dass das umwerfende Kleid eine Prinzessin aus mir macht, wenn ich es nicht auch splitterfaser nackt bin. Es heißt nicht, dass wir ununterbrochen um den richtigen Lebensweg konkurrieren müssen. Denn den gibt es schlicht nicht. Und es heißt nicht, dass ein Kampf um Individualität und Identität entbrennnen darf, der beides auslöschen wird. Es bedeutet nicht sich durch unästhetisch große Sonnenbrillen, dicke Autos oder den Neuseelandaufenthalt zu profilieren.

Vielmehr haben wir die Chance erhalten uns endlich gegenseitig anzuvertrauen und das Theater zu beenden. Wir könnten uns wahrhaftig kennenlernen und in dem Anderen uns selbst erkennen. Sozialer Status, Herkunft und Geschlecht sind keine Hindernisse mehr, um uns gegenseitig immer und immer wieder wertzuschätzen. Doch dafür müssen wir nicht stylen, sondern uns offenbaren. Die Fassade fallen lassen und uns hinter die Kulisse gucken lassen.

Das erfordert noch sehr viel Mut, aber es lohnt sich. Jeder sehnt sich danach, er selbst sein zu dürfen. Keine Lust auf Neuseeland zu haben, sondern auf Hintermühle, Haare an Stellen zu haben, wo es schon längst nicht mehr die Normalität ist, ist okay und bei Star Bucks unendlich viel Zucker und Milch in den Pott zu schütten, weil man eigentlich gar keinen Kaffee trinkt, hilft niemandem, außer denen, die vom “Lifestylen” leben.

Auf bald,

eure Cali

http://calichino.wordpress.com/

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16 Responses to Lifestylen

  1. Ralph says:

    Hallo Prinzessin,

    kennst Du den Begriff Bromberrbums?
    -> http://www.sprachnudel.de/woerterbuch/brombeerbums

    Ich kenne nichts anderes, und habe auch nicht das Bedürfnis, etwas anderes kennenzulernen (was nicht heißt, dass ich die Erfahrung ablehen würde ;-)).

    Die Haare wachsen da ja nicht ohne Grund ….

    Wenn ich Deinen Beitrag lese, dann fühle ich mich angeregt und erfrischt, ich fühle Freude und Herzenswärme in meiner Brust, weil mir Abwechslung, Aufrichtigkeit und Authentizität wichtig sind.

    Danke, dass es Dich gibt – Danke für Deinen Beitrag!

    Ich schick Dir einen Knuddler …
    Ralph

  2. Kirstin says:

    Danke liebe Cali, für Deine frische, ehrliche Sicht der Dinge. Und daß Du sie mit uns teilst. Bin immer wieder beeindruckt davon.Ja, ich sehe es auch so, jeder sollte so sein dürfen, wie er es möchte.

    Liebe Grüße von Kirstin

    • buddha4u says:

      Ja, ganz meine Meinung … jeder soll machen was er will, allerdings sollte man sich sicher sein, was man wirklich will….. nicht, was man glaubt zu wollen…. oder jemand anderes von einem will…..Mama, Papa, Arbeitgeber…. gute Freunde…. die Gesellschaft…. etc. etc.
      Willensbewußt zu sein funktioniert über Selbstbewußtsein…. und das ist es!
      Das wiederum häng mit Verantwortung zusammen…. zu lesen in meinem Blog.
      liebe Grüsse aus Thailand

  3. buddha4u says:

    Grundsätzlich gefällt mir der Artikel sehr gut, allerdings das Thema mit den Haaren….. naja ist eben ein haariges Thema…. und meine Milch trinke ich gerne mit Kaffee und Zucker, weil ichs genau so mag….. ich mag ein klein wenig Kaffee in meiner Milch… wegen dem Geruch und dem Aroma…. ein klein wenig bitter….. so wie das Leben eben auch manchmal ist. Zuviel davon wäre mir unangenehm… aber ganz ohne wäre es mir auch irgendwie langweilig… nehme ich jedenfalls an.

    • calichino says:

      Kein Grund zur Rechtfertigung. Ich trinke den Kaffee ähnlich, eben genau weil ich ihn so mag. Darum geht es ja, es einfach zu machen und zu lassen, wie ma möchte.

      • calichino says:

        “man”…ich mag Tippfehler nicht. =)

        • Ralph says:

          mach Dir nichts daraus – hab mich ja auch an ganz exponierter Stelle vertippt … ist irgendwie menschlich …

          Ich mag meine Tippfehler zwischenzeitlich ganz gern … haben ja auch ihren Sinn. Vermutlich bekomme ich so lange Tippfehler, bis ich gelernt habe, sie bedingungslos zu lieben. 🙂

          • buddha4u says:

            Nicht alles auf der Welt hat einen Sinn. Nicht umsonst gibt es das Wort Unsinn.
            Ich halte das für einen Trugschluss. Genauso wenig wie man Tippfehler bekommt. Man macht sie! Man muss auch nicht alles bedingungslos lieben oder damit übereinstimmen.
            —- diesen Kommentar bitte nicht persönlich nehmen…. er ist alleine auf deinen Text gemünzt und nicht auf Deine Person. Gaaaanz liebe Grüße aus Thailand.

        • buddha4u says:

          ich auch nicht ;-), darum versuche ich das immer mehr und mehr sein zu lassen.
          Und als nächstes Ziel….. versuche ich meine Texte verständlicher zu machen. Also Fachbegriffe wenn möglich zu unterlassen….. naja…. Kiss eben. Keep it short and simple

      • buddha4u says:

        Ja, ganz meine Meinung … jeder soll machen was er will, allerdings sollte man sich sicher sein, was man wirklich will….. nicht, was man glaubt zu wollen…. oder jemand anderes von einem will…..Mama, Papa, Arbeitgeber…. gute Freunde…. die Gesellschaft…. etc. etc.
        Willensbewußt zu sein funktioniert über Selbstbewußtsein…. und das ist es!
        Das wiederum häng mit Verantwortung zusammen…. zu lesen in meinem Blog.

      • buddha4u says:

        Was ich noch vergaß, meine Kommentare sind keine Rechtfertigungen sondern ein Ausdruck meiner Meinung. Sie haben erheben keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit.
        (darf jederzeit gerne mit meinem Namen zitiert werden) breitgrins….. ist doch nett formuliert

        • Ralph says:

          Hi!

          Hast Du schon mal darüber meditiert, wer Du ohne Deine Meinung wärst?

          Und nein: Ich habe keine Meinung dazu, ob man eine Meinung haben sollte oder nicht. 🙂

          Ralph

  4. G. Mara G. says:

    Du Cali, das mit den /Innen – mag ich auch nicht, was für eine komische neue Sitte … da mach ich nicht mit. Ich hab mich schon des öfteren erwischt, etwas SO geschrieben zu haben, finde es dann aber so daneben, dass ich es wieder verändert habe.
    Zu deinem Thema habe ich vorgestern einen Film gesehen … Kleine Wahre Lügen … http://www.youtube.com/watch?v=bFP2qsV92CU … da gehts auch zuerst mal heftig am Wahrhaftigen vorbei.
    Wie hast du das mit der Prinzessin gemeint? Ich glaube, wenn die Ausstrahlung stimmt – wenn frau sich innen wie eine Prinzessin fühlt, dann strahlt sie das ja auch nach aussen – dann biste auch ne Prinzessin in Jeans … egal welche Konfektionsgröße, unabhängig vom kollektiv diktierten “SchönheitsIdeal”. 😉
    Was den Kleidungsstil betrifft, mir begegnen viele Menschen, Frauen vor allem, die sehr harmonisch gekleidet sind, und ich frag mich oft, wo sie ihre schöne Kleidung herbekommen. Es ist sicher eine Frage des eigenen Geschmacks und Geschicks, sich so zu kleiden dass es wirklich, auch wenn es total weit ist, wie eine zweite Haut wirkt. 😉 Ich habe für mich http://www.deerberg.de/index.html entdeckt und mir einige wenige wunderschöne Teile zugelegt. Meine restliche Garderobe habe ich beiseite geschoben … so habe ich nicht mehr dieses ewige Problem “was zieh ich an” – welches aber nix mit Anpassung an den Kleidungsstil anderer Menschen zu tun hatte, sondern mit “viel zu viel Krempel” im Kleiderschrank, und daraus resultierender Unschlüssigkeit.;-)
    Und das mit den Haaren … ist irgendwann mal “eingeführt worden” von renomierten RasierGeräteHerstellern wahrscheinlich.;-)
    Danke für deinen Artikel und liebe Grüße in den rosigen Montag
    Mara ❤

  5. calichino says:

    Genau so! ist das mit der Prinzessin gemeint! So wie du es beschrieben hast. Ich wollte damit sagen, dass kein Kleid der Welt, kein Schmuck oder Accessoire uns ein hohes Selbstwertgefühl verleihen wird, obwohl viele das annehmen, wenn wir uns nicht immer! derartig fühlen. Auch im Kartoffelsack.
    Und zu den Haaren =): Keiner soll sich dafür rechtfertigen, dass er rasiert oder nicht…=D Es ging mir darum eine Lanze dafür zu brechen, dass jeder es so machen kann, wie er möchte, ohne dass er dafür im Fitnessstudio belächelt oder im Schwimmbad doof angeguckt werden sollte.

    Euch auch einen schönen, in Berlin mal wieder sonnigen, Montag!

    • buddha4u says:

      ….. wenn mich einer belächelt dann freue ich mich und lächele zurück. Das ist doch die schönste Art seine Zähne zu zeigen….. breitgrins…. einen schönen Tag aus Thailand

  6. Angelika says:

    Es braucht Mut und den hast du, guter wahrer Text liebe Cali, ich freue mich darüber,
    beste Grüße und weiter so :))))

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