Bin ich denn wirklich gut genug?

Foto von Ralf

Anlaß für diesen Text ist ein Ausschnitt von der Trauerfeier vom Samstag für Whitney Houston, den ich grad gesehen hab. Es wurde ja viel erwähnt, daß sie unter großen Selbstzweifeln litt. Ja, daß sie immer wieder zu Drogen griff und diese Beziehung zu ihrem Ex-Mann einging, weil sie diese Ängste einfach nicht in den Griff bekam.

Ich muß ehrlich sagen, ich hab das jetzt erst so richtig wahrgenommen. Und es hat mich sehr berührt. Bin ich doch – seit ich denken kann – selbst so voller Selbstzweifel und Versagensängsten. Einfach nicht gut genug zu sein. Ja, selbst bis heute, wo ich schon ein paar Jahre auf dem spirituellen Weg bin.

Ich hab einfach mit ihr mitgefühlt, als ich das jetzt so gesehen hab im Fernsehen. Hab ich doch selbst ein Chaos-Leben hinter mir. Ok, ich hab nie Tabletten oder Drogen genommen. Aber Alkohol hab ich auch missbraucht für eine kurze Zeit. Jahrzehntelange Nikotinabhängigkeit. Und Süßkram – vorzugsweise Schokolade. Na ja, und von meinem völlig chaotischen Beziehungsleben in der Vergangenheit gar nicht zu reden.

Hab mir gedacht, wenn selbst so ein Mensch, der so berühmt, bekannt und beliebt war, der so großartig singen konnte, wie ich finde – wenn selbst so ein Mensch bis zum Schluß unter Selbstzweifeln und Ängsten litt, denn bin ich ja vielleicht gar nicht so ein Versager, daß ich diese Selbstzweifel nur so schwer in den Griff bekomme.

Ich mache bei diesem Kult um sie nicht mit. Sie war ja genau so ein Mensch wie jeder andere auch. Aber ich mochte sie einfach sehr. Als Sängerin und auch als Schauspielerin. Ihre Musik hat mir so sehr gefallen. Und vielleicht hat es ja einen Sinn gehabt, was sie uns gezeigt hat. Daß es jeden treffen kann, das mit den Selbstzweifeln und Ängsten. Und daß wir uns deswegen nicht schlecht fühlen müssen.

Und wenn ich jetzt so auf sie schaue, wie sehr ich sie mochte, denn wird mir doch wieder bewusst, wie unterschiedlich die Sichtweisen sein können. Und daß es eben nur ihre persönliche Sichtweise war. Wahrscheinlich hat man es ihr hunderttausendmal gesagt, daß sie gut ist – aber glauben konnte sie es nicht. Das kann ich gut verstehen.

Aber vielleicht kann ich das ja auf mich anwenden. Vielleicht kann ich das zum Anlaß nehmen, auch meine Sichtweise auf mich selbst zu überprüfen und zu verändern. Vielleicht bin ich ja auch gut genug, so, wie ich bin. Gibt es nicht den Spruch: Wenn Gott mich anders hätte haben wollen, hätt er mich anders gemacht?

Ja – Stichwort Gott: Bei dieser Trauerfeier, da hat Kevin Kostner auch eine Rede gehalten. Zum Schluß sagte er etwas mit Tränen in der Stimme, das mir ebenfalls die Tränen laufen ließ. Ich fasse mal zusammen aus der Erinnerung.

„Whitney, da gehst du nun hin. Begleitet von Heerscharen von Engeln. Und wenn du nun vor Gott stehst und singst, glaub mir: Du wirst gut genug sein.“

Ich nehme mir diesen Satz zu Herzen – danke schön! Ich singe zwar nicht, aber vielleicht bin ich ja auch gut genug für Papa Gott.

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About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
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11 Responses to Bin ich denn wirklich gut genug?

  1. Ralph says:

    Hallo Kirstin, alle,

    Selbstzweifel und Ängste sind menschlich. Egal was Du hast oder nicht hast, bist oder nicht bist – sie begleiten Dich ein Leben lang. Denn sie haben einen Sinn! Du schreibst es ja selbst: Es geht darum, die Sichtweise auf sich selbst immer wieder zu hinterfragen … bis zu der Frage: Wer oder was man eigentlich ist.

    Ich habe jüngst geschrieben, ich hätte keine Angst mehr. Zwischenzeitlich ist mir bewusst geworden, dass es da doch gelegentlich immer noch eine Angst gibt: Die Angst, einen anderen zu verletzen. Und daraus resultieren auch immer noch Vermeidungsstrategien. Und das, wo ich doch weiß, dass ich nur mich selbst verletzen kann – dass ich nur für meine eigenen Gefühle verantwortlich bin. Um diese Situation zu transzendieren, arbeite ich mehrgleisig:
    – Ich suche die Begegnung, um mich immer wieder neu zu spiegeln, um noch weitere Facetten meiner selbst besser zu erkennen, bin quasi immer noch auf der Suche nach schwarzen Flecken in mir.
    – Ich suche die Begegnung, um umgekehrt anderen ihre schwarzen Flecken zu zeigen, den Finger dahin zu legen, wo ich instinktiv Wunden wahrnehme, die mein Gegenüber verdrängt hat.
    – Ich suche die Stille, um die Reflexionen aus all den Begegnungen wirken zu lassen – die vielfältigen Brechungen in mir … sehe mich dann wie einen Diamant, in dem das eingefallene Licht sich immer wieder bricht und spiegelt.

    Diese Suche ist nicht die Suche nach irgendetwas in der Zukunft. Diese Art der Suche (mir fällt da grad kein anderes Wort ein) passiert im Jetzt und Hier. Ich bin bereits vollkommen, ganz, eins … letztlich geht es nur darum, genau das immer wieder neu zu erfahren.

    Das Problem, das Whitney und so viele andere ins Straucheln brachte und noch immer bringt, sind ja nicht de Gefühle von Angst und Selbstzweifel. Das Problem ist, diese Dinge nicht annehmen zu wollen, sondern Widerstand zu leisten oder die Flucht davor anzutreten. Und genau das funktioniert eben nicht: Kämpft man gegen diese Gefühle, kämpft man gegen sich selbst – Läuft man vor diesen Gefühlen davon, läuft man vor sich selbst davon.

    Ralph

  2. Rainer says:

    Hallo,

    es ist manchmal nicht einfach, manchmal schier unmöglich Frieden zu finden.
    Die große Frage:”bin ich gut genug???”

    Ich arbeite seit fast 30 Jahren in einem kleinen Einzelhandel, Verkauf, Werkstatt, Service…..
    Ich bin gut…… Ich bin sogar sehr gut…….

    …..und wie oft stehe ich früh morgends vor der Pinwand mit den Werkstattaufträgen die mein Revier sind und es trifft mich quasi der Schlag, nur noch ein Gedanke rauscht durch:

    “DAS schaffst du nie !!!”
    Dabei weiß ich genau das alles gut werden wird, wie fast immmer. Selten das es da Pannen gibt.
    Ich nehme mir dann einige Minuten Zeit, sortiere erstmal, mache einen Plan und versuche etwas Ruhe zu schaffen. Klingt einfach, ist es aber oft nicht.
    Ich bin nur ein ganz kleiner “Star” an den Erwartungen gestellt werden, der von sich selbst viel erwartet.
    Was mag in jemand wie Whitney oder zB Michael Jackson vorgehen? Der beständige Druck von aussen, die eigenen Ansprüche an Perfektion ?

    Whitney und viele andere werden wohl erst Frieden und Glück finden wenn sie bei IHm sind, ich wünsche es ihnen…….

  3. Liebe Kirstin, ich finde deine Selbstehrlichkeit ganz, ganz toll.
    Ich habe auch manchmal Selbstzweifel oder Dinge, die mich an mir stören. Erst habe ich versucht, das zu verdrängen, dann es “wegzutrainieren”, Selbstwerttraining usw.
    Jetzt sag ich mir, wozu etwas weghaben wollen, was doch ein Teil von mir ist? Ohne diese Zweifel oder gelegentlichen Ängste wäre ich nicht die, die ich bin.
    Und seitdem mag ich mich trotz – nein, es muss heißen gerade wegen – meiner kleinen oder größeren Unperfektheiten immer mehr.

    Und das wünsch ich dir auch. Dass du dich magst, so wie du bist.

    Liebe Grüße
    Johanna

  4. Angela says:

    Liebe Kirstin,
    SUPER Zeilen – Du bist Klasse!

    Alles Liebe
    Angela

  5. Brigitte says:

    Liebe Kirstin!
    Diese Selbstzweifel kenne auch zur Genüge.Es bringt bloß Unglücklichsein und sich immer kleiner zu fühlen. Deshalb habe ich beschlossen, da alles an mir vollkommen ist. Mag es für andere auch nicht so ausschauen, ich bin Vollkommen, denn ich bin ein Ebebild Gottes. Das gesteht uns ja sogar die Kirche zu.
    Seit dem geht es mir besser und mein Selbstbewußtsein steigt.
    Wir sind alle gut genug. Kein Hund oder Katze oder sonst ein Tier würde sich minder fühlen, sie habe manchmal Angst wegen schlechter Erfahrungen, aber Selbstzweif l kennen sie nicht. Warum soll das dann ” die Krone der Schöpfung ” ( hi hi hi)haben?

    Alles Liebe

    Brigitte

  6. Sigrid says:

    Liebe Kirstin,
    erst einmal lieben Dank für deine schönen Beiträge!
    Heute möchte ich dir gern eine Antwort zukommen lassen.
    Du hast die Trauerfeier von W. Houston gesehen, ich habe sie verpasst. Aber es gab
    einen Beitrag am 16. 02. auf BM der Seite von CM und ich war sehr erstaunt, ja doch
    überrascht.
    Hier ein Auszug unter PS: “Candace hat mich gerade erinnert – wir wurden unterbrochen,
    als ich gerade dabei war, die schöne Whitney Houston in Erinnerung zu rufen, deren Zeit
    zu gehen gekommen war. Sie wurde nicht umgebracht, ihr Lieben, und auch wenn Drogen gefunden wurden – es war ihr Weg zu guter Letzt, den Planeten zu verlassen. Ihre ZEIT war gekommen. Sie war eine meiner Glorreichen, die gekommen waren um dieser Welt zu dienen
    und sie hat es gut gemacht, trotz der grauenvollen Dinge mit denen sie wie so viele andere
    von der Elite kontrollierte konfrontiert wurde, Gedenkt ihrer mit wahrer Liebe, denn sie hat
    viel ertragen, um MIR hier zu dienen. Sie ist in ihrer Person eine der MEINEN, ein inkarnierter Erzengel. Sie ist einen schweren Weg gegangen als sie hier war, und ich bin in Freude, sie
    jetzt wieder hier in meinen eigenen Reichen zu haben.”

    Am 17.02. erschien ein Beitrag von ihr auf BM.
    Ich lese täglich auf BM, wie auch auf deiner Seite, natürlich nur das für mich Wichtigste, was
    ich für mich als wichtig erachte, dazu gehören auch die Botschaften aus der geistigen Welt.

    Alles Liebe Sigrid

  7. Kirstin says:

    Ihr Lieben,

    ich danke Euch sehr für Eure Antworten. Bin ganz baff, daß mein Text soviel Reaktionen erzeugt hat. Ich kann sagen, das hat sehr gut getan. Aber auch sonst fühl ich mich heute viel viel besser. Dieser Text kam so aus dem Herzen, schrieb sich fast wie von selbst. Und ich weiß leider grad nicht, was ich noch antworten könnte außer danke 🙂

    Liebe Grüße von Kirstin

  8. Angelika says:

    Liebe Kirstin,
    ich bin vor vielen Jahren da durchgegangen, als ich an einem schlimmen Punkt war. Da stellten sich mir dir Fragen: Wer in mir zweifelt dauernd? Für wen will ich denn gut genug sein?
    Meistens wollen wir für die anderen gut sein, aber da ist der Haken, denn das geht nie gut.
    Diese Zweigel rühren von irgendwo her, meist aus der Kindheit.
    Doch irgendwann kommt man an einem Punkt, wo ein Teil im Inneren genug davon hat und einfach Stopp sagt. Wenn dann aufmerksam ist und das annimmt, beginnt man für sich zu leben, nicht mehr für die anderen. Das Erkennen dass andere dir nichts geben können um dich davon für immer zu befreien, sondern dass man das nur sich selber geben kann, erlauben kann.
    Erlaube dir selber für dich das Wichtigste und Beste zu sein, das wünsche ich dir von ganzem Herzen 🙂 🙂

  9. Liebe Kirstin und all Ihr Lieben hier,
    erst jetzt kam ich dazu dies alles zu lesen und bin sehr berührt vom Öffnen deines Herzens, liebe Kirstin, was ja in den Antoworten auch viel Offenheit zur Folge hatte. Es berührt mich sehr, von den vielen Selbstzweifeln zu lesen und mich in all dem wieder zu finden.
    Besonders der Satz von Kevin Kostner “Und wenn du nun vor Gott stehst und singst, glaub mir: Du wirst gut genug sein.“ geht mir tief ins Gemüt.
    Wir sind alle gut genug und total geliebt – wenn wir das doch nur immer FÜHLEN könnten!!!
    In tiefem Mitgefühl sind die Engel bei uns und unterstützen uns in dieser Entwicklung…
    Ach Ihr Lieben, seid herzlich gegrüßt von
    MarIna

  10. Olaf says:

    Liebe Kirstin,
    dein Artikel hier ist einfach wunderbar, so viel Liebe und Mitgefühl führt einen Menschen der “scheinbar” alles hatte wovon andere nur träumen. Ja sie wurde bejubelt, bewundert, gefeiert und dennoch tief in ihrem Herzen dieser quälende Schmerz. Ich finde sie ist eine großartige Lehrerin und sicher auch für manch einen eine große Herausforderung. Eine Herausforderung weil sie im ersten Moment so “Anders” erscheint, so voll im Hollywood-Lifestyle mit Luxus und Glamour und mit Drogen und Alkohol.
    Für mich ist sie eine Lehrerin weil sie scheinbar alles hatte und dennoch auch etwas das sie mit vielen von “uns” teilt nämlich “Bin ich wirklich gut genug?”
    Auch ich kenne diesen Schmerz der Selbstzweifel und ich weiß auch wie sehr man hier Liebe und Mitgefühl brauchen kann.
    Liebe Kirstin, ganz innigen Dank dir das du dieses so sensible Thema hier gesellschaftsfähig machst. Liebe Whitney, auch wenn ich nie ein großer Fan von dir war hab Dank für all die Freude die deine Lieder in die Welt brachten. Du bist es gut genug, du bist willkommen Ruhe in Frieden.
    Alles Liebe,
    Olaf

  11. Kirstin says:

    Hallo Ihr Lieben,

    ich nochmal mit einem Tag Nachlese. Ich fühle mich so gut mit den ganzen schönen Kommentaren hier. So angenommen und verstanden, wirklich fast getragen. Bin grad in einem Prozeß drin, der einfach nur mit meinem Selbstwert zu tun hat. Deshalb kann ich grad nicht viel schreiben, aber wenn es abgeschlossen ist, denn folgt auch ein Text.

    Liebe Grüße von Kirstin

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