Ich bin du und du bist ich

Gina, Evi, Tom und Sven wuchsen auf wie alle Kinder dieser Welt. Mit Eltern die glaubten das Beste für ihre Kinder zu tun, überzeugt dass ihre Erziehungsmethode die Richtige war. Wie konnten sie es auch anders wissen. Was den Kindern fehlte war nicht Nahrung oder ein Zuhause, es war schlicht und einfach die bedingungslose zärtliche Liebe und Zuwendung die so ein kleines Geschöpf braucht, es fehlte einfach das Verstehen, ein Kind auf seinem Weg zu unterstützen und es anzunehmen wie es ist.

Die Kinder erfuhren  dass sie nicht angenommen oder geliebt wurden, wenn sie nicht das taten oder das waren was die Erwachsenen von ihnen verlangten. Sie suchten auf ihre Art einen Weg um die Aufmerksamkeit und Liebe der Großen zu erreichen. Dabei lernten sie schnell, welche Wege funktionierten und welche nicht. Gina zog sich zurück und verschloss sich, Evi wurde einfach die liebe süße Kleine, Tom rebellierte wo er konnte und Sven wurde der Coole den alle bewunderten.

Was in den Kindern aber blieb, war der unbewusste Glaubenssatz und das innere versteckte Gefühl, sie seinen nicht so wertvoll wie andere, das Gefühl des Nicht verstanden werden, das Gefühl der Einsamkeit, der Zurückweisung und vieles anderes mehr. Was aber am Schlimmsten war, das waren ihre verlassenen Herzen, um die sich niemand so recht gekümmert hatte. Herzen voller Liebe und voller Schönheit, die sich ausdrücken und sich verschenken wollten und das wurde ihnen verwehrt.

Diese Kinder waren anders als viele, denn sie waren medial und hochintelligent, sahen die Dinge anders und hatten viel innere Weisheit, die aber niemand erkannte. Sie hatten eine eigene Vorstellung von Leben und diese wollten sie leben. Sie wollten es den anderen vermitteln, doch keiner hörte zu.

Mit alle dem Gebäck das sie aus der Kindheit mitnahmen, die ganzen Gefühle und unbewussten Überzeugungen, wurden sie immer wieder mit dem selben Schema im Außen konfrontiert. Irgendwann begannen sie eine Suche, sie wollten die Menschen, das Leben und sich selber verstehen und warum all diese Dinge geschahen. Jeder nahm einen anderen Weg um die Antworten zu finden. Sie lasen viel in verschiedenen spirituellen und geistigen Werken und viele neue Erkenntnisse weckten in ihnen ein größeres Verständnis für alles. So begannen sie viel in sich zu heilen, lernten zu Vergeben, wurden achtsamer, bewusster und eine Hilfe für andere und entwickelten sich immer weiter.

Vieles hatte sich verändert in ihnen und in ihren Leben, doch vieles kam immer wieder in der gleichen Form auf sie zu, so dass sie sich oft fragten was sie denn falsch machten.

Einigen von ihnen gelang es schließlich ihre Herzen wieder etwas zu öffnen und sie entdeckten die Sprache und die Weisheit des Herzens. Andere wiederum versuchten über den Verstand alles zu ergründen, sie verstanden die Lehren und versuchten sie umzusetzen. Doch glücklich waren sie dabei nicht. Immer noch fühlten sie sich eingegrenzt und unverstanden. Denn sie gingen noch nicht den ganzen Weg des Herzens, immer wieder dominierte der Verstand und das Egobewusstsein.

Die Wege der vier Kinder kreuzten sich dann im Erwachsenenalter und es kam zu vielen Reibereien und Missverständnissen. Alle spiegelten sich im anderen und sie reagierten mit den alten Mustern ihrer Kindheit darauf. Manchmal wandten sich einige verletzt und enttäuscht ab, doch die anderen kamen wieder auf sie zu. In ihrem Inneren wussten sie, da verband sie etwas, das sie noch nicht verstanden hatten. Da war ein Band zwischen ihnen, das stärker war als alles andere und so kreuzten sie mal die Säbel um sich dann wieder in tiefster Liebe zu umarmen.

Irgendwann viel jemanden auf, was da zwischen ihnen wie eine Mauer war und sie berichtete denn anderen davon. Die kleinen Kinder in ihnen, sie waren noch immer hier und standen in einer Ecke, unbeachtet von ihren Großen. Diese Kinder hatten noch immer wunde Herzen und erst als sich die vier Erwachsenen wirklich diese Kleinen ansahen, sich ihrer annahmen, konnte Heilung eintreten.

Das innere Kind in ihnen durfte heilen und sein Herz konnte sich wieder vertrauensvoll öffnen, es durfte wieder lieben und sich frei ausdrücken, denn es wurde endlich ganz angenommen. Der Erwachsene erfuhr sich selber in diesem weit offenen liebenden Herzen, er hörte auf nur zu funktionieren und begann aus dem ganzen Herzen zu leben. Jetzt merkte er erst, dass er jetzt seine alten Geschichten, seine alten Gedanken und Überzeugungen nicht mehr brauchte.

In ihm wuchs das große starke und wunderschöne Herz heran, das kräftig und voller Freude schlug. Das war es was ihm die ganze Zeit über gefehlt hatte, das er so sehr suchte, sein eigenes Herz zu erkennen und der tiefen Wahrheit darin zu lauschen. Er hatte sich selbst die ganze Zeit alleine gelassen, stets im Aussen nach allem gesucht, während sein Herz geduldig auf ihn wartete.

Als sich die vier dann wieder trafen, erkannten sie in den Augen der anderen sich selber. In den alten Mustern und Handlungen, die selben Schmerzen und Wunden.

Doch sie erkannten endlich auch im anderen das selbe große wunderbare Herz, das im gleichen Rhythmus stark und laut schlug. Sie fühlten sich eins mit den anderen und ihr helles Licht strahlte weit über den Horizont bis tief in das Universum hinein. Jetzt begann ihr wahrer Weg, der Weg ihres Herzens und der Weg in die Freiheit.

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6 Responses to Ich bin du und du bist ich

  1. Kirs Tin says:

    Liebe Angie,

    vielen Dank für diesen schönen Text. Mir ist, als hättest Du von mir geschrieben. Mögen wir alle so bald wie möglich diesen Weg der Heilung und des Verzeihens und vor allem des Miteinanders gehen. Ein wenig mache ich diese Erfahrungen aber schon.

    Liebe Grüße und dicke Umarmung von KirsTin

  2. Angelika says:

    Liebe Kirstin,

    die Geschichte trifft wohl auf viele zu und ich freue mich auch sehr, wenn wir immer mehr den Weg unserem Herzen folgen. Wer es wagt, wird so viel dazugewinnen.

    Liebsten Knuddel für dich 🙂

  3. LIebe Angelika,
    hab Dank für diese berührende Solidarität und Mitgefühl hervorrufende, schöne Mutmach-Geschichte!
    Die nehme ich jetzt mit in die Nacht.
    Mögen unsere inneren Kind Heilung, Liebe und immer mehr Ermutigung und Zuwendung geschenkt bekommen!
    Herzensgrüße schicken dir Ina und Marina

  4. Angelika says:

    Ganz viele Herzensumarmunge für dich und Ina, wir schaffen das schon 🙂

  5. Ralph says:

    Hallo Angelika,

    vielen Dank für diesen wundervollen Text … Du berührst damit sehr vieles in mir. Es ist ein ganz eigenartiges … fast schon vergessenes Gefühl, so berührt zu werden … und es ist erstaunlich genug, es zuzulassen, so berührt zu werden!

    Evi war ich vermutlich nie … kicher … aber die anderen drei Charaktere habe ich alle schon gelebt … ein Ping-Pong zwischen Rückzug und Rebellion, mit der mal mehr und mal weniger ausgeprägten Tendenz zu Coolheit und Abgeklärtheit.

    Es ist eine große stille Freude in mir, Dein großes wunderbares Herz zu erkennen – und gleichzeitig mein großes wunderbares Herz erkannt zu sehen … ist es doch tatsächlich das gleiche Herz. Sich auf diese Weise zu erkennen … mir fehlen die Worte.

    Lassen wir unser Licht im Einklang unserer Herzen strahlen. Dieses Licht ist Frieden.

    In Liebe,
    Ralph

  6. Angelika says:

    Mir fehlen auch die Worte Ralph,
    sehe und fühle ich doch dein Herz das auch meines ist … sei einfach nur umarmt in dieser bedingungslosen Liebe … es ist der Anfang für ein wahres Miteinander …

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