Die Bitte meiner Schatten

Die Nacht war tief und schwarz und sie spiegelte sich in mir wie ein tiefer dunkler See. Ich knöpfte mir noch einmal meine eigene Dunkelheit vor, ein Ritual das ich gerne mache um mich selbst zu erkennen. Die letzten Jahre waren ein Überlebenskampf gewesen und ich war einfach zu müde geworden für diesen Kampf, da war keine Energie mehr in mir noch so weiter zu machen.

„Du musst positiv denken“, „Transformiere es“, „Fokussiere dich auf das was du haben willst“, „Du musst Vertrauen haben“, „Trenne die alten Verknüpfungen und Schwüre“, usw., usw., alles Sätze die ich zur Genüge kannte und auch anwende, jedoch mit sehr schalen Ergebnissen.

Ich hatte vorher ein langes Gespräch mit Gott, ich nenne es so, denn ich unterhalte mich dann immer mit einer Essenz in mir, durchaus nicht auf heilige Art und Weise, sondern gerade so wie mir der Schnabel gewachsen ist. Diesmal ging es um meine innere Müdigkeit von all den Kampf und ich war ganz humorvoll und aufmerksam unterwegs in dem Gespräch. Also setzte ich einfach ein Dekret mit Gott auf: ich mache nicht mehr mit, denn immerhin machen die Seele und er ja sowieso was sie wollen. Da ich ihre Pläne und Absichten einfach nicht so recht durchschaue, beschloss ich als Mensch, den weiteren Verlauf der Dinge den beiden zu übergeben, ohne jegliche Erwartung und das kämpfen aufzugeben. Gott in mir schmunzelte darüber, feixte noch wie langweilig das jetzt sein würde, wenn ich so gar nicht mehr mitmachen würde. Mir war das egal, ihr bestimmt doch alles, ich halte mich da raus und kümmere mich nicht mehr darum.

Dabei wurde ich sofort gelassener und mir war als ob eine Last von den Schultern fallen würde. Ich werde das annehmen was meine Seele hier erfahren will, es als gut einstufen und ihr keinen Widerstand mehr entgegen bringen. Bringt ja doch nichts, meinte ich mit neuer Erkenntnis und lachte darüber. Wenn sie den dauernden Überlebenskampf erfahren will, dann soll sie machen, von meiner Seite gibt’s ab heute keinen Protest mehr dagegen.

Ich guckte mir nach unserem Dialog meine Schatten noch mal genau an, ich kannte sie ja, doch diesmal spürte ich, dass es für mich einen neuen Weg gab, einen den ich unbewusst begriff und den ich nun einschlagen würde.

Als ich sie rief und tief in mir hochholte, kamen sie alle hervor und ich staunte nicht schlecht, als ich die Müdigkeit in ihren Gesichtern sah. Oh oh, die waren genauso müde wie ich ihre Rolle zu spielen und wir versammelten uns am Ufer eines Sees im Licht des Mondes.

Ich blickte allen ins Gesicht, keine schönen strahlenden Gesichter, nein gewiss nicht, sondern ausgemergelte hagere bleiche Fratzen die mich anstarrten. Mitgefühl kam in mir hoch, für meine eigenen Kreationen und ich konnte gar nicht anders als sie zu lieben.

„Was machen wir denn nun?“ fragte ich sie, „ihr gehört alle zu meiner Überlebensangst dazu. Da ich euch mit meinen Gedanken ernähre, die aber nicht so einfach ins Positive verwandeln kann, kann ich euch nur lieben und annehmen. Mit dem Loslassen komme ich hier nicht recht weiter, da die Situation ja im Moment noch da ist und ich euch immer wieder ernähre, wenn auch sehr mangelhaft, aber dennoch bekommt ihr Futter durch mein Denken.“

„Was also wollt ihr? Sagt es mir jetzt und hier.“

Sie schauten mich lange an und ich hielt sie aus, die Gefühle und ihre Gesichter, ich weinte mit ihnen und wusste gleichzeitig, dass hier etwas Grundlegendes für uns geschehen würde.

„Wir sind müde von diesem Spiel, wir wollen nicht mehr mitmachen.“

„Wir wollen endlich frei sein, wollen das Licht leben, wollen uns selber transformieren.“

„Auch wir wollen in die Liebe und die Freude eingehen.“

„Wir wollen das Leben in all seiner Schönheit und Fülle erfahren. Wir wollen den Wind der Freiheit und die Umarmung des Göttlichen spüren und uns auf seinen Wellen tragen lassen.“

„Ja und was soll ich jetzt tun damit ihr das erfahren könnt?“ fragte ich sie etwas ratlos.

„Gar nichts, keinen Kampf mehr für etwas oder gegen etwas, nimm uns einfach jedes Mal zur Kenntnis wenn du uns erneut bemerkst, aber dann lass uns einfach in die Freiheit gehen, indem du uns mit deiner Liebe begleitest. Diese Liebe und deine Aufmerksamkeit ist alles was wir benötigen damit wir uns befreien können. Teile uns einfach mit dass wir frei sind und wir werden uns dankbar dem Licht zuwenden.“

Mit Tränen in den Augen blickte ich sie an und verstand, also setzte ihre Forderungen sogleich in die Tat um und bemerkte fast wehmütig, wie sie sich lächelnd dem Licht zuwandten und sich darin badeten. Na ja, waren sie mir doch so vertraute und treue Gefährten geworden, da darf man schon mal heulend Abschied nehmen. Fast bin ich versucht sie noch bei mir zu halten, doch als freiheitsliebendes Wesen werde ich ihnen auch weiterhin ihre eigene Freiheit erlauben.

Schmunzel, was der Mensch aber auch immer klammern muss ..

Viel von meiner alten Energie verabschiedete sich also aus meinen Körpern, jeden Einzelnen Schatten begleitete ich mit meiner Liebe und ich bemerkte die Verwandlung diese Energien in mir.

Ich weiß jetzt, dass ich noch nicht ganz befreit von meinen alten Denken bin, doch ich setze dem nichts mehr dagegen und auch nichts hinzu, sondern werde so weiter machen und die Verwandlung der Energien ebenso annehmen wie ihren Abschied.

Was kommt noch dazu? Hm, eine gewisse Neugier ist in mir, sehe ich doch die dunklen Gesichter wie sie leuchten und zu strahlen beginnen und das, ja das macht mich neugierig und demütig, denn es erscheint mir wie ein Wunder, so etwas erleben zu dürfen.

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17 Responses to Die Bitte meiner Schatten

  1. Kirstin says:

    Ein so toller Text, liebe Angie 🙂 Schatten bei Dir müßt man sein – da wird man geliebt und darf ins Licht 😉 Nein, im Ernst, ich hab das für mich ja jetzt eeeendlich auch rausgefunden, wie das geht mit dem einfach aufhören. Früher hab ich schon ab und an mal gestreikt, aber dann doch wieder alles vergessen und mich in die Dualität – ins Dramen-Spiel – gestürzt. War mir gar nicht bewußt, daß ich das jedes Mal wieder mache, mit jeder Kleinigkeit, über die ich mich aufrege z.B. Jetzt ist es so, daß ich mich einfach entschieden hab, im Liebesfeld zu bleiben – und wenn ich mal rausfalle, gleich wieder rein. Gott oder meine Seele – sollen sie alle machen, was sie wollen. Kirstin macht Urlaub – oder Reha – lach – hoffentlich für immer 😉 Zeigen sich meine Schatten-Kinder, denn werden sie geknuddelt. Und denn gehts meist auch schon wieder. Ja, das Leben kann ganz witzig sein so.

    Liebste Grüße von Kirstin

    • Angelika says:

      Liebe Kirstin,
      kannst gerne Schatten bei mir sein 😉 … ich mag sie alle meine Kinder und sie sind ja auch meine Schwächen die ich nur zu gerne anschaue. Du kennst mich ja, ein Rebell von Herzen und jetzt gehts eben mal ganz neue Wege entlang, ich lasse mich mal führen und wandle Schatten ins Licht um. Es fühlt sich einfach gut an wenn man seinen eigenen Weg geht, sich mit seinem Inneren beschäftigt und alles fließen kann.
      Wir treffen und dann am Strand :D,
      festen Drücker von mir

  2. Angie says:

    ihr lieben,hmm geht es jetzt darum die Schattenanteile zu integrieren? oder verstehe ich da was falsch?
    “”Mit Tränen in den Augen blickte ich sie an und verstand, also setzte ihre Forderungen sogleich in die Tat um und bemerkte fast wehmütig, wie sie sich lächelnd dem Licht zuwandten und sich darin badeten. Na ja, waren sie mir doch so vertraute und treue Gefährten geworden, da darf man schon mal heulend Abschied nehmen. Fast bin ich versucht sie noch bei mir zu halten, doch als freiheitsliebendes Wesen werde ich ihnen auch weiterhin ihre eigene Freiheit erlauben.””
    Alles liebe
    Angie

  3. Angelika says:

    Hallo liebe Angie,
    ich kann nur für mich sprechen, also ich habe alle meine Schatten immer integriert, sind sie doch ein Teil von mir, ich bin ja Licht und Schatten. Indem ich sie beachte, erkenne und liebe, ihnen auch zuhöre was sie von mir brauchen, gebe ich sie energetisch frei und sie dürfen sich meinem inneren Licht zuwenden. Manche machen das gleich, manche brauchen Unterstützung von mir.
    Dabei bemerke ich dann, wie sich auch alte Gewohnheiten von mir verändern, ich bin achtsamer für mich und mein Denken, mein Fühlen und Handeln, bewusster und nehme mich an so wie ich bin.
    Na ja, ich probiere und erforsche was mir wirklich gut tut, unabhängig von allen Lehren, denn jeder ist anders gestrickt und wir sollten das auch beachten, aus Liebe zu uns.
    Alles Liebste für dich,
    Angelika

    • Angie says:

      liebe Angelika ich danke dir von ♥♥♥ alles klar 😉
      mega drückerle Angie

      • Angelika says:

        Lass mich gerne drücken liebe Angie ;),
        sag mal, wie bekommst du die Herzchen hier rein? Die kenne ich gar nicht, hast du sie reinkopiert ?
        Gigamega Drücker zurück für dich ♥♥♥, 🙂

  4. LIebe Angelika,
    dieses Gespräch berührt mich sehr, ähnliched Dialoge hatte ich mit meiner Göttlichkeit und meinen Teilsaspekten , den Gefühlswesen in mir, auch mehrmals. Die Hingabe an die innere Führung ist es, die mich auch so sehr befreit. Demütig sein und nicht mehr kämpfen, mich in allem annehmen – ach das tut so gut! Dankbarkeit fließt durch mich, auch für den Austausch hier auf der neuen Erde.
    Herzensgrüße schickt dir
    Marina

    • Angelika says:

      Du liebe Marina du,
      von dir lernt man doch die Hingabe an die innere Führung, du bist doch der Lichtengel hier auf Neue Erde der immer tapfer vorangeht. Ein liebes Dankeschön dafür … mit offenen Herzen gehen wir weiter, zusammen, lächeln uns im Geiste zu und wissen … alles ist in uns und alles kommt aus uns.
      Flauschige Lichtgrüße sende ich dir via Herz 😀

      • Liebe Angelika,
        ich kuschle mich gerade ein in deine flauschigen Lichtgrüße und danke dir von Herzen für deine liebevollen, wertschätzenden Worte.
        Ganz viel Segen für dich!
        Alles Liebe nochmal von
        Marina 🙂

  5. Eliana says:

    Liebe Angelika,
    danke für diesen Text. Er hat mich berührt. Vor allem, weil ich vor Kurzem ähnliche Erfahrung gemacht habe mit meinen Schatten. Sie sind müde, sie mögen dieses Spiel ebensowenig weiter spielen wie ich. Ich hörte immer wieder: “Erlöse mich, bitte.”
    Und jedes Mal wenn ich des hörte, kam so eine Liebe zu ihnen in mir hoch – das hätte ich nie gedacht. Ich hab das während der vergangenen Wochen vier Mal erlebt wenn ich in die Stille ging (ich mach das wohl stück für Stück und nicht in der Gruppe – aber das ist ja ok, jeder geht ja seinen ureigensten Weg). Jedes Mal war es ein anderer Schatten der hervor getreten ist und um Erlösung bat. Jedes Mal ist er in mein Herz gegangen.

    Auch die Zwiesprache mit meinem Inneren kenne ich nur zu gut, grins. Und ich werd das mal ausprobieren was denn passiert, wenn ich sag: Ich mach nicht mehr mit. Das war ein guter Tipp. 🙂

    LG Eliana

    • Angelika says:

      Wow liebe Eliana,
      es ist so berührend was du erzählst, ich kann es so nachfühlen, wenn man die eingene Liebe für unsere Schatten so stark fühlt. Gerade sie haben wir doch immer unterdrückt, weggesperrt und wollten sie überhaupt nicht haben in unseren Leben. Wohin also sollen sie denn, wenn nicht in uns bleiben? Ist ja alles Energie und ich bin so froh heute, dass wir das endlich lernen durften, wie wir mit ihnen umgehen und auch sie befreien können.

      Bei mir kommen sie auch meist einer nach den anderen, in diesem Falle war es eben eine Gruppe, da sie durch meine Angst gleich als Gruppe hervorbrachte.
      Ausserdem finde ich es klasse, dass auch du deinen eigenen Weg gehst, selber herausfindest was für dich am besten klappt … schliesslich sind wir ja alle unterschiedlich in unseren Wesen und unseren Ausdruck ..
      Ja und jetzt sind wir wirklich an dem Punkt angekommen, wo wir unseren göttlichen Lichtfunken mal die Führung überlassen sollen .. lach, es ist noch ungewohnt und gar nicht so einfach, jedoch auch entspannend und interessant 😉
      Weiterhin noch einen lichtvollen erfolgreichen Weg wünsche ich dir von Herzen,
      Angelika

  6. Olaf says:

    Liebe Angelika,
    genau darum gehts jetzt sich selbst mehr annehmen und lieben zu können. Sich tief in seiner Liebenswürdigkeit eines jeden Moments bewusst zu werden. In liebevoller Unterstützung unserer Neuen Erde, hier 😀 😀 😀
    Sei gesegnet in all deiner Liebe,
    Olaf

  7. Angelika says:

    Lieber Olaf,
    es war so ein langer Weg bisher und doch nur ein Wimpernschlag gemessen an der Ewigkeit .. sich der ureigenen Liebe bewusst zu werden und tief in sich zu fühlen, als das Wesen das wir in Wirklichkeit sind ist so erfüllend und befreiend wie nichts anderes.
    Wir üben ja noch, Tag für Tag … bis wir es ganz und gar leben, gar nicht mehr anders können .. wir sind doch großartig nicht wahr? Auch das dürfen wir uns mal eingestehen 😀
    Liebevolle Umarmung für dich,
    Angelika

  8. dodo says:

    Liebe Angelika,
    Deinen neuen Beitrag finde ich wieder wunderbar und hab ganz viel davon in mir wiedergefunden! Nach persönlichen Querelen hab ich mich wieder gefunden, nur um wieder sehr erschüttert zu werden:
    http://eulenspiegel.blog.de/2012/05/15/albtraum-organspende-13685588/
    Ich bin ein sehr praktischer Mensch und war durchaus für eine Organspende, wenn sie denn ein Leben erhalten könnte. Aber für mich selber würde ich das nicht wollen, denn ich habe als ehem. Altenpflegerin keine Angst mehr vor dem Sterben und bin bereit, wenn es soweit ist. Schließe in diesem Sinne auch jeden Abend meinen Tag.

    Entschuldige, wenn ich dich damit konfrontiere, aber ich fand keinen Zugang, um einen Eintrag zulanden. Wenn Dich dieses Thema auch berührt, könntest Du es als Blog einstellen?
    Gerade jetzt wird “schön Wetter” gemacht für die Organspende, aber wer will denn schon so ausgeschlachtet werden?
    Außerdem ist es eine ethische Frage für mich, denn nicht alles Mögliche muß auch umgesetzt werden.

    Ganz liebe Pfingstgrüße von Doris, die meint, dass Pfingsten das Fest der geistigen Erneuerung bedeutet.

    • Angelika says:

      Liebe Doris,
      ganz liebes Danke für deinen Beitrag hier, erstens freut es mich dass du ähnliche Erfahrungen gemacht hast, zweitens finde ich das Thema Organspende höchst interessant. Ich habe mich schon öfter damit auseinander gesetzt, was mich anbelangt, da halte ich es wie du: ich möchte kein anderes Organ eingepflanzt bekommen und auch
      für mich ist der Tod nicht mit Angst verbunden.
      Ich werde demnächst mal das Thema hier auf dem Blog bringen und auch deinen Link mit einsetzen, dann können sich auch noch andere darüber austauschen.

      Ich wünsche dir ebenfalls ein geistig reiches Pfingstfest und dürcke dich einfach mal ganz fest :D,
      Lichtvolle Grüße von Angelika

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