Wie “angemessen” dürfen Gefühle denn sein?

Ein Satz spuckte mir letztens, eine Weile nachdem ich ihn gelesen hatte, im Kopf herum: Gefühle angemessen zum Ausdruck bringen. Ich konnte nicht umhin darüber nachzudenken und ja, im Moment hab ich´s mit den Gefühlen.

Wie schwer wir uns noch immer damit tun und wie schwer es den meisten von uns fällt, mit Gefühlen umzugehen, wissen wir ja bereits. Doch was bedeutet für uns, Gefühle angemessen zum Ausdruck bringen und als was definieren wir „Angemessen“?

Immer wenn Menschen auf den Tisch hauen oder „explodieren“, ziehen wir die Köpfe ein, wenden uns ab oder hauen zurück. Je nach Charakter. So was mögen wir nicht, wir fühlen uns meist nicht unbedingt wohl dabei und zu gerne verurteilen wir dieses Verhalten. (Oh, mein Tantchen Nr.1 hatte es drauf, danke dir dafür). Also, hier haben wir schon mal die erste Messlatte aufgestellt.

Wenn Menschen in ihrer Überschwenglichkeit zu gefühlsvoll handeln, uns mit Umarmungen, Küsschen und Liebkosungen stundenlang übernehmen, ziehen wir irgendwann eine Schnute und untersuchen die Fluchtwege. Wobei gerade in meiner Erinnerung Tante Nr.2 erscheint, kugelrund und mit mächtiger Oberweite, an die ich alle fünf Minuten gepresst wurde (hab dich lieb Tantchen 😉 ). Das wäre dann die zweite Messlatte.

Wobei mir gleich noch eine Dritte einfällt, die Sorte vollmundiger Burgunder, die dich jahrelang jammernd oder deppressiv mit ihren Gefühlen berauscht und sich zum x-Male mit dem selben Thema betrinkt. (Tantchen Nr.3, du warst großartig, love you).

Ja, bleibt noch der unnahbare Eisklotz, der in uns ein ständiges Frösteln erzeugt und den wir niemals als Therapeuten in Betracht ziehen würden (erraten, Tantchen Nr.4, ich besuchte sie nur mit Handschuhen und dicken Pullover ♥♥ ). Ähm, mehr Tantchen habe ich nicht ;).

Oh ja, ich lernte also eine ganze Menge von ihnen und ja, sonst mehr ein ruhiger, verschlossener Teenager, übernahm ich eben auch mal diese Gefühlsausdrücke. Parallel erfuhr ich auch sofort die Reaktion meiner Mitmenschen und bekam so einiges Übergebraten wegen meines Verhalten. Sah mich also mit mir selber konfrontiert und fragte mich: Ja was denn, wohin denn mit meinen Gefühlen?

ThomasMeinert.pixelio.de

Postwendend kam die Anwort und fand mich in bester Gesellschaft mit „beherrschten“, aber lieben, netten Menschen, die ihre „dunklen“ Gefühle hübsch verpackt in der untersten Schublade der Kommode bewahrten. Na, dachte ich, scheint ja ganz gut zu laufen bei denen, also so was kann ich doch auch. Das Umsetzen klappte dann auch, aaaber … Manno, mein Körper zeigte mir aber deutlich, dass er damit überhaupt nicht konform ging.

Er zog also alle Register um mir die Augen zu öffen: Gastritis, Magengeschwüre, Nierenprobleme, Rückenschmerzen und sogar das Herz gab seinen Senf dazu. Die Götter in Weiß gaben ihr Bestes, doch sie vermochten des Rätsels Lösung nicht zu entdecken.

Dafür sorgte meine Seele, denn kurz bevor ich zu einen eiskalten Zombie mutierte, brach alles aus mir heraus, was ich an verletzten Gefühlen geschluckt, verdrängt und nicht beachtet hatte. Stundenlang heulte ich alleine in einer Wiese, der Schmerz im Inneren fühlte sich an wie ein brennendes Schwert das sich scheinbar genussvoll in mir drehte  .… ich ging da hindurch und mit einem Male war mir klar: Nix da mit Gefühle unterdrücken! Sie zeigen mir klar und deutlich dass da etwas nicht stimmte. Sie machten mich nur auf etwas aufmerksam: dass ich etwas dachte, wahrnahm, tat, was nicht gut für mich war. Dass ich etwas ungesundes lebte, ertrug, mir gefallen lies, mich selber belügte, mich klein machte, total den falschen Weg ging!

Dass ich dann mich und Leben umkrempelte erklärt sich von selbst, schließlich wollte ich nicht für meinen Gefühlserstickungstod verantwortlich sein und mit Selbstverstümmelung hab ichs nicht so. Ab dann erlaubte ich mir meine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Mal eine sanfte Brise, als frischer Herbstwind und auch in Orkanstärke, je nach Situation. Bevor hier jetzt jemand ganz Spirituell seine Einwände zum Thema „Selbsterschaffung“ hervorbringt ;), ja, ist mir schon klar.

Aber deswegen werde ich nicht zum zerbrechlichen Kristallhaus und auch nicht zum  robusten Schuhabstreifer, o.k. ?

Natürlich erschaffe ich mir alles selber, will ja was erfahren hier, aber mal ehrlich, steht irgendwo geschrieben, dass Gefühle nicht heilig, nicht gesellschaftsfähig, nicht zum Mensch Sein gehören? Wie hoch und wie tief darf also die Messlatte sein?

Wenn mir also jemand zum 3 Male das Auto zu Schrott fährt, dann mache ich bestimmt nicht die 3 Umkehrungsfragen von Katie Byron ( … ist das die Wahrheit? …;) ).

Was ich mit dem ganzen Thema ausdrücken möchte: wir haben nun einmal einen Gefühlskörper, der auf Emotionen und Gefühle reagiert und wenn  Mutter Natur und der „oberste Boss“ uns diesen mitgegeben hat, dann hat das sehr wohl seine Gründe und Richtigkeit.

SimoneHainz.pixelio.de

Da es in unserer Gesellschaft weitgehend verpönt ist, seine Gefühle zu zeigen, ja uns als Kinder schon der Maulkorb angelegt wurde und noch wird, wundern wir uns, warum Menschen manchmal ausflippen, durchdrehen oder zerbrechen. Na, weil wir einfach nicht mehr zuhören wollen, was in uns und dem anderen wirklich vorgeht, welche Gefühle wir haben, was uns zusetzt und weil wir schon gar nicht sehen wollen, wie sehr wir andere verletzen und umgekehrt. Lieber den Ablenkungsmanövern unseres Gehins auf den Leim gehen und uns allerlei “Tätigkeiten” hingeben, nur um uns dabei scheinbar wohler zu fühlen.

Ja, Gefühle sind nun einmal da um verstanden zu werden, sie wollen uns was zeigen. Töte deine Gefühle und du tötest dich und das Leben! Leben, wirklich Leben kannst du nur über deine Sinne = Gefühl = Leben. Gesunde augeglichene Gefühle = gesunder Verstand = gesunder Körper.

Jahrtausende alter Missbrauch der Gefühle zeigt sich gerade weltweit … wir können es jetzt leichter haben …

Ich appelliere für den gesunden Menschenverstand und Herzbewusstsein, um  uns gegenseitig endlich mal die erforderliche Aufmerksamkeit schenken und ja, wir dürfen auch sagen was wir denken/fühlen, ohne dafür als unspirituell oder verrückt eigestuft zu werden. Achsamkeit und Empathie wird gebraucht. Dann haben wir gemeinsam die Chance, aufeinander zu zugehen. Das Endergebnis wird überraschend sein: Erleichterung, Klarheit, Selbst-Bewusstsein und neue innere Stärke und …. du bist ja gleich wie ich! Jetzt endlich kann ich dich verstehen, danke …  und  …. ich fühle mich auch verstanden, danke dafür.

JensBredehorn.pixleio.de

So, wie es einige Handhaben: Ich bin nicht verantwortlich für das was im anderen vorgeht! Ich bin nicht verantwortlich, was der andere meinen Worten oder Tun entnimmt!

Stimmt auch nur zum Teil …. denn das ist ungesunder Narzissmus mit Neigung zum Alter Ego,  ist eine feine Ausrede um sich wiederum der eigenen Verantwortung für sein Tun und Verhalten zu drücken. Bloß nicht das eigene Verhalten angucken. Das müssen immer nur die anderen tun …. ich mach ja alles richtig … den eigenen Spiegel umdrehen und ja nicht selber hineinblicken … ich hab mit deinen Kram nichts zu tun  – so kann man spirituelle Lehren auch verdrehen –ich liebe uns Menschen einfach ❤ = ❤

Oh, ich weiß, das wird vielen nicht gefallen …. nur, warum fühlen sich viele dann immer noch verletzt oder angetriggert, wenn der Spiegel wieder mal umgedreht wird? Wir sind alle Eins … im Herzen, im Sein.

Namaste´ihr Lieben

Noch was zur Bereicherung:

http://www.sein.de/editionsein/das-new-age-manifest/das-new-age-manifest-4–wie-wir-zu-uebersensiblen-selbstbezogenen-narzissten-wurden.html

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10 Responses to Wie “angemessen” dürfen Gefühle denn sein?

  1. Kirstin says:

    perfetto 😉
    liebe angie, danke für diesen wundervollen text. ich mußte lachen und war zutiefst berührt – alles auf einmal. ich sag nur JA – genau so ist es!
    und herzliche grüße an tantchen 1 – 4 😉

    schön, daß du da bist 🙂

    viele knuddels von mir

    • Angelika says:

      Freut mich liebste Kirstin dass du lachst,

      also zwei meiner Tantchen haben schon grinsend den Finger vom Himmel erhoben, wenn ich noch mehr Familiengeheimnisse ausplaudere ….. ;), aber sie lachen auch über sich selber …. “Ganz großes Kino” wie sie es nennen :).

      Liebe Kuschelumarmung an dich :D:D:D

  2. Olaf says:

    Liebe Angelika,
    meiner Erfahrung nach verschwindet ein Gefühl meist sehr schnell wieder wenn es einfach “Da sein darf”. Mögen alle die, die mehr im Herzen sein möchten all ihre Gefühle willkommen heißen. Denn nur was wir anschauen, voller Liebe und Mitgefühl, können wir auch heilen. Jedesmal wenn wir selbst wieder ein Stück heiler werden fließt auch das ins große Ganze. Da wir mit diesem gewaltigen Kosmos, der wir alle Teil sind, vernetzt sind. Alles Liebe dir 😀 😀 😀
    Nice greetings an deine Tantchen…..hihi.
    Olaf

    • Angelika says:

      Du erkennst das so was von Richtig lieber Olaf … ich erlebe das immer wieder auch mit anderen, wenn sie einfach mal ihre Gefühle zulassen und niemand sie deswegen verurteilt … einfach mal durchleben, auch ausdrücken dürfen. Sogar wildfremde Menschen die sich einfach mal ausheulen oder mal Dampf ablassen, hinterher gibt es so eine Verwandlung die sichtbar ist …. es braucht doch nur ein wenig Aufmerksamkeit und Verständnis füreinander und schon fliesst wieder alles in Harmonie .
      We are one … wird immer spürbarer … Tantchen sagen: Ihr seid großartig 😀 😀 😀
      (Die zwei da oben .. Olaf du hast neue Fans 😉 )

  3. Helmut says:

    Hallo Angelika 🙂
    meine vollste Zustimmung. Laß dir meine Hand reichen und dich umarmen.
    und mit einem Male war mir klar: Nix da mit Gefühle unterdrücken! Sie zeigen mir klar und deutlich dass da etwas nicht stimmte. Sie machten mich nur auf etwas aufmerksam: dass ich etwas dachte, wahrnahm, tat, was nicht gut für mich war. Dass ich etwas ungesundes lebte, ertrug, mir gefallen lies, mich selber belügte, mich klein machte, total den falschen Weg ging!

    Dass ich dann mich und Leben umkrempelte erklärt sich von selbst, schließlich wollte ich nicht für meinen Gefühlserstickungstod verantwortlich sein und mit Selbstverstümmelung hab ichs nicht so. Ab dann erlaubte ich mir meine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Mal eine sanfte Brise, als frischer Herbstwind und auch in Orkanstärke, je nach Situation. Bevor hier jetzt jemand ganz Spirituell seine Einwände zum Thema „Selbsterschaffung“ hervorbringt , ja, ist mir schon klar.

    Ja wir ” leben ” unsere Gefühle und Emotionen. Und doch hat uns alle ” in diesem ge-fallenen
    BWS ” sich ein Rucksack davon auf-erlegt der wieder ab muss! Zurück ins göttliche Lebens-BWS.
    Lg Helmut

    • Angelika says:

      Lieber Helmut,
      gerne nehme ich deine Hand und Umarmung an, wir erleben alles dasselbe, wir sind alle aus dem selben Stoff gewebt … lass uns die “Fuseln” davon entfernen, damit die “göttlichen Farben” wieder sichtbar strahlen dürfen.
      Liebste Grüße,
      Angelika

  4. Doris Kleiner says:

    Liebste Angelika,
    Du schreibst mir immer aus meinem Herzen! Auch diesmal hast Du so voll den Nagel auf den Kopf getroffen und aller salbungsvollen Art misstraue ich inzwischen. Die allermeisten Menschen haben ALLE Gefühle in sich und wenn sie das weg meditieren und fabulieren, dann kommt der Teufel von hinten.
    Ich danke Dir für diese offenen Zeilen und bestärke Dich, weiter all deine Tantchen in dir zuzulassen! :-)))
    Ich hatte zwei scheinbar sehr unterschiedliche Elternteile. Vater der zuverlässige, deutsche Offizier und Frührentner, Mutter die angepasste, liebevolle, ihre Wünsche verleugnente Frau. Wie ich jetzt im Alter anerkenne, habe ich wirklich alle beide Anteile in mir drin und das ist oft ein seelischer Spagat! Den auf-den-Tisch-hauenden Vater und die annehmende Mutter, die versucht auszugleichen und sich hinten anstellt.
    Erst seit ich ihre beiden Gefühlsspektren in mir anerkenne, fühle ich mich “runder” und die Extreme werden weniger.

    Wir Menschen sind so herrlich unterschiedlich, groß- und einzigartig jeder für sich nach seinem Temperament. Nur durch unsere Unterschiedlichkeit können wir lernen aufeinander Rücksicht zu nehmen, uns anzupassen, ohne unser Selbst und die Liebe dabei zu vergessen!

    Ich drücke und umärmel dich ganz herzlich und danke dir für noch mal für Deine Zeilen, die mich wieder an mich erinnerten.

    Deine Doris Kleiner

    • Angelika says:

      Liebste Doris,

      dein Kommentar hat mich gerade so im Herzen berührt, denn was du schreibst entspricht genau meinen Empfinungen und Erfahrungen.
      Zu meinen Tantchen kann ich diesselben Eltern einreihen wie du und ja, da war wirklich alles vorhanden. Vor vielen Jahren erkannte ich ebenso in meinen Charakterzügen die beiden Seiten meiner Eltern und fand dadurch zu mehr Ganzheit in mir.
      Mit den salbungsvollen Tun, ja, der Teufel schleicht sich dann eben von hinten ganz leise an, darum lieber ehrlich zu seinen Gefühlen sein und der Herr rutscht ganz schnell auf den Boden aus ;).
      Wir werden es schon lernen, die neue Art miteinander und mit uns selber umzugehen, schliesslich haben wir ein Leben lang Zeit um das zu entdecken.

      Ich danke dir aus dem Herzen für deine Offenheit und klaren, liebevollen Worte,
      fühle dich liebevoll umarmt,
      deine Angelika ❤ ☼ ❤

      • Doris Kleiner says:

        Aber gerne liebe Angelika!

        Das mit dem “ein Leben lang Zeit zum Lernen” stimmt schon, nur fühle ich, dass so viel Zeit ich nicht mehr haben werde. Drum bin ich evtl. auch offener, direkter geworden, weil ich mir Umschweife nicht mehr leisten kann.
        Die Liebe zu mir selbst möchte ich mehr kultivieren, denn die ist über die Jahre auf der Strecke geblieben vor lauter “Gefühle im Zaum halten”.
        Dazu fiel mir die Aussage von Charlie Chaplin ein: Seit ich mich lieben lernte …..

        Seit ich meine Gefühle mehr wahrnehmen kann, ist mein Leben etwas leichter geworden.
        Wobei ich die tiefe Liebe zur Natur nie verloren habe! Nur an den Menschen habe ich öfters gezweifelt.

        Nun gute Nacht und alle Liebe für das was Du Dir vorgenommen hast!
        Deine Doris

        • Angelika says:

          Wundervoll, ich könnte dich grad mal richtig knuddeln liebe Doris, da kommt so viel Weisheit und Herzerfrischendes von dir :D.
          Charlie Chaplin hat es so schön beschrieben, ja, geniesse die Liebe zu dir in allen Farben und Formen … und Zweifel an den Menschen sind erlaubt … ist nur normal ;).

          Schlaf schön und erlaube dich, dich zu leben,
          ich wünsch dir goldene Träume •*””*•

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