Tag der Deutschen Einheit

Grad ist eine Dokumentation auf SAT 1 über das Ende der ehemaligen DDR zu Ende. Ich hab das Bedürfnis, hier noch ein paar Zeilen zu schreiben. Für mich ist der wirklich besondere Tag der 09. November – nämlich da, wo die Menschen selbst die Mauern eingerissen haben. Das ist für mich der eigentliche Tag der deutschen Einheit.

Ich selbst hat die deutsche Teilung direkt mitbekommen mit vielen Ängsten  und Verwirrungen, weil ich aus einer Ost-West Familie stamme und weil ich immer direkt an der ehemaligen Grenze lebte. Wie oft hatte ich als kleines Mädchen Angst, meinen Vater oder meine Großeltern zu verlieren, wenn sie ihre Verwandten im Osten besuchen wollten. Oder auch, wie verwirrt war ich immer, wenn wir wieder Pakete packten für die Verwandten. Wenn die Familie uns besuchen durften im Rentenalter oder zu ganz besonderen Anlässen, kam es mir vor, als kämen sie aus einer ganz anderen Welt – was ja irgendwie auch so war.

Mein Vater und seine Eltern sind zwar vor dem Mauerbau hierher gekommen. Aber sie hatten immer engen Kontakt zu ihrer Familie, die ganz in der Nähe in Rostock und Umgebung lebte. Dann kam die Mauer – und sie waren alle von heut auf morgen getrennt. Nie hab ich das alles wirklich verstanden, warum es so war. Und ich weiß, ich hab dort noch Familie, die ich nicht mal kenne, weil niemand mehr da ist, der die Verbindung herstellen könnte, und ich leider die Namen nicht weiß. Ich merke immer noch, wie sehr mich diese Trennung der Menschen gesprägt hat. Und ich lebte im Westen. Wie muß es den Menschen im Osten damit gegangen sein, eingesperrt und in einer Diktatur zu leben.

Wie sagten sie im Fernsehen grad: Die DDR konnte nur überleben, weil sie den Freiheitswillen ihrer Bürger ständig unterdrückt hat. Wenn die Menschen ihre Angst verlieren, ist es das Ende einer Diktatur.

Ich denke, wir können immer wieder von den ehemaligen DDR Bürgern lernen. Die haben irgendwann ihre Angst verloren. Sie wollten nur noch frei sein und haben einfach gemacht. Ich hatte mich damals irgendwie mit der Mauer abgefunden. Meine Großeltern sagten immer zu mir: “Kind, das ist nun mal so – das werden wir nicht mehr ändern.” Ich habs hingenommen, aber akzeptieren konnte ich es nie.

Umso mehr ist es immer noch ein Wunder für mich, daß diese Mauer überwunden wurde. Ich hab immer wieder großen Respekt vor dem Mut der Menschen und ihren Taten. Und wir alle können das auch! Sie haben es uns doch vorgemacht, daß es eben doch geht. Befreien wir uns von allem, was wir hinter uns lassen wollen – vor allem von unserer Angst. Und heben wir auch unsere eigenen Grenzen auf.

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About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
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8 Responses to Tag der Deutschen Einheit

  1. calichino says:

    🙂 🙂

    Hab’ einen schönen Feiertag, liebe Kirstin, in Liebe, Frieden und Freiheit! Deine Cali

  2. Schöner Text, liebe Kistin. Und weißt du, was ich glaube? Die deutsche Wiedervereinigung von damals war mehr als nur die Einheit Deutschlands, es war der Beginn der Vereinigung von Ost und West, von Yin und Yang, vor rechter und linker Hirnhälfte, von Materie und Spirit, von Verstand und Intuition, von Mann und Frau. Das Ende der Dualität wurde damals eingeläutet und jetzt vollendet es sich.

    Liebe Grüße an dich von Johanna

  3. Angelika says:

    Liebe Kirstin,
    wie gut wir doch in der Geschichte den Trennungsgedanken der Menschheit erkennen können und unsere große Chance, ihn für immer zu heilen in uns.
    Wir erlebten eine Welt der Trennung und wenn die mentale Konstruktion und Symbolik dessen endlich zusammenbricht, wenn wir die Einheit im Herzen erkennen und leben, haben wir durch die Erfahrungen des Lebens gelernt und können zusammen alle Mauern einbrechen. Ich freue mich darauf, freue mich auf diese Zeit die wir erleben dürfen.
    Ganz lieben Drücker 🙂

    • Kirstin says:

      ja angie, so ist das. wie johanna ja auch schon schrieb, ich hab das so bloß noch nicht gesehen, daß es vielleicht alles symbolcharakter hatte. und die trennung durch meine eigene familie ist ja eigentlich auch das, was ich die ganzen jahrzehnte in mir gefühlt hab. von allem und jedem abgetrennt. vielleicht ist jetzt die große freude, die ich immer noch um den fall der mauer hab, ähnlich der freude, die es sein muß, wenn wir alle endlich wieder zusammen sind und uns auch so fühlen.

      dir auch ganz liebe drücker von mir 🙂

  4. Michaela says:

    Sorry, ich bin aus dem Osten und hatte eine schöne Kindheit ohne Angst und ich war frei, auch wenn ich nicht reisen konnte!! Die wirklichen Ängste hatte ich nach der Wende und die waren richtig schlimm, das hab ich in der DDR nie erlebt!
    Ich denke, dass Freiheit auch eine Frage der inneren Einstellung ist und wie wir mit unseren Ängsten umgehen, stellen wir uns Ihnen oder lassen wir uns von ihnen vereinnahmen.
    LG Michaela

    • Kirstin says:

      liebe michaela,

      das find ich klasse, daß du das schreibst. und ich kann mir sehr gut vorstellen, daß die ängste nach der wende kamen. du hast völlig recht, es ist eine frage der inneren einstellung. letztendlich meint ich das auch damit, was ich am ende geschrieben hab. überwinden wir unsere eigenen grenzen.

      liebe grüße von kirstin

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