… und trotzdem – oder grad deshalb lieb ich mich …


Hab mir heut auf Facebook selbst eine Liebeserklärung gemacht. Lach – das war aber gar nicht so beabsichtigt, das kam einfach so raus. Hab es auch erst bemerkt, als es geschehen war, und war fast schon ein bißchen erschrocken.

Es ging um ein Post, den eine Freundin geteilt hatte. Dort wurde über den kommenden Vollmond am Montag geschrieben, daß wir hier die Chance auf einen Quantensprung hätten, und endlich über den ewigen Kratzer in unserer Langspielplatte hinüber kämen. So mal sinngemäß zusammengefasst.

Ich hatte das nicht verstanden, und meine Freundin erklärte es mir. Sie meinte den Kratzer, an dem wir immer hängen. Ich fragte: Welchen Kratzer, ich häng ja meist überall. Woraufhin sie netterweise mir versicherte, daß das doch so nicht stimmt –. Dann hab ich ihr etwas zurück geschrieben, was mich selbst so erstaunt hat, daß ich darüber berichten möchte. Ich kopier es hier mal wörtlich rein.

„meine liebe, das war nicht “fishing for compliments” – so empfind ich doch wirklich. aber das schöne ist ja, ich lieb mich trotzdem – lach – oder vielleicht grad deshalb ich find mich mit all meinen macken und kratzern nett und prima, die gehören doch zu mir. und eines tages, vielleicht ist der ja gar nicht mehr so weit, werd ich genau wissen, wo vielleicht gar keine kratzer waren … und denn wieder einfach nur lachen können “

Und es ist so, tatsächlich. Als mir das klar wurde, daß es stimmt, was ich da einfach so spontan geschrieben hab, kamen mir doch ein paar Tränen. Und ich hatte mit einmal noch mehr Liebe für mich. Das hätt ich nie gedacht, daß sich das so anfühlen würde.

Und grinsen musst ich denn – über mich selbst. Was kann ich alles nicht. Handwerklich bin ich fast gar nicht zu gebrauchen, technisch sowieso nicht. Kreativ bin ich auch nicht wirklich – also jetzt schreiben oder malen oder dichten oder so was. Ok, fotografieren, das geht schon.

Am Computer, da freu ich mich auch, wenn ich nur die „An-Taste“ drücken muß, und alles läuft. Da hapert es oft schon, wenn ich etwas speichern will. Die ganzen Ordner und Dateien und Verzeichnisse – meine Güte. Und wenn ich mit Ach und Krach denn den richtigen Weg gefunden hab zum speichern, kann es durchaus sein, daß ich es auch gleich wieder vergesse, wo mein Text denn nun abgeblieben ist.

Auch im spirituellen – oh jeh … Hab ja vor kurzem schon geschrieben, daß ich oft nur über mich selbst lachen kann, was ich alles nicht mitkrieg. Vielleicht ja doch, aber jedenfalls ist es mir meist nicht bewusst. Oder ich werde z.B. wahnsinnig, wenn ich länger als 5 Minuten meditieren soll, also still sitzen an einem Platz und vor allem schweigen. Und ob ich nu erwacht bin oder nicht, das kann ich auch nicht wirklich beurteilen. Dazu müßt ich vielleicht erstmal besser verstehen, was denn erwachen eigentlich genau bedeutet.

Körperlich und psychisch hab ich auch einige Blessuren – früher nannte ich es Krankheiten.  Aber auch die gehören zu mir. So hab ich es immer gehalten, dazu hab ich immer gestanden. Z.B. hab ich mal Alkoholmissbrauch betrieben. War nicht so lang, aber immerhin. Seitdem trinke ich keinen Tropfen mehr. Das hab ich auch immer offen gesagt. Ich sag ganz genau das, was ich denke und fühle und verschweige nichts. Was nützt es denn, wenn ich etwas verschweige oder anders darstelle, als es ist? So werd ich doch nie wissen, ob die Menschen wirklich mich mögen – wenn sie mich denn mögen – oder nur die schöne Fassade, die ich aufgebaut hätte.

Ja, also nach alledem hab ich mich nun selbst gefragt, was hab ich denn oder was kann ich eigentlich? Ich hab ein Herz, einigermaßen Verstand, lache gern – auch über mich selbst – und ganz viel Verständnis und Mitgefühl. Bin offen und sage genau das, was ich meine. Und ganz dumm bin ich auch nicht –– auf vielen Gebieten hab ich zumindest „gefährliches Halbwissen“. Und mit diesen Eigenschaften hab ich mich die letzten Jahrzehnte einigermaßen durchs Leben manövriert, auch ohne jetzt konkret viel vorzuweisen haben. Vielleicht ist das ja auch ne gute Grundlage für die neue Zeit.

Und jetzt stell ich heut an diesem „denkwürdigen“ Tag sogar noch fest, daß ich mich einfach so mag, wie ich bin. Dafür mag, daß ich bin. Und es sogar noch ausspreche. Meine Güte, was für ein Gefühl! Und vielleicht ist das ja genau der erwähnte “Kratzer” bei mir. Daß ich es früher nie so empfunden hab. Und selbst wenn, hätte ich so nicht darüber gesprochen, weil ich mich das gar nicht getraut hätte, aus Angst, für überheblich gehalten zu werden. Und schau ich um mich um, denn seh ich da auch noch andere Menschen, die mich auch zu mögen scheinen – trotz all meiner Defizite –

– oder auch vielleicht grad deswegen … 

Advertisements

About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
This entry was posted in Allgemeine Texte. Bookmark the permalink.

11 Responses to … und trotzdem – oder grad deshalb lieb ich mich …

  1. Verena says:

    Das ist es ja gerade.

    Du musst nichts “Besonderes” vorweisen, nichts Besonderes können, nichts besonderes leisten…

    Ich mag dich einfach.

    Ob wir uns sehen, telefonieren, schreiben…oder nicht.

    Es ist mir gleich, was du tust.

    Ich spüre einfach diese Wärme in mir, diese Weite……und ich freu mich, dir jetzt zu schreiben.

    Ich hab dich erlebt, dich gefordert. Nicht “extra”…du weißt bestimmt, was ich meine.

    Und ich möchte dir sagen, dass du besonders bist, weil du eben bist, wie du bist……und dass ich nachvollziehen kann und mich freue, dass du dir selbst eine Liebeserklärung gemacht hast.

    Supi!!!

  2. Ruth Saphir says:

    Und du bist besonders, weil du nicht alle Hebel in Bewegung setzt, um in der Öfentlich als etwas Besonderes angesehen zu werden. Welche Kämpfe werden dort ausgetragen, um sich in einem von der Öffentlichkeit angesehenden Bilde zu präsentieren und dann, meist verblasst das Bild, wenn es nicht echt und autehentisch ist. Du bist es Kirstin, soweit wir uns nicht hin und wieder selbst was vormachen und uns selbst noch etwas verschwommen wahrnehmen. Waren es bisher diejenigen, die am besten Worte fanden, um andere zu beeindrucken, so werden es in den letzten Minuten der alten Zeit immer mehr jene werden, die wortlos, aus ganzem Herzen in die Welt strahlen. Dazu brauchst du kein Handwerk mit Brief und Siegel… ein Herz braucht keine Bestätigung von außen, weder Zahlen, noch Däumchen und all die sich übertrumpfen wollenden Meßmethoden.
    Bleibe die, die du bist und Herzen werden sich finden…..

  3. Kirstin says:

    danke ihr beiden lieben, freu mich über eure worte. 🙂

    viele knuddels von mir 🙂 ❤ ❤

  4. Angelika says:

    Lieber Knuddel du,

    vielleicht hab ich dich so lieb gerade wegen deiner Kratzer 😀 …. gerade ein Mensch der sie offen zeigt und dazu steht … das ist doch die besondere Musik und ja … unsere Platten sind voll mit Kratzern und immer wieder bleibt die Nadel daran hängen … lach, die Tiefen unserer Seelen: Leben, lieben, lachen.
    Wärst du nicht du, gäbs noch was zu erfinden 😀

    With love, Angie

    • Kirstin says:

      danke liebe angie, ich weiß grad gar nicht, was ich mehr zu all diesen netten worten und gedanken sagen soll. ich freu mich einfach 🙂

      viele kuddels von mir 🙂

  5. Beate says:

    Schatzilein!!!! ….. und das Hüpfchen-Herz unter dem Artikel ist ja allerliebst!

  6. Angeliki says:

    Liebe Kirstin….. diesmal richtig 🙂

    Ich habe mich köstlich amüsiert!! Der Text ist wirklich herrlich!!
    Vor allem “Welchen Kratzer, ich häng ja meist überall. “!! 🙂 🙂
    Danke dafür…

    Wenn ich meine Katastrophentage habe, dann versuche ich öfters nichts zu tun und meckere dann auch über mich, dass ich so bin… geschweige denn die anderen Sachen…
    Das ist auch für mich eine gute Spiegelung.

    Alles Liebe
    Angeliki

  7. “…Oder ich werde z.B. wahnsinnig, wenn ich länger als 5 Minuten meditieren soll, also still sitzen an einem Platz und vor allem schweigen….”

    Ich lade Dich herzlich zum Zazen ein! Entweder in unserem Zendo in Luzern oder zum nächsten Sesshin im März! 🙂

    Grüsslis!

    • Kirstin says:

      das ist witzig, liebe barbara, es stimmt – zen ist das einzige feld, in dem ich mich gut bewegen kann. und da fällt mir das sitzen auch leicht, weil ich es als so natürlich empfinde. danke für die erinnerung.

      liebe grüße von kirstin

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s