Die Nummer mit dem „Müssen“

Was muß ich eigentlich? Gar nix!

Ich find, nicht mal die Aussage, die viele denn machen: „Ich muß aufs Klo und irgendwann sterben“ – nicht mal die stimmt doch wirklich, oder? Klar, wenn wir essen und trinken, haben wir Stoffwechsel. Und das kommt irgendwann raus. Aber müssen wir tatsächlich irgendwann sterben? Keiner weiß es – vielleicht sind wir bislang nur gestorben, weil wir immer dachten, das wär normal. Und da wir so gedacht haben, sind wir halt auch irgendwann abgetreten.

Früher war ich regelrecht gebeutelt von Existenzangst – meine Güte! Witzigerweise vor allem, als ich noch gut verdient hab. Dann wurde ich krank und arbeitslos – da wurde auch meine Existenzangst irgendwie weniger. Aber ich kenn es zu gut. War teilweise so schlimm, daß ich nur einen Menschen irgendwo in der Ecke sitzen sehen musste, da ging in meinem Kopf die Denk-Maschinerie schon los.

„Ja, du musst aufpassen, auf der Arbeit keinen Fehler zu machen, perfekt zu sein. Weil – wenn du einen Fehler machst, wirst du bestimmt entlassen. Dann kannst du deine Miete nicht mehr zahlen und landest sofort unter der Brücke.“ So hab ich gedacht – das war für mich fast schon selbstverständlich. Und zermartert hab ich mich damit! Also, andere haben mir nie gesagt – du musst … das hab ich schon bestens selbst übernommen.

Viele hüpfen ja heutzutage an die Decke, wenn sie von anderen hören, daß sie irgendwas müssen. Mich hat das nie gestört, wenn andere mir das sagen – wahrscheinlich weil der innere Antreiber und Kritiker in mir selbst viel größer war, der immer gesagt hat, du musst …

Es ging bei mir ja nicht nur um die Arbeit. Auch sonst meinte ich immer, mich perfekt ans System an- und einpassen zu müssen. Schön die Brave sein, denn kann mir ja nix passieren – so hab ich immer gedacht. Und wieviele „müssen“ waren da dabei – meine Güte! Ich musste mich stets um dies und das und alles kümmern – also auch wieder perfekt sein – damit da nix anbrennt, damit mir nicht irgendwelche Nachteile geschehen.

Und der Witz war nur, je perfekter ich sein wollte, desto mehr Dinge kamen, die ich eigentlich auch „gemusst“ hätte – also, irgendwie hätt es nie ein Ende gegeben. Ich war wirklich dabei, mich tot zu „müssen“ …

Der Himmel oder meine Seele hatten irgendwann die Nase voll von meinem ewigen „müssen“ und haben mir erst ein burnout geschickt und danach meinen Mann. Also erst bin ich total auf die Nase gefallen und danach lernte ich meinen Mann kennen, und der hat mich wieder aufgesammelt und mir erst mal grundlegend erklärt, daß auch ich Rechte hab und nicht nur Pflichten. Sowas – das war mir ganz neu. Daß ich durchaus auch mal was nicht machen muß, daß es durchaus in Ordnung ist, mal nicht so perfekt zu sein. Und vor allem, daß ich fast die Pflicht mir selbst gegenüber hab, auch mal meine Klappe aufzumachen, wenn mich was stört. Tja, das war ein Ding … mit wieviel Angst das bei mir verbunden war! Aber ich habs versucht – allein schon, weil ich keine Lust hatte, meinem Mann das ewig auseinander zu setzen, wenn ich doch mal wieder meinte, perfekt „müssen“ zu müssen.

Der hat das nämlich ganz cool gemacht, hat keine Vorwürfe oder so, sondern nur gefragt: Warum? Und denn war es mir erst peinlich (wieder „versagt“), und danach hab ich selbst gemerkt: Ja – warum eigentlich?

So, und als nächstes hab ich denn angefangen zu spenden. Existenzangst hat ja auch was mit Geld zu tun. Also hab ich das denn hergegeben, von dem ich am meisten Angst hatte, es zu verlieren. Ich wußte, es geht darum, zu vertrauen. Und außerdem wollte ich tatsächlich helfen. Bei mir setzte sich wie von selbst der Gedanke fest: Ich werd immer alles haben, was ich brauch. Und es gibt so viele, denen geht es viel schlechter als mir.

Na ja, da hab ich keine Ahnung, wie das kommen konnte. Wie diese Gedanken mich fanden. Auf jeden Fall ist es bei mir bis heute so – Existenzangst ist wie weggeblasen. Bin so froh darüber, hab nicht vergessen, wie mich das zermartert hat. Und mit dem „müssen“ wirds immer besser, immer weniger. Allerdings die Klappe könnt ich schon noch öfter aufmachen. Man denkt das vielleicht nicht, wenn man meine Texte liest, aber Angst ist doch noch mindestens einmal zuviel in mir.

Aber ich dank dem Himmel und meinem Mann – wo immer er jetzt auch ist auf der anderen Seite – daß ich zumindest schon da bin, wo ich jetzt bin.

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About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
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3 Responses to Die Nummer mit dem „Müssen“

  1. Ruth Saphir says:

    Es gibt Augenblicke, da spürt man, dass jeglicher Kampf für oder gegen etwas dazu führen wird, dass man verliert. Wieso dann noch kömpfen? Diese einsicht kommt meist dann, wenn man alles verloren hat, wenn nichts mehr übrig ist, wofür es sich lohnen würde zu kämpfen.. selbst der auferlegte Perfektionismus scheint sich aufzulösen und du spürst nur nch eines: “Ich Bin”. und wenn dieses Verständnis plötzlich alles durchdringt, was dich ausmacht, dann braucht es keinen Kampf mehr, dann verwandelt sich jegliches Kampfgebaren ind grenzenloses Vertrauen, weil du deine Ausrichtung veränderst. du wendest dich ab von der Zerstreuing der Welt und öffnst den Kanal zwischen Himmel und Erde….Ich werde geade heut darüber schreiben, nachdem ich wieder eine sehr torbulente Nacht mit allerlei einsichten hinter mir habe…
    AL

    • Kirstin says:

      genau so ist es liebe ruth, nur daß es bei mir zum glück nicht so war, daß ich alles verloren hatte – bis auf meine innere ruhe vielleicht. aber das ist ja eigentlich schon alles, fällt mir grad auf. was bedeutet materieller besitz, wenn ich keine gelassenheit hab.

      dir auch alles liebe von kirstin

    • Lars says:

      Liebe Ruth, ich habe genau diese Erfahrung gemacht. Man kann nur so lange kämpfen bis alle Energie, aller Mut und Kraft erschöpft ist. Bis der Kampf einen von innen zerstört, bis man merkt, dass Kampf immer Verlust bedeutet. Auch Perfektionismus ist ein Kampf mit der Realität oder besser gesagt mit einer Realität mit der man nicht einverstanden ist. Wenn man alles verliert, dann hat man die Chance alles zu gewinnen was echt und natürlich ist. Alles was man verlieren kann, ist nur die illusionäre Wahrnehmung von sich selbst und den Dingen um uns herum. Das ist das größte Himmelsgeschenk, dass wir auf die Wahrheit zurückgeworfen werden. Wenn die eigenen Systeme versagen, greift die göttliche Wahrheit. Das ist dann das fallen lassen in Gott. Wir geben auf um alles zu Gewinnen. Unseren Stolz, Perfektionismus, Rechthaberei, Wissen, sogar unseren Glauben und Gewinnen damit alles was Echt ist und nicht durch das EGO-Selbst erschaffen wurde.

      Schönen Sonntag Gruß Lars

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