Zivilcourage – wat is dat denn?

Ich geb zu, ich musste auch erstmal bei Wiki googeln. Also – hab ich dort gelesen – wörtlich übersetzt heißt es Bürgermut. Und wer sind die Bürger? Wir alle. Also geht es darum, ob und wie wir alle Mut beweisen. In Alltäglichkeiten oder in besonderen Situationen.

Auf das Thema gekommen bin ich durch die Aktion von Ralph Boes aus Berlin, der zur Zeit hungert, weil er durch Hartz IV sanktioniert wurde und nur einen Bruchteil Geld bekommt, da er sich weigerte, das menschenunwürdige System und dessen Machenschaften weiter mitzumachen. Ist das Zivilcourage? Ich denke schon, obwohl man natürlich sagen könnte, jetzt hat er ohnehin nichts mehr zu verlieren, wo er schon sanktioniert wurde. Aber auch jetzt sind seine Angehörigen von den Sanktionen betroffen.

Und wie kam es überhaupt soweit? Er hat NEIN gesagt. Er hat gesagt, ich mache etwas nicht. Er hat deutlich gesagt, daß er etwas für menschenunwürdig hält. Er hat sogar gesagt, wie er es sich stattdessen vorstellen würde. In seinem Brandbrief heißt es u.a. „Ich spreche jede Art von Arbeit heilig, die aus einem inneren ernsten Anliegen eines Menschen folgt …“ http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de/brandbrief/ Also er ist nicht einfach nur ein Anarchist. Wenn man sich mit ihm und seinem Anliegen beschäftigt, stellt man fest, daß es sich um einen hochintelligenten, tiefsinnigen Menschen handelt, der sich einsetzt, um aufmerksam zu machen und damit sich etwas im System ändert. Zum Video mit ihm einfach ein Stück weiter unten in meinem letzten Text schauen.

So, was mach ich nun für mich damit? Eine Möglichkeit ist, ihn einfach für einen faulen, renitenten Zeitgenossen zu halten, der nur aufmucken und stören will. Eine andere Möglichkeit ist, sein Verhalten innerlich gut zu finden, aber sich dennoch abzuwenden, weil es für mich zu gefährlich sein könnte, mich an seine Seite zu stellen. Und die dritte Möglichkeit, zu schauen, was bräuchten er und seine Aktion, wie könnte ich ihn unterstützen.

Ich gebe zu, ich hab alle drei Möglichkeiten durchlaufen. Als ich das erste Mal auf Facebook von ihm las, da hab ich es gleich wieder beiseite gepackt. Hab zwar etwas von ihm geteilt, aber sehr halbherzig. Mein Leben verlief grad so schön friedlich, das sollte nicht gestört werden. Aber eine meiner Freundinnen war hartnäckig, wies mich immer wieder auf ihn hin. Da hab ich denn doch mal genauer hingesehen und festgestellt, was für ein tolles Anliegen er eigentlich hat. Und daß er das, was er getan hat, daß er sich geweigert hat und jetzt die Konsequenzen tragen muß und diese sogar noch öffentlich trägt – daß er einfach das für uns alle tut. Denn wir alle müssen täglich mit diesem unmenschlichen System leben. Ja – schön – da konnte ich also nicht mehr wegschauen. Aber wat nu?

Tja, da hab ich doch bei mir schon ein kurzes Zögern festgestellt, ob ich dabei mitmache, ihm Öffentlichkeit zu verschaffen und die Infos mit zu verbreiten. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus einem kurzen Anflug von Angst. Was könnte mir wohl geschehen, wenn ich mich öffentlich mit ihm solidarisiere, mich mit anderen an seine Seite stelle. Könnte ich auch Nachteile dadurch erlangen?

Zum Glück war dieser Anflug aber nicht so lang. Ich hab mich daran erinnert, daß es darum geht, den Rücken grade zu machen. Genau, wie er es getan hat. Nein zu sagen zu etwas, das man nicht will. Mit offenen Augen und Herzen durch das Leben zu gehen und die Dinge zu benennen, die für mich falsch laufen. Zu mir selbst und zu meiner Wahrheit zu stehen.

Wie war es überhaupt möglich, ein derartiges System zu etablieren? Weil ein paar immer mehr haben wollten und Mittel und Wege gefunden haben, andere einzuschüchtern und zu unterdrücken. Und die große Masse immer verängstigter und ohnmächtiger wurde, den Mund hielt und zusah, daß sie selbst so gut wie möglich überleben konnte. Und zu dieser großen Masse gehörte auch ich – ganz klar – und tu es ja immer noch.

Schauen wir uns die Beispiele in der Welt an, wo die Menschen in der letzten Zeit überall friedlich auf die Straße gehen. Ihre Angst überwinden und einfach NEIN sagen. Und wir müssen ja gar nicht soweit gehen. Die Menschen in der ehemaligen DDR – wenn sie damals nicht genau diese Zivilcourage gezeigt und auch NEIN gesagt hätten, dann würde die Mauer mit Sicherheit heute noch stehen. Und auch solche Menschen wie Ralph Boes gehören dazu. Sie machen es uns doch alle vor, zeigen, wie es gehen könnte. DANKE an alle, die schon für uns alle friedlich gekämpft haben. Nehmen wir uns ein Beispiel an ihnen und stehen auch wie sie immer wieder auf und sagen NEIN, wenn wir nein meinen.

Die kleine Gruppe derjenigen, die die Macht für sich beanspruchen, kann doch nur so mächtig sein, weil wir alle immer wieder einknicken. Zwar sehr verständlich und nachvollziehbar – aber wollen wir es nicht mal anders probieren?

Wir alle – jedes Wesen auf dieser Erde – hat den göttlichen Funken in sich. Und als solches sind wir alle gleich – egal, ob Mensch, Tier, Pflanze oder Mineral. Jedes Wesen hat seine Würde und verdient es, mit dem gleichen Respekt behandelt zu werden. Tun wir das endlich und holen uns friedlich unsere Würde zurück!

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About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
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2 Responses to Zivilcourage – wat is dat denn?

  1. Zivilcourage ist oft schon einfach Mut hinzugucken finde ich. Es ist doch nicht nur das “Einknicken”… Mut hinzusehen, wertzuschätzen was sich dem Auge zeigt – das ist doch schon eine große Übung 😉 Standhaft zu sein, wenn alle anderen weggehen- das ist die Kür 😉

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