Sich selbst zu verzeihen ist so schwierig

Eine Freundin erzählte mir dieser Tage von einem ständig schwelenden Konflikt in ihrem Leben, der schon so lange dauert, bereits mehrfach vor Gericht ging, und wo immer wieder neue Dinge ausgegraben werden. Es kehrt einfach keine Ruhe ein. Bei dieser Erzählung hatte ich irgendwie den Gedanken, daß es hier möglicherweise gar nicht mehr um die Sache an sich ging, sondern vielmehr irgendwas gezeigt werden sollte, was sie sich die Beteiligten bislang bei sich selbst noch nicht angesehen haben.

Nach dieser Unterhaltung fragte ich mich, warum kam das jetzt zu mir. Was ist da bei mir, das ich mir selbst auch noch nicht angesehen hab. Es gibt da tatsächlich etwas, vor dem ich auch keine Ruhe finde. Wo sogar immer noch Groll in mir ist. Da nützt auch das ganze spirituelle Wissen nix. Da ist ganz einfach Groll.

Hundertmal angesehen, die ganze Situation. Es geht um Personen, die mal in meinem Leben waren. Die Kontakte waren von Anfang an zutiefst schwierig. Ich wußte sehr schnell, was bei mir im argen lag. Konnte es aber nicht klären. Die andere Seite machte einfach zu. Endlich nach ewigem hin und her fand ich den Mut, sie endgültig aus meinem Leben rauszuwerfen.

Auf der einen Seite eine große Erleichterung. Mein Leben wurde schlagartig wieder schöner und heller. Aber trotzdem war es nicht vorbei für mich. Trauer, Schmerz und unendliche Wut blieben. Zumindest anfangs. Zumal das ganze die Personen auch nicht im geringsten zu interessieren schien. Ich sah, wie sehr mir diese Kontakte über die Zeit immer mehr Energie abgezogen hatten, weil ich nicht in meiner Mitte geblieben bin. Ich fühlte mich aber jedes Mal immer stärker in der Falle. Ich wußte, daß mir das nicht gut tat, fühlte mich aber völlig ohnmächtig, das ganze zu beenden.

Alles in mir nochmal angeschaut, aufgeklärt – der Schmerz ging weg, die Trauer auch, aber trotzdem blieb der Groll. Und zwar – wie ich heut bemerkt hab – nicht auf die Personen. Sondern auf mich. Ja, auf mich selbst. Daß ich nicht besser auf mich aufgepasst hab. Daß ich es von Anfang an hätte erkennen können, ja erkennen müssen, daß es nicht gut für mich ist. Daß ich die Zeichen so deutlich gesehen hab. Und trotzdem so völlig unfähig war, es gleich am Anfang zu beenden.

Diese Problematik kenn ich schon mein ganzes Leben. Ich hab mir schon immer bestimmte Menschen gesucht, mit denen es schwierig wurde. Hab mich dann über die Maßen bemüht, sie zu „knacken“, was natürlich nie gelang. Aber je hoffnungsloser das ganze Unterfangen war, desto mehr hab ich mich angestrengt. Obwohl ich das im Laufe der Jahre viel besser verstanden hab, ging es doch bis vor ca. 10 Jahren noch so. Hab zwar immer mehr gelernt, aber letztendlich bin ich doch immer wieder in die Falle gelaufen.

Vor ca. 10 Jahren konnte ich endlich damit aufhören. Schaute mich selbst ziemlich schonungslos an, was da bei mir immer wieder zu diesen Katastrophen führte. Kam immer mehr zur Ruhe. Fühlte innerlich tatsächlich sowas wie Frieden und Gelassenheit – endlich. Ich war zwar nicht wirklich glücklich, aber es ging mir gut. Ich hatte Freude und endlich sowas wie ein gewisses Selbstvertrauen aufgebaut. Aber in meiner Mitte war ich trotzdem noch nicht. Und ich hab mich wieder von anderen manipulieren lassen.

Warum hab ich das zugelassen? Warum war ich so schwach – so blind? Warum wollte ich so blind sein? Warum hab ich mir selbst alles wieder kaputt gemacht, was ich mir bis dahin aufgebaut hab? Diese Fragen trieben mir heut wirklich die Tränen in die Augen. Da war er, der Schmerz. Wegen niemand mehr sonst, das hatte ich geklärt. Aber wegen mir. Mich hatte ich dabei ganz vergessen. Ich hatte mir das selbst nie verziehen. Und das tobte eben die ganze Zeit in mir.

Mir wurde dann aber klar, daß ich ja doch was gelernt hab. Als sich später eine ähnliche Situation wiederholte, da hab ich es besser geschafft, bei mir zu bleiben. Und hab heute keinen Groll mehr. Und danach ist es mir gar nicht mehr passiert. Ich hab viel mit Menschen zu tun. Aber wenn ich nur ansatzweise bemerke, daß es wieder so ein Kontakt sein könnte, der mir nur Energie abzieht, bleib ich einfach vorsichtig und schau sehr genau. Dies zu sehen, half mir echt. Und ich hab mich selbst in den Arm genommen. Hab gesehen, daß ich einfach immer nur das getan hab, was mir möglich war. Und mehr kann ich nicht von mir erwarten. Und heut “knack” ich niemand anders mehr, sondern nur noch mich selbst. 😉

Und ich hab zum ersten Mal gemerkt, wie schön und erleichternd es ist, sich selbst lieb zu haben. Sich so zu sehen, wie man ist. Und sich selbst zu verzeihen. Allen anderen verzeihen wir oft so schnell – vergessen wir uns selbst dabei nicht!

 

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About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
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5 Responses to Sich selbst zu verzeihen ist so schwierig

  1. Liebe Kirstin,
    das berührt mich. Sich selbst zu verzeihen, sich selbst in den Arm zu nehmen und zu lieben mit allem Drumund Dran – das ist es, was so heilend für uns selbst und damit für die Welt ist.
    Alles, alles Liebe von Marina 🙂

  2. Olaf says:

    Ja, liebe Kirstin, sich selbst vergeben und verzeihen ist nicht gerade die leichteste Übung für uns Menschenkinder. Schön das du den Mut hattest es immer und immer wieder zu versuchen. Es ist so erlösend und liebevoll sich selbst gegenüber sich zu vergeben 😀 😀 😀
    Ganz HERZlich,
    Olaf

  3. Kirstin says:

    ja, ihr beiden lieben, danke euch. so war es auch bei mir. es hat sich alles gleich viel leichter angefühlt.

    gute nacht und viele liebe grüße von kirstin

  4. Ruth Saphir says:

    Liebeste Kirstin.. diese vielen “Warums” in unserem Leben. Sicher, wir hätten viele anders machen können, wenn wir und die Zeit dafür reif gewesen wäre – nur- es waren beide nicht. Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, dann könnte ich sagen, verfehlter konnte es kaum sein und dennoch, weil ich heute mit andem Blick schaue, sage ich, besser hätte es nicht sein können. Kirstin, wir haben erfüllt in unserm scheinbaren Versagen, weil das Versagen zum Spiel gehörte und eigentlich keines ist. Uns wurde nie versprochen, dass das Leben auf Erden einfach sein würde und wir sind trotz der Vorausschau gegangen. Schon das war eine besondere Weise zu dienen. Heute schauen wir anders und schauen anders auf uns. Kirstin, wie kannst du einem göttlichen Wesen, welches du bis, welches in großer Liebe all dies Lieblosigkeiten ausgekostet hat und ausgelebt hat, nicht liebevoll in die Arme nehmen, weil es so großartig getan hat? Ich verzeihe mir, weil ich mich inzwischen sehr liebhabe und schätze, anerkenne, was ich getan habe und mich damit in die Startlöcher begebe, noch sehr viel mehr zu erfüllen, aber mit anderm Selbstwertgefühl und Liebe zu mir selbst. Verzeihe allen, auch den ganz “Schlimmen”, denn sie spielen doch auch nur ihr Spiel.
    Das ist gerade jetzt unser Aufgabe… zu lieben was das Zeug hält, selbst wenn das “Zeug” nicht mehr lange hält.

    Deine Ruth
    Vielleicht noch eine Anmerkung: Verwandle doch mal dein Glaubensmuster “Verzeihen ist schwer – egal ob andern oder dir selbst” in
    “”Verzeihen ist einfach, mühelos und voller Liebe.”

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