Und ewig wächst das Bewußtsein …

Ich hab mich mal wieder schlapp gelacht – über mich selbst. Wurde mir doch mal wieder gesagt, daß ich offenbar schon die ganze Zeit etwas richtig mache, ohne daß es mir aufgefallen wär.

Ich unterhielt mich mit meiner Freundin darüber, daß ich es jetzt auch extrem merke, wie die Zeit immer weniger wird. Daß ich überhaupt nicht mehr alles schaffe, was ich vorher noch geschafft hab. Und daß ich es immer lästiger finde, die täglichen Verpflichtungen zu erledigen, wo ich doch in der Zeit viel lieber das tun könnte, was mir Spaß macht. Lernen, erforschen, erkennen, erfühlen – geistig unterwegs sein und bewusster werden.

Meine Freundin meinte, sie versteht das gar nicht, was ich mit der Zeit mein. Es sei doch ganz egal, was man macht, wenn man immer im Moment ist.

Ich hab ihr erklärt, daß es mich nervt, wenn ich z.B. Zähne putze, diese Zeit, die dabei vergeht. Es ist etwas, was ich machen muß, sogar zweimal am Tag. Ok, mach ich ja auch, aber in der Zeit kann ich eben nix anderes machen. Die Zeit ist weg, verloren. Weil – wenn ich Zähne putz, bin ich eben ganz konzentriert beim Zähne putzen. Also voll bei der Sache. Da hat nix anderes Platz.

Hach – und da erklärte mir meine liebe Freundin, daß das doch tatsächlich genau das richtige sei. Daß das ja bereits eine Art von Meditation ist, wenn man ganz bewusst bei dem ist, was man grad tut. Daß das eigentlich eine höchst geistige Angelegenheit ist, was ich doch immer so gern will. Ich musste echt nur noch lachen – wieder mal was neues erkannt. 😉

Klar weiß ich, daß die östlichen Philosophien das sehr propagieren. Alles, was man tut, bewusst zu tun. Daß es genau darum geht. Und besonders aus dem Zen-Buddhismus kenn ich das. Aber ich hab mir eben immer in meinem Hirn zusammen gebröselt, daß ich dafür bestimmt viel trainiert haben muß. Ruhe und Zeit und Raum brauche, um das ganz perfekt machen zu können. Und da kam die Zeit, die ich mit Zähne putzen „vergeuden“ musste jeden Tag, natürlich sehr ungelegen.

Oh, ich lach mich wirklich schlapp. Bin ich irgendwie ständig mir selbst hinterher gelaufen, ohne es zu merken. Und gejammert und geklagt, daß ich es einfach nicht auf die Reihe krieg. Und dabei hatt ich es die ganze Zeit schon vor der Nase. Aber so geht’s mir bei vielem. Daß ich völlig unbewusst vieles richtig mache, ohne es zu merken. Aber dafür hab ich denn zum Glück meine lieben Freundinnen. Die kennen das schon von mir.

Und weil wir schon mal so schön dabei waren in der Erklärung des Lebens, kamen wir denn auch noch darauf zu sprechen, daß das Leben ja auch im außen stattfindet. Auch son Punkt bei mir. Da ich bisher über vier Jahrzehnte sehr intensiv im außen gelebt, mich aber irgendwie nie besonders glücklich oder gar bewusst gefühlt hab, dachte ich nun vor einiger Zeit, es sei bestimmt viel besser, mich mehr zurück zu ziehen, um nicht mehr so viel von mir selbst abgelenkt zu werden.

So war das nämlich tatsächlich. Schon früh lernte ich, daß es nur darum geht, zu funktionieren und irgendwie in der Gesellschaft mitzumachen. Selbst als kleines Kind wurde ich z.B. von meiner Mutter bei Sonnenschein „rausgeschickt“ (so drückte sie das tatsächlich immer aus), weil man bei Sonne eben draußen spielt. Zwischendurch rein durfte ich nur, um evtl. was zu trinken oder zur Toilette zu gehen – oder wenn ich mich beim Spielen verletzt hatte. Aber wenn das alles erledigt war, musste ich sofort wieder raus, weil „man“ es eben so machte. Erst am Abend oder in Herbst und Winter hatte ich mal meine Ruhe. Natürlich ging „man“ bei Schnee auch raus, aber eben glücklicherweise nicht so lange, weil es ja kalt war.

Daraus ist sicher zu erklären, warum ich auch heutzutage den Abend oder eben Herbst und Winter so liebe.

Das wär ja alles auch gar nicht so schlimm gewesen, wenn ich bei allem auch gelernt hätte, alles bewusst zu tun. Und eben genau das hab ich nicht getan – mein Leben lang nicht. Und so hab ich eben für mich gedacht, wenn ich mich jetzt zurück ziehe, denn hätt ich endlich Zeit und Raum, zu Bewusstsein zu kommen. So, als wenn das was wär, dem man hinterher hecheln müsste, um es zu erreichen. Ein weiterer Irrtum, über den ich nun kräftig lachen kann.

Also war ich bereits seit gestern dabei, alles, was ich mache, ganz bewusst zu tun. Sozusagen immer in die Rolle des inneren Beobachters zu schlüpfen. Jede Kleinigkeit, die ich tue, ganz bewusst aus dieser Position wahrzunehmen und zu sehen, wie fühl ich mich dabei. Fühlt sich genial an, kann ich nur sagen. Ich fühl mich zwar auch ein bisschen schräg dabei, aber das ist mir ja nix neues, so fühlte ich mich ja immer schon. 😉

Advertisements

About Kirstin

Was möchte ich mit dieser Seite erreichen? Ich selber halte mich für einen ganz normalen Menschen. Ziemlich viel passiert im Leben. Immer auf der Suche nach Glück – oder zumindest Ruhe und Gelassenheit und innerer Zufriedenheit. Mein Weg führte mich irgendwann zur Spiritualität – zum Glück. Aber es musste erst viel passieren. Für mich ist es aber bis heute manchmal nicht so leicht, das, was ich theoretisch für gut und richtig befinde, auch praktisch in mein Leben einzubauen. Und da haben mir in der Vergangenheit Texte geholfen, die die Dinge einfach beim Namen genannt haben. Die mich einfach da abgeholt haben, wo ich stand. Na ja, und das möchte ich einfach gern weitergeben. In meiner eigenen Art, einfach so, wie ich denke. Ohne großen literarischen Anspruch. http://unsereneueerde.blogspot.de/
This entry was posted in Allgemeine Texte. Bookmark the permalink.

5 Responses to Und ewig wächst das Bewußtsein …

  1. ist es dir nicht unangenehm so entfernt von dir zu sein?
    Ich meine ja- bewusstes Wahrnehmen ist das eine- aber gleichzeitig entfernt von sich zu sein dabei… hm.

    • Kirstin says:

      liebes stimmchen, ich weiß jetzt nicht ganz genau, was du meinst. daß ich einfach raustrete aus mir selbst? nein, das ist mir nicht unangenehm, ganz bestimmt nicht. das, was aus mir raustritt und nur beobachtet, das ist doch mein wahres selbst. unverletztlich. das, was meint, die person kirstin in diesem leben zu sein, ist das ego, der verstand. und diese halten doch permanent eine wahrheit für mich aufrecht – ihre wahrheit. und wenn ich sie gewähren lasse, denn mein ich, das wäre wirklich die wahrheit. wenn ich sie allerdings als illusion erkenne, dann bin ich frei. dann ist die seele frei. so sehe ich das. das ego und der verstand halten sozusagen einen kinofilm aufrecht. aber dieser film bestand doch größtenteils aus leid. und ich möchte einfach aus diesem leid aussteigen.

      liebe grüße von kirstin

  2. Liebe Kirstin,
    die Bewusstheit, in der wir alles machen oder geschehen lassen, empfinde ich als wahrlich heilsam. Auch unser Mensch-Sein mit alle dem, was dazu gehört an gefühlen und Daseins-Zuständen ist mir sehr wichtig zu empfinden, ja und auch mein kleines Ich (was ich lieber sage als Ego) mag ich. hauptsache, ich bin mir bewusst darüber, dass manches z.B. aus meinem kleinen Ich stammt. Das kann ich vermehrt auch lachend genießen (im kleinen Ich zu sein).
    Ich wünsche uns allen viel Humor bei allen menschlichen Spielen und lächelnde Bewusstheit.
    Herzlich grüßt dich Marina
    P.S. Und auch liebe Grüße an dich, liebes inneres Stimmchen!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s